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15. Juli 2026

DER DÄNISCHE CEMBALLIST, DOZENT UND MUSIKFORSCHER JESPER BØJE CHRISTENSEN IST GESTORBEN

Der am 3. Dezember 1944 in Kopenhagen geborene dänische Cemballist, Dozent und Musikforscher Jesper Bøje Christensen (Bild) ist am 8. Juli 2026 in Frankfurt am Main gestorben. Jesper B. Christensen war von 1972 bis 1985 Dozent an der Königlichen Dänischen Hochschule für Musik in Kopenhagen. Er unterrichtete seit 1988 in Basel Cembalo, Generalbass, Kammermusik und Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basiliensis, ausserdem wirkte er als Gastprofessor am CNSM in Lyon, am Département de musique ancienne des Genfer Konservatoriums, am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz sowie bei vielen Meisterkursen. Christensen war Mitglied zahlreicher Jurys. Er ist Autor des Lehrbuches «Die Grundlagen des Generalbassspiels im 18. Jahrhundert» (Kassel 1992) und mit J.-A. Bötticher Verfasser des Artikels «Generalbass» im Musiklexikon «Musik in Geschichte und Gegenwart». (*)

Jesper Bøje Christensen, 2022 bei seiner letzten Masterclass an der Schola - Foto: © https://www.musik-akademie.ch/schola-cantorum-basiliensis/de/news/detail/jesper-christensen-1944-2026.html

Bild: Jesper Christensen, 2022 in Basel bei seiner letzten Masterclass an der Schola – Foto: © https://www.musik-akademie.ch/schola-cantorum-basiliensis/de/news/detail/jesper-christensen-1944-2026.html

Im Gedenken an Jesper Bøje Christensen 


Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen Jesper Bøje Christensen. Er starb am 8. Juli 2026 nach langer Krankheit an seinem Wohnort in Frankfurt im Kreis seiner Familie.

Jesper hat sich als Cembalist, Generalbassspieler und Musikwissenschaftler zeitlebens mit unermüdlicher Energie und Sorgfalt mit Fragen der Aufführungspraxis Alter Musik beschäftigt. Die Basis dafür bildete für ihn eine minutiöse Untersuchung historischer Quellen und Traktate und eine konsequente Übertragung dieser Erkenntnisse in die Praxis. 

Von 1972 bis 1985 war er Dozent für historischen Tonsatz, Generalbass und Aufführungspraxis an der Königlichen Dänischen Hochschule für Musik in Kopenhagen. Mit der Schola Cantorum war Jesper Christensen seit 1983 als Lehrer verbunden, zunächst durch Meisterkurse und von 1988 bis zu seiner Emeritierung 2015 als Professor für Generalbass, Cembalo, Fortepiano und Aufführungspraxis.

Seinen bahnbrechenden Forschungen, seiner Lehrtätigkeit und (seinen) Publikationen ist es zu verdanken, dass sich ein auf den Quellen basierendes, stilistisch differenziertes Generalbassspiel seit den 1980er-Jahren von Basel aus weltweit ausbreitete, das heute als state of the art gesehen wird. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Analyse frühester Tonaufnahmen als Zeugnisse einer oralen Musiktradition des späten 19. Jahrhunderts und die daraus ableitbaren aufführungspraktischen Elemente.

Bei allen Forschungen ging Jesper, der über eine nahezu enzyklopädische Kenntnis musikhistorischer Quellen und Zusammenhänge verfügte, immer von einem musikalisch-ästhetischen Gesamtideal aus, das er als Spieler und Lehrer kompromisslos verfolgte. Mit seinen wertvollen und oft dem Mainstream entgegenlaufenden Impulsen hat er zahlreiche Studierende in ihrer Musizierhaltung grundlegend geprägt. Sein kritischer und bisweilen subversiver Blick auf die Alte Musik hat immer wieder überrascht und fasziniert.

Wir verlieren mit ihm einen aussergewöhnlichen Musiker und Musikforscher, einen einzigartigen musico theorico-practicus, herzensguten Menschen und Freund.

