13. Januar 2026
THEATERTREFFEN BERLIN 2026: ZWEI SCHWEIZER INSZENIERUNGEN UNTER DEN ZEHN BEMERKENSWERTESTEN IM DEUTSCHSPRACHIGEN RAUM
Das Theatertreffen Berlin präsentierte heute die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison, ausgewählt von einer Kritiker:innen-Jury. Diese Auswahl gebe «einen komprimierten Einblick in die deutschsprachige Theaterszene», schreibt das Theatertreffen. Unter den zehn Inszenierungen sind «Il Gattopardo» in der Regie von Pınar Karabulut (Schauspielhaus Zürich) und «Glasmenagerie» in der Regie von Jaz Woodcock-Stewart (Theater Basel).

Bild: «Il Gattopardo» am Schauspielhaus Zürich – Foto: © Krafft Angerer
Das Theatertreffen
Jedes Jahr wählt eine Kritiker:innen-Jury selbstständig aus bis zu 600 Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum die 10 bemerkenswertesten Inszenierungen aus, die im Mai in Berlin gezeigt werden. Im weiteren Festivalprogramm werden ästhetische, gesellschaftliche und kulturpolitische Fragen mit und vor Publikum diskutiert, 2026 kuratiert von Theater-, Film- und Medienkritiker Matthias Dell.
In einer Pressekonferenz am 13. Januar 2026 hat die Kritiker:innen-Jury des Theatertreffens ihre Auswahl der 10 bemerkenswertesten Inszenierungen für das Theatertreffen 2026 bekannt gegeben.
«Il Gattopardo»
Von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
Bühnenfassung von Pınar Karabulut und Hannah Schünemann
Regie: Pınar Karabulut
Premiere: 29.11.2025
Schauspielhaus Zürich
www.schauspielhaus.ch
Jurybegründung:
«Theaterabende wie Pınar Karabuluts Adaption von Giuseppe Tomasi di Lampedusas Il Gattopardo sind selten geworden. Zusammen mit der Bühnenbildnerin Michela Flück und der Kostümbildnerin Sara Valentina Giancare lässt Karabulut das aristokratische Sizilien des Risorgimento auf magische Weise wieder aufleben. Die Opulenz der Räume wie der Kostüme und das meist ungebrochen psychologische Spiel des Ensembles ziehen das Publikum tief in das 19. Jahrhundert hinein. Es kann sich in der Schönheit dieser untergehenden Welt ebenso wie in der melancholischen Noblesse des von Markus Scheumann gespielten Fürsten Don Fabrizio verlieren. Zugleich kann es aber auch Symptome unserer eigenen Zeitenwende erkennen. Karabulut bleibt nah an Lampedusas Roman und nimmt so unsere krisengeschüttelte Wirklichkeit in den Blick. Scheumanns Schlussmonolog ist nicht nur die berührende Lebensbilanz eines Sterbenden. Er ist auch eine Mahnung, anders als Don Fabrizio für das Bestehende zu kämpfen.»
Sascha Westphal für die Theatertreffen-Jury
Zum Videostatement:
https://mediathek.berlinerfestspiele.de/de/theatertreffen/2026/statement-il-gattopardo
«Die Glasmenagerie»
Ein Spiel der Erinnerungen von Tennessee Williams
Regie: Jaz Woodcock-Stewart
Premiere: 30.1.2025
Theater Basel
www.theater-basel.ch
Jurybegründung:
«Das Faible für narrative Ästhetik gilt als UK-typisch. Jaz Woodcock-Stewart ist eine jener jungen britischen Regisseurinnen, die gekonnt erzählen, ohne schlicht nachzuerzählen. Sie gibt Tennessee Williams’ Glasmenagerie am Theater Basel einen sehr gegenwärtigen Drive, ohne den Text – der in den späten 1930-Jahren spielt – zu zerbrechen. (Aktuelle) Powerplates, Vibrationsplatten aus dem Gym, fördern hier gerade nicht den Muskelaufbau, sondern sind im Gegenteil ironisch gewendete, kongeniale Zeichen für die Erschütterung aller Halt gebenden Strukturen. Zwischen den nackten Betonwänden verlieren sich die drei Hauptfiguren. Eine Treppe führt ins Nichts, eine Rampe in ein reduziertes Leben ohne Geld und ohne Kontakt zur Aussenwelt. Die queere Tochter flieht in eine Art Hikikomori-Dasein. Kurz wird für einen Besucher der Familie eine (Haus-)Fassade über das ausgehöhlte Leben des unglücklichen Trios gekippt; das wird nichts nützen. Eine leise, zeichenstarke, berührende Arbeit!»
Alexandra Kedves für die Theatertreffen-Jury
Zum Videostatement:
https://mediathek.berlinerfestspiele.de/de/theatertreffen/2026/statement-die-glasmenagerie
Quellen / Mehr / Kontakt:
https://www.berlinerfestspiele.de/theatertreffen/programm/2026/10-inszenierungen
https://www.berlinerfestspiele.de/theatertreffen

Bild: «Die Glasmenagerie» am Theater Basel – Foto: © Lucia Hunziker
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Kommentare von Daniel Leutenegger