12. Dezember 2024
REPORTER OHNE GRENZEN: 550 MEDIENSCHAFFENDE RUND UM DEN GLOBUS SIND DERZEIT IN HAFT
Die Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen (RSF) für das Jahr 2024 deutet auf eine alarmierende Tendenz hin: Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten – insbesondere in Konfliktgebieten, wo mehr als die Hälfte aller 2024 getöteten Medienschaffenden ihr Leben verloren – nehmen zu. Gaza sticht dabei als für Medienschaffende gefährlichster Ort heraus. Nirgends wurden im vergangenen Jahr mehr Journalistinnen und Journalisten in Ausübung ihres Berufs getötet. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden über 145 von ihnen von der israelischen Armee getötet, davon mindestens 35 in Zusammenhang mit ihrer Arbeit als Medienschaffende. Darüber hinaus sind aktuell über 550 Medienschaffende rund um den Globus inhaftiert, sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr. Diese Gewalt gegen Medienschaffende – die oft von Regierungen oder bewaffneten Gruppierungen ausgeht, ohne dass diese zur Rechenschaft gezogen werden – verlangt nach einer unmittelbaren Antwort. RSF fordert daher dringende Massnahmen, um Journalistinnen und Journalisten sowie den Journalismus an sich zu schützen.

Bild: © RSF
Aus dem Bericht von Reporter ohne Grenzen:
54 Medienschaffende in Ausführung ihres Berufs getötet, 31 von ihnen in Konfliktzonen. Ein Drittel aller 2024 umgekommenen Journalistinnen und Journalisten wurde dabei von der Israelischen Armee getötet. Rund um den Globus hat die Zahl der in Konfliktgebieten (Irak, Sudan, Myanmar, Ukraine und Gaza) getöteten Journalistinnen und Journalisten eine neue Höchstquote innerhalb der letzten fünf Jahre erreicht (57 % aller getöteten Medienschaffenden).
- Gaza ist dabei der weltweit gefährlichste Ort für Journalistinnen und Journalisten. Gemäss den jüngsten Informationen von RSF verloren im Jahr 2024 knapp 30 % aller getöteten Journalistinnen und Journalisten ihr Leben im Gazastreifen. Sie wurden von der israelischen Armee getötet.
- RSF wird diese Fälle weiterhin untersuchen, um gezielte Tötungen von Medienschaffenden zu identifizieren und zu verurteilen. Bis jetzt hat RSF beim Internationalen Strafgerichtshof ICC in Den Haag bereits vier Beschwerden wegen an Journalistinnen und Journalisten begangenen Kriegsverbrechen eingereicht.
- Süd- und Südostasien ist die für Medienschaffende zweitgefährlichste Region der Welt. Aufgrund der hohen Anzahl getöteter Medienschaffender in Pakistan (7) sowie im Kontext der Proteste in Bangladesch (5) ist die Region im Jahr 2024 die für Medienschaffende zweitgefährlichste weltweit.
550 Journalistinnen und Journalisten inhaftiert, 2024 ist eine Zunahme von 7,2 % im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. Diese Zunahme ist hauptsächlich auf die vielen Inhaftierungen von Journalistinnen und Journalisten in Russland (+8) und in Israel (+17) zurückzuführen.
- Israel ist damit aktuell das drittgrösste Gefängnis für Medienschaffende weltweit. Mit Abstand am meisten neue Inhaftierungen von Journalistinnen und Journalisten im Jahr 2024 sind in Israel dokumentiert. Nach 17 neuen Festnahmen 2024 sind im Land 41 Medienschaffende inhaftiert.
- Vier Länder sind für die hohe Anzahl inhaftierter Medienschaffender verantwortlich. Die vier grössten Gefängnisse für Journalistinnen und Journalisten im Jahr 2024 sind China (124 Inhaftierte, darunter 11 in Hongkong), Myanmar (61 Inhaftierte), Israel (41 Inhaftierte) und Belarus (40 Inhaftierte). Diese vier Länder haben zusammen mehr als die Hälfte aller weltweit eingesperrten Medienschaffenden inhaftiert.