Die Leitung der Schola Cantorum Basiliensis 

https://www.musik-akademie.ch/schola-cantorum-basiliensis/de/news/detail/jesper-christensen-1944-2026.html

Mit großem Bedauern müssen wir Abschied nehmen von Jesper Bøje Christensen, einem inspirierenden Lehrer, bedeutendem Forscher und herausragendem Musiker

Jesper Bøje Christensen hat die Welt der Alten Musik und historischen Aufführungspraxis durch seine bahnbrechenden Forschungen auf den Gebieten des historisch informierten und stilistisch differenzierten Generalbasses sowie der Aufführungspraxis auf historischen Tasteninstrumenten des 17. bis 19. Jahrhunderts entscheidend geprägt.

Mit seinen Publikationen, Aufnahmen und seiner Lehrtätigkeit beeinflusste er das Verständnis historischer Aufführungspraxis nachhaltig und bereicherte Generationen von Musiker:innen.

Neben seiner Professur an der Schola Cantorum Basiliensis (CH) und seiner Lehrtätigkeit am Institut für Historische Interpretationspraxis der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, lehrte Christensen auch von 2004 bis 2007 am Institut für Alte Musik und Aufführungspraxis der Kunstuniversität Graz.

Mit Jesper Bøje Christensen verliert die Musikwelt eine ihrer prägenden Persönlichkeiten. Sein Vermächtnis wird jedoch durch seine Studierenden, Kolleginnen und Kollegen in der Musik weiterleben.

https://www.kug.ac.at/news-detail-start/die-kug-trauert-jesper-boeje-christensen

Jesper Bøje Christensen in memoriam

»Wenn man sich den idealen Musiker wünscht, der Forschen und Nachdenken über Musik, Wissen über Ästhetik und historische Zusammenhänge, Souveränität am Instrument, Spontanität und Ensembleesprit, ansteckende Leidenschaft und eine unerschütterliche Menschlichkeit zusammenbringt – dann war Jesper Christensen ein solcher Musiker und als Lehrer ein Vorbild. Ein Weltbürger, zuletzt viele Jahre beheimatet bei uns an der HfMDK. Wir sind dankbar, dass wir von ihm lernen konnten. Wir denken an seine Familie.«

HfMDK Hochschulpräsident Prof. Elmar Fulda

https://www.hfmdk-frankfurt.de/news/jesper-boje-christensen-memoriam

Harpsichordist and Musicologist Jesper Bøje Christensen Has Died, Aged 83

A harpsichordist, continuo player, and musicologist, Christensen was a renowned expert on historical performance practices who was viewed by many as primarily responsible for shaping modern trends in interpretations of historical basso continuo parts.

From 1972 to 1985, Christensen served as a lecturer at the Royal Danish University of Music in Copenhagen, plus served from 1988 until his retirement in 2015 as a professor at the Schola Cantorum Basiliensis. Christen was also a visiting professor at numerous other institutions across Europe.

Christensen was a prolific author of scholarly research exploring oral music traditions and historical performance conventions. His book 18th Century Continuo Playing: A Historical Guide to the Basics was published by Barenreiter in 2002.

https://theviolinchannel.com/harpsichordist-and-musicologist-jesper-boje-christensen-has-died-aged-83/

Audios:

Johann Mattheson – Der brauchbare Virtuoso, Transverse flute & Harpsichord (CD2)

Toke Lude Christiansen: Traverse flute
Jesper Bøje Christensen: Harpsichord

Corelli, Violin Sonata No. 4 in F Major, Op. 5: I. Adagio

Luciano Contini · Chiara Banchini · Käthi Gohl – Jesper Christensen

Mehr:

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=134803302

https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/person/gnd/134803302

http://www.musickespleasuregarden.com/Jesper-Christensen.44.0.html#c141

https://www.discogs.com/de/artist/2195489-Jesper-B%C3%B8je-Christensen?redirected=true

https://www.hkb-interpretation.ch/fileadmin/user_upload/documents/Publikationen/Bd.2/HKB2_141-158_Christensen.pdf

https://en.wikipedia.org/wiki/Jesper_B%C3%B8je_Christensen

(*) https://de.wikipedia.org/wiki/Jesper_B%C3%B8je_Christensen

#JesperBøjeChristensen #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 15. Juli 2026
  • Bildung und Arbeit, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Musik und Tanz

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