30. Oktober 2011
«Young Talents»: Stéphanie Marie Couson, Jonathan Heyer, Catherine Leutenegger, Zhang Peng und Julian Salinas
Ausstellung in der hammer gallery Zürich, noch bis am 14. Januar 2011

Bild:
© Catherine Leutenegger, «Studio
Cuendet, Romanel-sur -Lausanne», 2005, lambda print & DiaSec, 100 x 80cm
Der Fokus und der Schwerpunkt der «Young Talents»-Ausstellung in
der Hammer Gallery liegt in der inszenierten Fotografie. In den gezeigten
Arbeiten werden Elemente des Bildinhaltes in einen definierten Zusammenhang gestellt,
um bestimmte emotionale Reaktionen beim Betrachter zu wecken. Oft betreiben die
Künstler dabei einen sehr hohen technischen Aufwand, dieser bleibt jedoch stets
nur Mittel zum Zweck.
Stéphanie Marie Couson, Jonathan Heyer, Catherine Leutenegger, Zhang Peng und
Julian Salinas nehmen in ihren Arbeiten nicht nur die Position des Fotografen,
sondern auch die des Regisseurs, des Architekten, des Literaten, des
Philosophen und Erzählers ein.
In der 2010 entstandenen Serie «Mira» erzeugt STEPHANIE MARIE COUSON
(*1970 in Dijon, Frankreich) durch die spezielle Inszenierung des Portraits
eines jungen Mädchens und dessen Zusammenspiel mit Fotografien von Bäumen,
aufgenommen in unterschiedlichen Jahreszeiten, ein tiefes emotionales Gefühl,
das die seelische Verfassung eines heranwachsenden Mädchens widerspiegelt. In
der Serie ist dieser Reifeprozess ersichtlich, dabei wechseln die emotionalen
Zustände des Mädchens zwischen Unzugänglichkeit, Befangenheit bis hin zur
Akzeptanz seines Selbst. Stimmungskorrespondenzen zwischen dem Mädchen und der
Landschaften werden durch die Gegenüberstellung deutlich. Das Mädchen posiert
in Dreiviertelansicht oder im Profil vor schwarzem Hintergrund; die Aufnahmen
wecken Assoziationen zur klassischen Portraitmalerei der Renaissance. Es
handelt sich in der Arbeit von COUSON um ein psychologisches Portrait, um die
Wiedergabe eines seelischen Zustandes. Hier zeichnet sich die Inszenierung
anhand einer grossen Anzahl von kleinen Details aus, die die Emotionen
schliesslich in der Präsentation als Gruppen von Diptychen zur vollkommenen
Entfaltung reifen lässt.
JONATHAN HEYER (*1977 in Zürich, Schweiz) inszeniert in seiner Serie
«America in Krisis» unter Anderem Comic-Figuren wie Batman in einer
real existierenden Welt. Die weltweite Wirtschaftskrise der letzten Jahre wird
in dieser Serie thematisiert. Die Serie «Car Crash» stellt eine
weitere detailstarke und sehr aufwändige Inszenierung von Autounfällen dar. Der
aus diesem Unfall resultierende Schock bringt die restliche Welt abseits des
Unfallortes zum Stillstand; die emotionale Leere und Verlorenheit nach dieser
Katastrophe wird deutlich spürbar. Der Unfall trägt nur noch als Hintergrund
oder Bühnenbild zur Szene bei.
Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Inszenierungsbegriff zeigt die Serie
«Hors-Champ» / «Ausserhalb des Blickfeldes» von CATHERINE
LEUTENEGGER (*1983 in Lausanne, Schweiz). Hier werden Künstlerateliers zur
Schau gestellt, dabei gewährt uns die Künstlerin einen Blick hinter die
Kulissen der Inszenierung. Das photographische «Making Off» wird
sichtbar. Zugleich hinterfragt CATHERINE LEUTENEGGER kritisch die Zukunft der
klassischen Fotografie.
ZHANG PENGS (*1981 in Shandong, China) Fotografien gleichen Standbildern aus
Fantasy-Trickfilmen; in Fakt sind sie Aufnahmen von aufwändig aufgebauten Sets,
in denen junge Mädchen die Hauptrolle spielen. Ausgebildet als klassischer
Maler nähert sich Zhang seinen Kompositionen mit einem erhöhten Bewusstsein der
Dramaturgie, dabei verwendet er intensive Farben, theatralische Requisiten und
ungewohnte Perspektiven um eine Künstlichkeit und Illusion der Realität
darzustellen.
JULIAN SABINAS (*1967 in Düsseldorf, Deutschland) präsentiert Arbeiten aus der Serie «In the Dark». Die bei Dunkelheit abgelichteten Spielplätze erwirken beim ersten Betrachten den Eindruck farbenfroher Modelle eines Bühnenbildes. Die Plätze wurden jedoch von dem Künstler so vorgefunden und nicht inszeniert, sondern schlicht in Szene gesetzt. In dieser eigentlichen Umkehrung der Inszenierung spielt Salinas mit dem Empfinden des Betrachters und zeigt die Bauten in einem unerwarteten Licht.
mgt
Kontakt:
hammer
gallery – Zurich
Beethovenstrasse 20
CH-8002 Zurich
T: +41 43 817 62 10
info@hammergallery.ch
http://www.hammergallery.ch
Kommentare von Daniel Leutenegger