Der am 30. Oktober 1945 geborene Schweizer Jazzkritiker, Kulturjournalist, Redaktor, Publizist und Buchautor Christian Rentsch ist am 12. April 2025 in Erlenbach (ZH) gestorben. Er war Kultur- und Medienredaktor und Ressortleiter Kultur beim Zürcher «Tages-Anzeiger» und zählte zu den profiliertesten Musikjournalisten des Landes. Er war aber auch Co-Autor der Bücher «Wem gehört das Wasser?» (EAWAG / Lars Müller Verlag, 2006) und «Mensch Klima!» (Lars Müller Publishers, 2011) und betrieb den Blog «klimalandschweiz.ch».

Bild: Christian Rentsch – Foto: © https://www.facebook.com/christian.rentsch.31
Bis seine Sinne versagten, stellte er sich der Gegenwart, schrieb für seine Enkelkinder gegen die Erderhitzung an und erhoffte sich eine gerechtere Welt. Wir werden seine liebenswürdige Grosszügigkeit, seine Liebe zur Musik, seinen Kampfgeist wie seine Widerborstigkeit in unseren Leben und an unseren Tischen furchtbar vermissen.
https://www.hommages.ch/de/traueranzeige/christian-rentsch-3
Christian Rentsch, Sohn des Verlegers Eugen Rentsch (1912–1968), studierte in Berlin. Bereits ab 1969 berichtete er als freier Journalist für den Zürcher «Tages-Anzeiger», bei dem er dann von 1985 bis 1990 und von 2001 bis zur Auflösung der Redaktion 2003 als Kultur- und Medienredaktor und zwischen 1991 und 1993 als Leiter des Kulturressorts tätig war.
Ab 2004 war Rentsch als freier Publizist für verschiedene Zeitschriften und Buchprojekte aktiv. Insbesondere war er Mitherausgeber und Hauptautor der Bücher «Wem gehört das Wasser?» (2006) und «Mensch Klima – Wer bestimmt die Zukunft?» (2011, beide Lars Müller Verlag, Baden). Mit Urs Röllin gab er 2010 die «Schaffhauser Jazzgespräche. Edition 03» heraus. Weiterhin schrieb er Texte für die Programmhefte der Berliner Jazztage und verfasste die Liner Notes für zahlreiche Tonträger wie das Album «Musical Monsters» (2016).
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Rentsch
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Christian Rentsch, 1945 – 2025
(…) Christian hatte eine mäzenatische Ader. Er war großzügig. Wo materielle Zuwendung helfen konnte, sprang er ein. Einem Musiker finanzierte er eine Zeitlang die Wohnung, er unterstützte Medien (auch «jazzcity.de»).
In den letzten zehn Jahren wandte er sich vom Jazz ab; seine Urteile über unsere kleine Welt erschienen mir zu pauschal (wir haben selbstverständlich darüber gestritten) – trotzdem fuhr er nach wie vor auf «seine» Festivals, saß in Moers, Willisau, Langnau, Zürich und Schaffhausen, immer ein Digitalrecorder in seiner Hand. Er hat im Hotel Konzerte tatsächlich nachgehört.
Er war politisch engagiert, im Großen und im Kleinen. Er veröffentlicht zwei 500-Seiten-Wälzer: «Wem gehört das Wasser?» (2006) und «Mensch Klima!» (2011). Er startet einen Klima-Blog.
Seit dem Ukraine-Überfall wohnt eine ukrainische Familie in seinem Haus. Und als sich eine Initiative bildet, die das Gelände sondiert, um Edward Snowden Asyl in der Schweiz zu gewähren, wer ist dabei? (…)
Christian gehörte in seiner Berliner Zeit zu denen, die Wolf Biermann in seiner legendären Wohnung in der Chausseestraße 131 aufsuchen konnten. Im November 2023 gelingt ihm die Reinszenierung des Zürcher Treffens von Biermann mit Franz Hohler vor zweimal ausverkauften Haus im Theater Rigliblick.
© Michael Rüsenberg, 2025
https://www.jazzcity.de/index.php/news/3141-christian-rentsch-1945-2025
Wie konnte er in seinen Rezensionen nach einem erlebten Konzert begeistert schwärmen – und wie konnte er sich nach einem ihm missfallenen Konzert über die Musiker despektierlich auslassen, als ginge es um Leben und Tod. So oder so – deine Berichte liessen niemanden kalt.
(…) Wo immer wir auch die nächste Zeit Jazzkonzerte und -festivals besuchen werden, sei’s in Zürich, Langnau, Schaffhausen, Moers, Berlin oder Willisau – du wirst uns fehlen.
RIP, lieber Christian.
Niklaus Troxler
https://www.facebook.com/photo?fbid=10236671197459002&set=a.10206080636114087
Mehr:
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https://www.facebook.com/christian.rentsch.31
https://www.discogs.com/de/artist/1843590
https://www.chronos-verlag.ch/node/16881
https://forum-erlenbach.ch/author/pukizazo
https://www.journal21.ch/autoren/christian-rentsch
https://www.kleinreport.ch/leute/christian-rentsch-wieder-beim-tages-anzeiger-56438
https://www.infosperber.ch/medien/ueber-printmedien/bei-tamedia-herrscht-keine-feststimmung/
https://www.woz.ch/0646/wasser/die-schlacht-um-den-rest
https://www.woz.ch/1328/medientagebuch/ploetzlich-mutig-genug
https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Rentsch
#ChristianRentsch #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Nachtrag vom 19.04.2025:
Seine Texte klangen wie Musik
(…) Chrigel war der härteste Kritiker von allen. Zugleich konnte er herzlich sein und grosszügig und unterstützte mehrere Schweizer Jazzmusiker finanziell. Da aber Toleranz nicht zu seinen Tugenden gehörte, machte er sich bei vielen unbeliebt: journalistischen Vorgesetzten, Kollegen und Konkurrenten; Musikern und Musikerinnen, deren Konzerte er verriss; Konzertveranstaltern, deren Eintrittspreise und Lautstärke er zu hoch fand; Zürcher Politikern und vor allem Kulturpolitikern, deren Kompetenz er bezweifelte und deren Konzepte er für nutzlos hielt. (…)
Jean-Martin Büttner
https://www.tagesanzeiger.ch/christian-rentsch-seine-texte-klangen-wie-musik-209794546779
Kommentare von Daniel Leutenegger