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20. April 2018

«REVISITING BLACK MOUNTAIN»

Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal, bis am 3. Juni 2018

Bild: R. Buckminster Fuller prüft mit Studenten die Stabilität der geodätischen Kuppel, 1949, Foto: Masato Nakagawa, © Courtesy of the Western Regional Archives, State Archives of North Carolina

Im Toni-Areal erweckt das Programm «Revisting Black Mountain» das legendäre Black Mountain College wieder zum Leben. Als Teil davon gibt eine Ausstellung im Museum für Gestaltung Einblick mit Filmen, Dokumenten und zahlreichen Farbfotos in die Verbindungen zwischen den Künsten und auf die Verschmelzung von Leben und Kunst.

Ein weltoffenes Landinternat mit einem hohen Anteil an gestalterischen Fächern und vielen Freiheiten für die Schülerinnen und Schüler. So stellte sich der Gründungsdirektor John Andrew Rice das neue Black Mountain College (1933-1957) vor. Es gelang ihm, bedeutende Lehrkräfte aus den USA und aus Europa zu verpflichten und über Jahre an den Campus am idyllischen Lake Eden zu binden.

Das Beste aus zwei Welten: Europa – USA

Immigranten, die dem Terror und dem Krieg in Europa entflohen waren, brachten Lehrkonzepte aus dem Bauhaus nach North Carolina. Unter ihnen waren die Textilgestalterin Anni Albers und ihr Mann, der Maler Josef Albers, deren Unterrichtsmethoden auf Material und Wahrnehmung basierten. Entwürfe des Bühnenkünstlers Xanti Schawinsky zeigen sein ebenfalls am Bauhaus begonnenes Konzept des Spectodrama, das er zusammen mit den Studierenden am College ausarbeiten und auf die Bühne bringen konnte.

Nach dem 2. Weltkrieg, als der Dichter Charles Olson die College-Leitung übernahm, wurde Literatur ein neuer Schwerpunkt. Um Olson gruppierten sich die «Black Mountain Poets» Robert Creeley, Robert Duncan, Joel Oppenheimer und Jonathan Williams. Von 1951 bis 1957 gab Creeley die «Black Mountain Review» heraus, die zu einer der wichtigsten Zeitschriften der US- amerikanischen Nachkriegsliteratur avancierte.

Experimentieren als Erfahrung

Neben dem ganzjährigen Unterricht wurden schon bald die Sommerkurse, die jeweils von Gastlehrern bestritten wurden, zu einem zweiten Standbein. R. Buckminster Fuller unternahm am College die ersten Versuche, eine geodätische Kuppel zu errichten – eine Idee, mit der er später Weltruhm erlangte. Das Scheitern des ersten Experiments im Sommerkurs 1948 war durchaus in Fullers Sinn, ermöglichte es diese Erfahrung doch, im folgenden Jahr eine nun stabile Konstruktion zu errichten.

Individuum und Gemeinschaft

Ebenso wichtig wie die Unterrichtsstunden am Black Mountain College war die Zeit dazwischen. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer lebten gemeinsam auf dem Campus, der Esssaal war Treffpunkt für das gemeinsame Mittagessen und abends oftmals Schauplatz für Aufführungen oder Tanzveranstaltungen.

Die freiwillige landwirtschaftliche Arbeit sollte Einfallsreichtum, Pragmatismus und den Kontakt zwischen Schülern und Lehrern fördern. Sie war aber auch ökonomisch notwendig, um die Existenz und die finanzielle Unabhängigkeit des College zu sichern. Typisch für diese doppelte Wichtigkeit von gemeinsamen Aktivitäten war der eigenhändige Bau des Studies Building, das direkt am Seeufer gelegen war.

Vom Objekt zum Ereignis

Das Black Mountain College war ein wichtiger Katalysator für eine der entscheidenden Entwicklungen der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – weg vom Objekt und dem hergebrachten westlichen Formverständnis, hin zur Entmaterialisierung der Kunst, zum Ereignishaften und zur Auflösung medialer Grenzen.

1951 initiierte John Cage hier das allererste Happening Theater Piece No. 1, in dem Zufall und Gleichzeitigkeit eine wesentliche Rolle spielten. Zwei Jahre später gründete Merce Cunningham ebenfalls hier seine Dance Company.

Stan VanDerBeek entwickelte diese Ansätze weiter in seinem Movie-Drome, einem Multimedia-Spektakel, das er nach seinem Schulabschluss in der Gate Hill Cooperative in der Nähe von New York realisierte.

Zu den bedeutenden Ehemaligen des Black Mountain College zählen auch die Fotografin Hazel Larsen Archer, der Filmregisseur Arthur Penn und die Maler Cy Twombly und Robert Rauschenberg.

«Revisiting Black Mountain»

Das Black Mountain College war ein Ort gelebter Utopie, ein Fluchtpunkt der Moderne und ist bis heute eine Projektionsfläche für gestalterische und gesellschaftliche Ideen. Filme, Dokumente und zahlreiche Farbfotos geben Einblick in die Verbindungen zwischen den Künsten, auf die Verschmelzung von Leben und Kunst, auf das ureigene Wesen der Kreativität.

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste entstanden und Teil von deren Programm «Revisiting Black Mountain». Dieses lädt zu Projekten, Ausstellungen, Aufführungen und Vorträgen von Studierenden, Lehrenden und Forschenden ein.

mfg

Kontakt:

https://museum-gestaltung.ch/de/

 

 

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 20. April 2018
  • Museum, Ausstellung, Galerie

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