19. Juni 2026
«AN DIE KUNST GLAUBEN»
Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau, Kartause Ittingen, bis am 6. September 2026

Bild: Martyna Marciniak, Still aus Anatomy of Non-Fact, Chapter 1 AI Hyperrealism, 2023, Video, ca. 18 Min. © Martyna Marciniak

Bild: Veronika Spierenburg, Still aus Aus-Höhlen, 2015, Video, gefilmt in Georgien, 21 Min. © Veronika Spierenburg
Kunst und Glauben waren und sind schon immer verbunden – von der Höhlenmalerei über das Kirchenfresko bis hin zum NFT. Die Ausstellung zeigt Gegenwartskunst, die sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzt. Während die christliche Kunst die Menschen durch Bilder in ihrem Glauben stärken sollte, hat sich die Rolle der Kunst im 20. Jahrhundert gewandelt: Sie steht weniger für Glauben, als für Zweifeln, Hinterfragen und Differenzieren. Die Kunst der Jetztzeit beleuchtet das Potenzial von Bildern, Fakt und Fiktion zu vermischen besonders kritisch.
Kunst selbst darf die Tore der Imagination weit öffnen – denn sie ist per Definition ein Raum der Freiheit. So zeigt die Ausstellung auch, dass der Kunst eine spezifische Kraft und Bedeutung innewohnt, die keine andere Disziplin erfüllen kann.
Und wenn man sich gelegentlich fragen mag, welche Relevanz sie angesichts der Weltlage noch hat, so liegt nicht zuletzt im Glauben an die Inspirationskraft eine Antwort. Kunst öffnet neue Räume und entwirft Gegenwelten.
Die Ausstellung verbindet die Räume im Oberen Keller mit einer teilweise noch historischen Mönchszelle im Ostkreuzgang. In den verschiedenen Räumen wird das Thema in unterschiedlichsten Medien beleuchtet: Skulpturen aus Wachs, Stein oder Seife, Gemälde, Leuchtkasten, Textil- und Videoinstallationen.

Bild: Hedwig (Hedi) Huser, Madonna, ca. 1980–1993, Wachsmalstift, Bleistift und Filzstift auf Papier, ca. 29,5 × 21 cm
Gezeigt werden Leihgaben wie die humorvolle Arbeit «Anatomy of Non-Fact» der international bekannten polnischen Künstlerin Martyna Marciniak. Sie untersucht das Deep Fake des Papstes in einem stylischen Rappermantel. Daneben finden sich auch Sammlungsbestände wie eine liebevoll bemalte Kirche aus Zement von Ulrich Bleiker oder die «Regenbogensteine» des Künstlerduos huber.huber. Stêphanie Baechlers Jacquard-Textil verwebt unterschiedlichste Materialien und Bildelemente zu einem postmodernen Teppich, der Handarbeit und Hoffnung thematisiert. Vertreten sind in der Ausstellung auch erstaunliche Neuzugänge in der Sammlung wie jene der unbekannten Hedi Huser, die jahrelang Madonnen zeichnete – sie lebte in einem Heim und steht für den Sammlungsschwerpunkt der so genannten Naiven oder «Outsiderkunst». Hingegen verarbeitete die St.Galler Künstlerin Marlies Pekarek das Röntgenbild einer Jahrhunderte alten Madonnenstatue zu einem Leuchtkasten.
Ein Highlight der Sammlung, die Videoskulptur «Cleaning the Mirror Nr.1» (1995) von Marina Abramovic wurde anlässlich dieser Ausstellung wieder instandgesetzt. Eigens für die Ausstellung neu produziert das bekannte bündnerische Künstlerduo Gerber / Bardill die raumgreifende Mehrkanalvideoprojektion «Ofengeschichten», 2016/2026. Sie verlebendigt historische Ofenmalereien, wie sie auch in der Kartause Ittingen an vielen Orten zu finden sind, auf höchst innovative Weise. So verbinden sich in dieser Ausstellung Arbeiten zum Thema Spiritualität und Glauben mit der Frage nach dem Glauben an die menschliche Kreativität und Innovationskraft.
Mit Werken von
Marina Abramović, Stéphanie Baechler, Regula Baudenbacher, Ulrich Bleiker, Gabriela Gerber und Lukas Bardill, huber.huber, Hedwig (Hedi) Huser, Martyna Marciniak, Marlies Pekarek, Veronika Spierenburg und Judit Villiger
kmtg
Kontakt:
https://kunstmuseum.tg.ch/de/sammlung/ausstellungen/ausstellung.html/7912?exhibition=154

Bild: Ausstellungsansicht «An die Kunst glauben», Kunstmuseum Thurgau, 2026 – Foto: Stefan Rohner
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Kommentare von Daniel Leutenegger