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15. August 2022

«PUT ON YOUR RED SHOES (AND DANCE THE BLUES)!»

Noch bis am 21. August 2022 dreht sich im Kunstmuseum Olten alles um den Tanz und das Tanzen in der bildenden Kunst. Das Ausstellungsprojekt befasst sich mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern, die das soziale und gesellschaftliche Potenzial des Tanzens für ihre Arbeit nutzen. Gleichzeitig spiegelt es auch die engen Beziehungen des Tanzsystems mit performativen und installativen Praktiken in der bildenden Kunst.

Bild: Saksia Edens (*1975), Make–up, 2008, Video, 18 min. 11 sec.; Sound: Daniel Buess – © Saksia Edens

Die wechselseitigen Beziehungen beider Gattungen erfreuen sich heute eines steigenden Interesses. Dies hängt in erster Linie mit dem interdisziplinären Denken zusammen, das den aktuellen Kunstdiskurs prägt. So wurden die Abgrenzungen der künstlerischen Gattungen, die seit der Antike und bis ins 19. Jahrhundert noch heftig umkämpft waren, erst mit der beginnenden Moderne gelockert.

Ein Beispiel dafür waren etwa Serge Diaghilevs «Ballets russes» im Paris der 1910er- und 1920er-Jahre. Auch mit der steigenden Bedeutung der Kulturszenen der Grossstädte und dem damit einhergehenden Ineinandergreifen der Interessen von Tänzern, Musik- und Theaterschaffenden, bildenden Künstlerinnen, Philosophen, Architekten und Gestalterinnen wurde die gegenseitige Stimulation von Tanz und bildender Kunst wichtiger.

Die Ausstellung und ihre Themen

Heute sind rigide Gattungsgrenzen im Kunstbereich kaum mehr denkbar. Kunstschaffende tanzen selbst (Regina Graber) und malen sich dabei (Andrea Muheim). Sie zeichnen Menschen beim Tanzen (Jacquy Neukomm) oder geben ihren KollegInnen den Auftrag zu tanzen (Lysann König).

Sie setzen sich tänzerisch mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinander, etwa mit dem fürsorgerischen Freiheitsentzug (Seline Baumgartner), der Befindlichkeit von jungen Erwachsenen während Corona (Rebekka Friedli und Nathalie Kamber alias Kollektiv Beton) oder den politischen Verhältnissen in China (Eva Borner).

Sie wirbeln öffentlich zugängliches Bild- und Textmaterial für aktuelle Bildaussagen in wildem Reigen durcheinander (Ueli Sager) oder nutzen den tänzerischen Ausdruck für Interviews und thematisieren damit die Beziehungen zwischen Tanz und Sprache (Till Velten).

Sie reflektieren sich selbst mit den Stilmitteln des Tanzes (Manon) oder tun sich mit PerformerInnen oder TänzerInnen zusammen, um gemeinsam ein Werk zu schaffen – sei es, um den öffentlichen Raum zu erkunden (Veronika Spierenburg und Lisa Livret, Tänzerin aus Bordeaux) oder um mit Aufnahmen im Oltner Wald das Thema des Fremdseins zu reflektieren (Andy Storchenegger und Guang-Xuan Chen, Mitglied des Balletensembles am Stadttheater St.Gallen).

Sie beschäftigen sich mit elementaren, auch kunstgeschichtlich relevanten Themen, etwa mit dem Totentanzmotiv (Saskia Edens) oder mit der Vergänglichkeit im Allgemeinen (Eva Borner).

Und schliesslich ist da noch San Keller, der seine eigene «San Dance Company» schafft, indem er mit Interessierten Verträge abschliesst und sie damit verpflichtet, lebenslang zu einem selbst-gewählten Stück zu tanzen, wann immer sie es hören, im privaten wie im öffentlichen Raum.

Kooperationen und PartnerInnen

Aber auch im Tanzsystem sind mannigfache hybride Formen im Zusammenwirken mit der bildenden Kunst erkennbar. Die Institiution TANZINOLTEN mit ihrer Gesamtleiterin Ursula Berger gab denn auch den eigentlichen Anstoss zum Ausstellungsprojekt, denn was könnte dem Museum Besseres passieren, als solch eine ausgewiesene Tanzfachfrau vor Ort als Expertin mit ins Boot zu holen und aktiv zur Mitwirkung bewegen zu dürfen? So zeigt das Kunstmuseum Olten etwa die Veranstaltungsplakate, die seit vielen Jahren von Künstlerinnen und Künstlern gestaltet werden (darunter Entwürfe von Franz Anatol Wyss, Marianne Büttiker oder Schang Hutter).

«Wir freuen uns ganz besonders, dass Ursula Berger zum Titelstück der Ausstellung eine Choreographie entwickelt hat, die das Publikum mittanzen kann. Die gesammelten Tanzschritte werden von uns zu einem kollektiven Tanz zusammengefügt und für die Nachwelt erhalten.«, schreibt das Museum.

Und weiter: »In diesem Zusammenhang darf auch noch erwähnt werden, dass wir mit Claudia Waldner eine externe Co-Kuratorin gewinnen konnten, die massgeblich zum Gelingen des Projekts beigetragen hat. Gemeinsam mit unserer Kunstvermittlerin Yolanda Ludwig betreut sie zudem das weitgehend von ihr in Kooperation mit Ursula Berger zusammengestellte Tanz- und Musikprogramm rund um die Ausstellung. Claudia Waldner ist freie Kuratorin und Künstlerin. Während ihrer Zeit als Leiterin des Kunsthaus Zofingen (Oktober 2014 bis Mai 2021) hat sie dort das dreiteilige Ausstellungsprojekt Bodenlos (2015–2017) zu Tanz und Kunst kuratiert.

Werke aus Oltner Sammlungen

Einen weiteren Schwerpunkt des Projekts bilden Werke aus den Sammlungen der Oltner Museen. So sind aus den Beständen des Historischen Museums Aufnahmen des bekannten Oltner Fotografen Franz Gloor zu sehen, die während der Oltner Tanztage 1995–2005 entstanden sind. Daneben verweisen Plakatentwürfe und Holzschnitte von Otto Morach sowie Arbeiten von Alice Bailly und Albert Müller auf die oben angedeutete Annäherung von Tanz und bildender Kunst in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und mit Zeichnungen von Dieter Linxweiler, die während Tanz-Performances in den 1980er-Jahren entstanden sind, gedenkt das Kunstmuseum Olten einem Künstler aus der Region, der vor zwei Jahren verstorben ist und der Sammlung des Kunstmuseums eine kleine, aber repräsentative Auswahl von Arbeiten aus seinem Lebenswerk vermacht hat.

kmo

Kontakt:

https://kunstmuseumolten.ch/besuch

https://kunstmuseumolten.ch/programm/ausstellungen/put-on-your-red-shoes-and-dance-the-blues

#KunstmuseumOlten #PutOnYourRedShoes #KunstUndTanz #UrsulaBerger #ClaudiaWaldner #YolandaLudwig #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

 

     
  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 15. August 2022
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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