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17. Juli 2020

DAS ZÜRCHER MUSEUM FÜR DIGITALE KUNST (MUDA) MUSS SCHLIESSEN

Das Museum of Digital Art (MuDA) muss nach vier Jahren erfolgreichem Betrieb seine Schliessung auf Ende Juli 2020 ankündigen: «Ausbleibende Einnahmen durch den Corona-Notstand, fehlende Kulturförderung und hohe Mietkosten bereiten dem gemeinnützigen Projekt ein frühzeitiges Ende», teilen Mitgründerin Caroline Hirt und Mitgründer Christian Etter mit.

Bild: An der Eröffnung im Februar 2016 – Das Schweizer Künstlerduo Gysin-Vanetti brachte die Fallblattanzeige von Zürichs Hauptbahnhof mit neuer Programmierung aus dem Ruhestand zurück. – Foto: © Zürich Tourismus

Im Frühling 2016 wurde das MuDA eingeweiht. Der feierliche Anlass war keine Selbstverständlichkeit: das kleine Museum konnte den Umbau des Erdgeschosses des Herdern-Hochhauses, Zürichs erstem Hochhaus, dank einem Crowdsourcing-Rekord finanzieren. Über 100’000 Franken wurden aus der ganzen Welt gespendet, um Europas erstes physisches Museum für digitale Kunst zu eröffnen.

Über die nächsten Jahre folgten zehn durch einen Algorithmus kuratierte Ausstellungen. Nationale und internationale Künstler, von Zach Lieberman bis zu Vera Molnar, zeigten auf den 400 Quadratmetern in Zürich West ihre einzigartigen Werke mit digitalem Herzschlag.

Zusammen mit Volksschulen, Universitäten und der ETH baute das Museum für Digitale Kunst zudem ein breites Bildungsangebot auf, mit kostenlosen und günstigen Kursen für Kinder, Berufstätige und Pensionäre: Um die Schere, die durch die digitalen Technologien immer weiter aufgeht, wieder ein wenig zu schliessen. Dazu veranstaltete das MuDA regelmässig öffentliche Debatten rund um die Verbindungen von Daten, Algorithmen und Gesellschaft. Die Tätigkeit des MuDA wurde von der UNESCO wie auch dem Netzwerk Europäischer Museen NEMO für seine «Best Practice» gerühmt.

Wie alle Schweizer Museen musste das MuDA am 16. März 2020 dieses Jahres mit dem Betrieb pausieren. Diese wegen der Corona-Pandemie nötige Massnahme stoppte alle Besuchereinnahmen. Einnahmen, welche im Fall des MuDA über die Hälfte der Betriebskosten decken. Normalerweise decken Zürcher Museen weniger als 10% ihrer Kosten durch Billetverkäufe, der Rest wird hauptsächlich mit öffentlichen Geldern bezahlt, ein kleinerer Teil durch Stiftungen und Spenden.

Dies wurde dem MuDA nun zum Verhängnis. Die Stadt Zürich sprach zwar im letzten Jahr Fördergelder von 8’000 Franken, was 3% von MuDAs Gesamtbudget von einer Viertelmillion ausmachte. «Gleichzeitig liess die Zwinglistadt wissen, dass eine kontinuierliche Förderung nicht gegeben sei. Der Kanton Zürich, der vor der Eröffnung seine Unterstützung zusagte, sprach schlussendlich während der gesamten Betriebszeit keine finanzielle Hilfe zu», schreiben Caroline Hirt und Christian Etter.

Die Zürcher Migros-Genossenschaft, welche dem Museum die 1965 von Gottlieb Duttweiler eingeweihten Räumlichkeiten vermietet, offerierte wegen der bundesrätlich verordneten Schliessung die Schenkung von einer Monatsmiete. Da der Lockdown länger dauerte, die BesucherInnen seit der Wiedereröffnung im Mai nur spärlich zurückkamen und die Mietkosten gut einen Drittel der Gesamtkosten des MuDA ausmachen, liess der bleibende Mietaufwand alle finanziellen Reserven des Non-Profit-Unternehmens schwinden.

Ein weiteres Problem stellten die bevorstehenden Renovationsmassnahmen dar. Das denkmalgeschützte Hochhaus wird 2021 einer Totalsanierung unterzogen. Obwohl den Initianten zu Mietbeginn signalisiert wurde, dass sie länger bleiben dürften, konnte ihr Vertrag nicht verlängert werden. «Trotz ausgiebiger Suche nach einem neuen Standort konnte kein neues geeignetes und langfristiges Zuhause gefunden werden. Ein allfälliger Kredit um das durch die Notstandmassnahmen entstandene Loch zu stopfen, könnte somit in der verbleibenden Mietdauer nicht zurückbezahlt werden», so die Hirt und Etter.

Mit dieser finanziellen Realität konfrontiert, entschieden sich Caroline Hirt und Christian Etter, den Mietvertrag zu kündigen, um einer Insolvenz zuvorzukommen: «Es tut angesichts unseres langjährigen Aufbaus weh, diesen kurzfristigen Entscheid fällen zu müssen. Während die Schulen geschlossen waren, brachten wir in unseren Corona Creative Classes über 400 neugierigen Kindern die Schönheit algorithmischer Kunst, der Programmierung und des Engineerings bei. Die digitale Technologie hat grossen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Es bräuchte solche öffentliche, physische Orte um sich kreativ, vielseitig und inspirierend mit ihr auseinanderzusetzen, statt sie nur für passiven Konsum zu nutzen. Ein Kapitel schliesst sich, aber unsere Leidenschaft für die digitale Kreation bleibt. Wir danken allen, die uns während diesen fünf Jahren auf unterschiedlichste Weise bei diesem Abenteuer unterstützt haben, wir sind äusserst stolz auf das Erreichte.»

Am 19. Juli 2020 wird das MuDA seine letzte Finissage abhalten. Die letzte Ausstellung zeigt die hypnotisierenden Werke von Raven Kwok, einem jungen Künstler aus Shanghai.

cp

Kontakt:

https://muda.co/zurich/

#MuDA #MuseumofDigitalArt #CarolineHirt #ChristianEtter #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

raven kwok

Bild: Raven Kwok – Portal 1.0 ist eine interaktive Installation, die vier einfache Kartonkisten in nichts weniger als Teleportations-Portale verwandelt. Mit einem Arcade-Joystick gesteuert, schiebt sich eine Kugel von einem Würfel zum nächsten, wackelt sich durch physische und virtuelle Räume – Foto: © Digital Arts Association

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 17. Juli 2020
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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