16. April 2025
«À SUIVRE: EVA AEPPLI IN DER SAMMLUNG DES KUNSTMUSEUMS SOLOTHURN»
Ausstellung bis am 31. August 2025

Bild: Ausstellungsansicht «À suivre: Eva Aeppli in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn» – Foto: David Aebi © Susanne Gyger

Bild: Der Tierkreis, Zyklus von 12 Seidenplastiken, im Gegenuhrzeigersinn: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Alle 5.1979-2.1980, Seide, Kapok, Watte, auf Eisensockel, gefertigt von Jean Tinguely, Privatbesitz Basel. Ausstellungsansicht «À suivre: Eva Aeppli in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn» – Foto: David Aebi © Susanne Gyger
Die gemeinsame Geschichte von Eva Aeppli (1925–2015) und dem Kunstmuseum Solothurn beginnt nicht erst mit ihrer grossen Retrospektive 1994, sondern bereits 20 Jahre früher, als Meret Oppenheim dem Museum eine Skulptur ihrer jüngeren Kollegin schenkt. In der Folge finden zahlreiche weitere Werke von Eva Aeppli Eingang in die Solothurner Sammlung. Die Künstlerin, die in ihrem eindringlichen Schaffen der Fragilität der menschlichen Existenz Ausdruck verlieh, würde am 2. Mai 2025 ihren 100. Geburtstag feiern. Grund genug, ihre frühen Kohle-Zeichnungen, Ölbilder, textilen Figuren, Seiden- sowie Bronzeplastiken und nicht zuletzt ihre «Livres de Vie» zu einer dichten Schau in die Sammlungspräsentation einzuflechten. Darüber hinaus darf die Ausstellung auf selten gezeigte Werke aus Privatbesitz zählen.

Bild: Eva Aeppli, Les Livres de Vie, 1954-2002, 15 Bände mit collagierten Zeichnungen, Briefen, Fotos, Einladungskarten, Zeitungsausschnitten von Eva Aeppli und ihren Freund:innen. Kunstmuseum Solothurn, Schenkung der Künstlerin. Ausstellungsansicht «À suivre: Eva Aeppli in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn» – Foto: David Aebi © Susanne Gyger
Eva Aepplis künstlerische Entwicklung gründet auf einer kompromisslos unabhängigen Haltung, jenseits vorherrschender Kunstströmungen. Die Konfrontation mit den Gräueln des Zweiten Weltkriegs trifft sie tief, hallt nach und beeinflusst ihre Arbeit. Entgegen dem Trend zur Abstraktion in der Nachkriegszeit, steht im Zentrum von Aepplis Werk stets die Figur, der Mensch, seine Gestalt und Verfasstheit.
Im Paris der 1950er-Jahre befasst sich die Künstlerin vorwiegend mit Kohlezeichnungen, die ein zeichenhaft-fragiles Menschenbild im Spannungsfeld von eigener Biografie und Zeitgeschehen reflektieren. Ab 1960, als Pop Art oder Nouveau Réalisme die Malerei grundsätzlich in Frage stellen, malt sie in expressiv-figurativen Gemälden gegen das Vergessen der Gewalt von Menschen am Menschen an. Um 1965 beginnen sich die Körper aus Aepplis Bildern herauszulösen und die Künstlerin entwickelt mit ihren lebensgrossen Textilfiguren eine eigenständige Form der skulpturalen Figuration.
Befeuert durch intensive Astrologie-Studien, erfährt ihr Schaffen 1975 wiederum eine Wendung. Sie konzentriert sich nunmehr auf Kopf und Gesicht, um in fein ausgestalteten Physiognomien der Verbindung von Mensch und Kosmos nachzuspüren. Es entstehen mehrere Zyklen von Köpfen, wie «Der Tierkreis», 1979–80 und zuletzt «Einige menschliche Schwächen», 1993–94, die Aeppli aus Seide von Hand näht und später in Bronze giessen lässt. Die zwölf eindrücklichen Seidenplastiken, die den Tierkreis bilden, werden in der Ausstellung zum ersten Mal überhaupt öffentlich gezeigt.

Bild: Eva Aeppli, Einige menschliche Schwächen, Zyklus von 7 Seidenplastiken, v.l.n.r.: Die Faulheit, Der Mond – Der Neid, Merkur – Die Unkeuschheit, Venus – Der Hochmut, Sonne – Der Jähzorn, Mars – Die Völlerei, Jupiter – Der Geiz, Saturn. Alle 1993-1994, Seide, Kapok, Watte, Metallstab. Privatbesitz Basel. Ausstellungsansicht «À suivre: Eva Aeppli in der Sammlung des Kunstmuseums Solothurn» – Foto: David Aebi © Susanne Gyger
Bereits in den 1950er-Jahren startet Eva Aeppli ihre Arbeit an den «Livres de Vie», ein künstlerisch-archivarisches Unterfangen, das sie bis 2002 weiterführt und 2005 dem Kunstmuseum Solothurn als Schenkung anvertraut. In 15 grossformatigen Folianten vermischen sich private, historische und kunsthistorische Materialien zu einem einzigartigen Zeugnis einer aussergewöhnlichen Künstlerinnenpersönlichkeit.
«Les Livres de Vie» gelten als eine der wichtigsten Arbeiten von Aeppli, umfassen sie nicht nur ihr eigenes Werkverzeichnis, sondern beinhalten darüber hinaus viele Dokumente ihrer langjährigen Freundinnen und Weggefährten, wie Daniel Spoerri (1930–2024), Bernhard Luginbühl (1929–2011), Niki de Saint Phalle (1930–2002) oder Jean Tinguely (1925–1991). Über einen Touchscreen sind die Lebensbücher nun auch in ihrem schier unermesslichen Detailreichtum zu entdecken. Einige Sammlungswerke befreundeter Künstlerinnen treten im Rahmen der Ausstellung zudem in einen direkten Dialog mit Arbeiten von Aeppli.
Dass Eva Aeppli in der Sammlung vom Kunstmuseum Solothurn so prominent vertreten ist, verdankt sich einem generationenübergreifenden Engagement für diese bedeutende Künstlerin, die mit dem ehemaligen Konservator André Kamber (1932–2021) begann, von seinem Nachfolger Christoph Vögele (*1957) weitergeführt wurde, und nun in die Gegenwart und Zukunft getragen werden soll.
Kuratiert von Katrin Steffen, Anna Bürkli und Tuula Rasmussen
kms
Kontakt:
Zeitgleich findet im Kunsthaus Zofingen ebenfalls eine Ausstellung zu Eva Aeppli statt:
«Eva Aeppli im Dialog – Peter Aerschmann, Nici Jost, Augustin Rebetez und Ana Vujic»
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
2025
2017
2015
2012
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Kommentare von Daniel Leutenegger