Ausstellung im Zeughaus Teufen (AR), bis am 7. März 2027

Bild: «Katze», 1954. Kinderzeichnung eines 8-jährigen Schülers der 2. Klasse des Felsbergschulhauses in Luzern. Bleistift und Kreide auf Papier, 37,5 × 26,3 cm. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, Signatur PKW_155_082

Bild: «Unser Meerschweinchen», 1976. Zeichnung einer 10-jährigen Schülerin aus Laufenburg. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, PKW_041_110
Kinder zeichnen, was sie sehen, was sie erleben und was sie sich vorstellen. Darin liegt eine besondere Qualität ihrer Bilder: Sie erzählen von Alltag und Familie, von Schule und Freizeit, von Wünschen und Ängsten, aber auch von gesellschaftlichen und historischen Ereignissen. «Zeichen der Zeit» bringt eine umfangreiche Auswahl aus dem Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung der Stiftung Pestalozzianum zusammen, das heute rund 70’000 Zeichnungen, Scherenschnitte und Drucke umfasst.

Bild: «Im Weltall», 1984. Zeichnung eines 13-jährigen Jungen aus Pratteln. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, PKW_009_154

Bild: «Krieg», 1940. Kinderzeichnung eines 9-jährigen Schülers der 3. Klasse aus Zürich. Bleistift und Farbstift auf Papier, 15,0 × 21,1 cm. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, Signatur IIJ_001_008. Das Werk gehört zu 56 Arbeiten aus diesem Bestand, die 2025 in das internationale UNESCO-Register «Memory of the World» aufgenommen wurden.
Ein wichtiger Ausgangspunkt des Archivs liegt in der Reformbewegung «Neues Zeichnen». 1931 wurde am Pestalozzianum das Internationale Institut für das Studium der Jugendzeichnung gegründet. Statt Vorlagen möglichst genau zu kopieren, sollten Kinder mehr gestalterischen Freiraum erhalten. Ihre eigene Wahrnehmung, ihre Ideen und ihre Ausdrucksformen rückten ins Zentrum. Gleichzeitig begann das Institut, Zeichnungen aus der Schweiz und aus anderen Ländern zu sammeln und wissenschaftlich zu untersuchen. Über die Jahrzehnte kamen weitere grosse Bestände hinzu, darunter rund 22’000 Arbeiten aus dem Pestalozzi-Kalender-Wettbewerb sowie private Sammlungen von Schweizer Lehrpersonen.

Bild: «Ich am Steuer», 1979. Zeichnung einer 14-jährigen Schülerin aus Horw. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, PKW_010_083

Bild: «Im Zirkus Knie», 1944–1946. Kinderzeichnung eines 11-jährigen Schülers der 5. Klasse aus Richterswil. Bleistift und Farbstift auf Papier, 20,9 × 29,8 cm. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, Signatur IIJ_032_067
Mit einer Auswahl aus 1’111 Zeichnungen folgt die Ausstellung diesem Gedanken des eigenen Blicks. Ob eine Zeichnung Kunst ist, steht dabei nicht im Vordergrund. Entscheidend ist, was sie sichtbar macht. Da ist der Vater bei der Arbeit, die Schwester beim Spielen, ein Tier, eine Landschaft oder ein Lieblingshobby. Neben diesen alltäglichen Beobachtungen stehen Bilder, in denen die grossen Ereignisse ihrer Zeit unmittelbar präsent werden. Besonders eindrücklich sind die Zeichnungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. 56 dieser Arbeiten wurden 2025 in das internationale UNESCO-Register «Memory of the World» aufgenommen.

Bild: «Sonnenblume», 1947. Kinderzeichnung eines 12-jährigen Schülers der 5. Klasse aus Auslikon. Aquarell und Bleistift auf Papier, 33,5 × 25,0 cm. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, Signatur IIJ_311_016.
So entsteht ein Blick auf mehr als ein Jahrhundert aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Ihre Bilder sind fantasievoll und genau, manchmal heiter, manchmal verstörend direkt. Zugleich verändert sich über die Jahrzehnte die Art des Zeichnens: Motive, Striche, Farben und Techniken erzählen ebenso von ihrer Zeit wie das Dargestellte selbst. Das Archiv wird damit zu einem Wissensspeicher der Bildungs- und Kulturgeschichte.

Bild: «Silvesterkläuse 1973 leider ohne Schnee», 1974. Zeichnung einer 11-jährigen Schülerin aus Herisau. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, PKW_021_205
«Zeichen der Zeit» lädt dazu ein, sich in dieser Bilderfülle zu verlieren und Verbindungen zwischen den Jahrzehnten zu entdecken. Was verändert sich? Was kehrt wieder? Und was erzählen Kinderzeichnungen über eine Zeit, wenn wir sie viele Jahre später betrachten?
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Kontakt:
https://zeughausteufen.ch/ausstellungen/zeichen-der-zeit/

Bild: «Ein Blick aus dem Fenster aus unserem Ferienhäuschen in Graubünden», 1982. Zeichnung eines 13-jährigen Jungen aus Wallisellen. Archiv der Kinder- und Jugendzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum, PKW_107_079
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Kommentare von Daniel Leutenegger