20. Juni 2026
«EXTRASENSORY – CHLOE WISE»
Ausstellung der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G, bis am 6. September 2026

Bild: Portrait von Chloe Wise – Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G

Bild: Ausstellungsansicht, «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026 – Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Die Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G präsentiert mit «Extrasensory» die erste grosse institutionelle Ausstellung in der Schweiz der in New York lebenden Künstlerin Chloe Wise (geb. 1990). Im Zentrum der Ausstellung steht der mehrkanalige Film «PsyFi*», der untersucht, wie unterschiedliche Kulturen über die Jahrhunderte hinweg Begegnungen mit dem Unbekannten beschrieben haben. Indem Wise Parallelen zwischen religiösen Visionen und zeitgenössischen Erzählungen über ausserirdische Phänomene zieht, deutet sie darauf hin, dass Erfahrungen, die einst als Engelserscheinungen, Lichtwesen, telepathische Kommunikation oder ekstatische Zustände verstanden wurden, heute in Erzählungen über UFOs und nicht-menschliche Intelligenz eine bemerkenswerte Entsprechung finden.

Bild: Ausstellungsansicht, «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026 – Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Obwohl sich die Sprache zur Deutung solcher Phänomene im Laufe historischer und technologischer Entwicklungen verändert hat, bleibt die zugrunde liegende Erfahrung erstaunlich konstant. Anstatt diese Glaubenssysteme bestätigen oder widerlegen zu wollen, richtet Wise den Fokus darauf, wie Erzählungen, Bilder und kulturelle Deutungsmuster die Wahrnehmung und Interpretation solcher Erfahrungen prägen. Figuren, die an Engel, übernatürliche Wesen oder technologische Erscheinungen erinnern, treten als instabile Konstruktionen auf, oszillierend zwischen Archetyp und Projektion, und machen die Grenzen der Sprache sichtbar wenn sie mit dem Unsagbaren konfrontiert wird.

Bild: Ausstellungsansicht, «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026 – Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Geschrieben und inszeniert von Chloe Wise und produziert von GUMMY Films, markiert «PsyFi*» das bislang ambitionierteste filmische Projekt der Künstlerin und vereint Mitwirkende aus Film, Musik, Kostüm und Performance. Der Film entfaltet sich in einer immersiven Dreikanal-Installation, die die Zuschauer in eine sich ständig verändernde filmische Umgebung einbettet. «Extrasensory» bedient sich bekannter Bildsprachen, von Science-Fiction-Filmen bis hin zu religiöser Ikonografie, und rückt in den Vordergrund, wie die Wahrnehmung durch kulturelle Codes geprägt wird.

Bild: Filmshot aus «PsyFi*», «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026 – Foto: © Logan White
Im Film erscheinen sieben archetypische Figuren als Verkörperungen mystischer oder metaphysischer Phänomene. Die Protagonisten, gespielt von einem internationalen Ensemble aus Schauspielern und Künstlern, darunter der amerikanische Rapper JT, die Schauspieler Ben Ahlers, Delaney Rowe, Michael Buscemi, Lucas Bravo und Bianca Leigh sowie die bildenden Künstler Miles Greenberg, Moses Sumney, Martine Syms und Martine Gutierrez, nehmen bewusst überzeichnete Rollen ein, die Glaubenssysteme, kulturelle Archetypen und ideologische Projektionen verwischen. «PsyFi*» greift die Bildwelt von Wise’ Gemälden auf und bezieht sich zugleich auf die Ästhetik des Kinos und Fernsehens des späten 20. Jahrhunderts. Daraus entsteht ein verführerisches und zugleich unheimliches visuelles Register, das die Auseinandersetzung der Ausstellung mit Manipulation, Fantasie und der Zirkulation massenmedialer Bilder unterstreicht.

Bild: Verschone uns vor Schönheit – Filmstill aus «PsyFi*», «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026
Die Ausstellung erweitert sich über den Film hinaus zu einer Abfolge räumlicher Inszenierungen, die den konzeptuellen Rahmen der Arbeit weiterentwickeln. Besucher:innen betreten zunächst einen Raum, der wie ein esoterischer Souvenirshop am Strassenrand gestaltet ist und in dem religiöse Objekte und UFO-Memorabilia nebeneinander existieren, Rosenkränze, Figuren, Tarotkarten und Souvenirs, wodurch sich die Grenzen zwischen Glaube, Kommerz und Alltagserfahrung auflösen.
Ein zweiter Raum evoziert zugleich eine Garderobe hinter der Bühne, einen Ort der Andacht und das Innere eines Raumschiffs und verbindet Vertrautheit mit Desorientierung. Gemeinsam rahmen diese Umgebungen Glauben nicht als festes System, sondern als etwas, das durch Objekte, Wiederholung und kulturelle Zirkulation erfahrbar wird.
«Extrasensory» entstand aus meinem Interesse daran, wie Menschen über Jahrhunderte hinweg versucht haben, Erfahrungen zu beschreiben, die sich Sprache, Logik oder Beweis entziehen, von Engeln und Visionen bis hin zu ausserirdischen Wesen. Die Ausstellung untersucht, wie Wahrnehmung durch Erzählungen, Glaubenssysteme, Medien und Bildwelten geprägt wird und wie das Unbekannte fortwährend durch die visuelle Sprache seiner jeweiligen Zeit übersetzt wird.
Mich interessiert Ambiguität, besonders in einer Gegenwart, die von wissenschaftlichen und technologischen Denkmodellen bestimmt ist und in der uns beigebracht wurde, unerklärliche Phänomene zu verdrängen. Mich interessieren eine neue Form der Verzauberung sowie die Parallelen zwischen Science-Fiction und Spiritualität.
Chloe Wise

Bild: Ausstellungsansicht, «Extrasensory – Chloe Wise», Kulturstiftung Basel H. Geiger, 2026 – Foto: Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein neues Künstlerbuch im Hatje Cantz Verlag, das Besucher:innen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Mit Beiträgen aus Psychoanalyse, Kunstgeschichte, wissenschaftlicher Forschung und persönlichen Erfahrungsberichten erweitert die Publikation die Fragestellungen der Ausstellung durch unterschiedliche Formen von Sprache und Interpretation.
Kuratiert von Samuel Leuenberger
cp
Kontakt:
https://www.kbhg.ch/de/1641d/Ausstellungen-Extrasensory
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Kommentare von Daniel Leutenegger