- Verhängte Gefängnisstrafen von insgesamt 250 Jahren. Die Inhaftierung von Medienschaffenden stellt ein Mittel der Repression dar, insbesondere im Kontext von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine oder dem Krieg im Gazastreifen. Bei vielen steht ein Urteil noch aus. Russland (38 Inhaftierte) beispielsweise missbraucht seine Gefängnisse, um unabhängige russische (19) und ukrainische (19) Journalisten zum Schweigen zu bringen.
55 Medienschaffende in Geiselhaft. Das sind zwei mehr als noch im Jahr 2023.
- 70 Prozent der als Geiseln genommenen Medienschaffenden befinden sich in Syrien. Die meisten der dort als Geiseln festgehaltenen Journalistinnen und Journalisten wurden vom Islamischen Staat (IS) entführt. Auch nach teils über zehn Jahren ist es noch äusserst schwierig, wenn nicht unmöglich, Informationen über deren Schicksal und Verbleib zu erhalten. Der Kollaps von Bashar al-Assads Regime Anfang Dezember gibt allerdings Anlass zur Hoffnung.
- Zwei neue Geiselnahmen im Jemen im Jahr 2024. Im Land auf der arabischen Halbinsel wurden 2024 zwei neue Medienschaffende als Geiseln genommen. Von den 55 Journalistinnen und Journalisten, die sich aktuell weltweit in Geiselhaft befinden, wurden 53 bereits 2023 als Geiseln gehalten.
- Zwei neue Geiselnahmen in Mali im Jahr 2023. Im letzten Jahr war Mali noch das einzige Land, in dem zwei neue Geiseln genommen wurden. Am 7. November 2023 wurden dort Saleck Ag Jiddou, Direktor von Radio Coton, sowie Moustapha Koné, Moderator von Radio Coton, von einer bewaffneten Gruppierung entführt. Diese verlangen für die Freilassung der Journalisten 4 Millionen CFA (5’700 Franken).
95 Medienschaffende vermisst. Von fast 100 Journalistinnen und Journalisten in 34 Ländern fehlt bis heute jede Spur.
- 28 Medienschaffende, mehr als ein Viertel aller Vermissten, sind in den letzten zehn Jahren verschwunden. Darunter unter anderem fünf in Mexiko, drei in Syrien, drei in Mali, zwei in der Demokratischen Republik Kongo, zwei in Palästina und zwei im Irak.
- 45 % der verschwundenen Medienschaffenden sind Opfer von erzwungenem Verschwindenlassen (enforced disappearance). Vor allem in autoritären Staaten oder unter nachlässigen Regierungen verschwinden oft Menschen, auch Medienschaffende. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, gegen die Straflosigkeit anzukämpfen und den Schutz von Medienschaffenden zu stärken. RSF ruft alle Staaten dazu auf, das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen zu unterzeichnen. Dieses Übereinkommen wurde von der Generalversammlung der UNO 2006 angenommen, allerdings erst von 75 Staaten (darunter auch der Schweiz) unterzeichnet.
- Höchstzahlen in Mexiko. Das zentralamerikanische Land ist für mehr als 30 % aller vermissten Journalistinnen und Journalisten verantwortlich.
- Vier zusätzliche Vermisste im Jahr 2024. Dieses Jahr wurden im Vergleich zum Vorjahr vier zusätzliche Medienschaffende vermisst: Je eine Journalistin bzw. ein Journalist in Burkina Faso, in Nicaragua, in Russland und in Syrien.
rsf
Zum ganzen Bericht von RSF (in englischer Sprache):
https://rsf-ch.ch/wp-content/uploads/2024/12/Bilan-2024-EN.pdf
Kontakt RSF Schweiz:
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Kommentare von Daniel Leutenegger