Das ALPS Alpines Museum der Schweiz in Bern gibt eine spätgotische Heiligenfigur an die Walliser Gemeinde Baltschieder zurück. «Die Rückführung steht exemplarisch für den Wandel im Umgang mit Kulturgütern», schreibt ALPS. Eine spätgotische Heiligenstatue mit bewegter Geschichte kehrt nach über 100 Jahren an ihren Ursprungsort zurück. Das ALPS übergibt die Figur am 10. August 2026 offiziell der Gemeinde Baltschieder. Anschliessend wird die Statue per Helikopter zur Kapelle im Baltschiedertal geflogen, wo sie künftig wieder öffentlich zugänglich sein wird.

Foto: © Werner Bellwald
Erbe Paul Montandons
Die Geschichte der Statue reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. In der alten Kapelle im Baltschiedertal stand ursprünglich eine Heiligenfigur, die beim Neubau der Kapelle ersetzt wurde. Der Neubau entstand als Dank für den erfolgreichen Bau der SAC-Hütte «Baltschiederklause» im Jahr 1922. Bei der Kapellenweihe 1923 überliess Ortspfarrer Stefan Schmid die alte Statue dem Alpinisten Paul Friedrich Montandon-Koenig (1858–1948) aus Thun. Die Figur wurde in der Kapelle durch eine neue Kreuzigungsgruppe ersetzt.
Paul Montandon zählt zu den bedeutendsten Schweizer Alpinisten seiner Zeit. Gemeinsam mit seinem Bruder prägte er das führerlose Bergsteigen in den Alpen. Zudem war er Mitbegründer des Alpinen Museums der Schweiz und vermachte dem Museum 1944 grosse Teile seines Nachlasses – darunter auch die Statue. Bis in die 1990er-Jahre stand die Figur im Treppenhaus des Museums, später wurde sie im Depot eingelagert.
Das ALPS entspricht nun dem Wunsch der Gemeinde Baltschieder nach einer Rückführung der Statue. «Als publikumsnahes und mit den Bergregionen vernetztes Museum ist es uns wichtig, Kulturgüter dort zugänglich zu machen, wo ihre Geschichte verankert ist», sagt Nora Mathys, Leiterin Sammlung des ALPS. Gemeinsam mit dem Initiator der Rückführung und ehemaligen Kantonsrat Manfred Schmid wird sie die Statue am 10. August 2026 aus dem Depot in Zollikofen nach Baltschieder transportieren.

Bild: Hobizzukapelle – Foto: © Werner Bellwald
Wandel im Umgang mit Kulturgütern
«Die Rückführung der Statue steht exemplarisch für einen Wandel im Umgang mit Kulturgütern aus den Alpenregionen. Während um die Jahrhundertwende zahlreiche Objekte aus den Bergtälern in die Museen urbaner Zentren gelangten, setzt seit einigen Jahren eine Gegenbewegung ein. Die Repatriierung der Statue ins Baltschiedertal gründet auf dem Wunsch nach Authentizität, regionaler Identität und kultureller Verankerung vor Ort», schreibt das ALPS.
Im Zuge der Rückführung wurde die Figur kunsthistorisch neu untersucht. Die gotische Statue aus dem 15./16. Jahrhundert galt lange als Darstellung des heiligen Jakobus. Neue Recherchen des Historikers Werner Bellwald und der Kunsthistorikerin Carmela Kuonen Ackermann deuten jedoch darauf hin, dass es sich ursprünglich um einen heiligen Antonius aus einer süddeutschen Werkstatt handeln könnte. Der Figur fehlen die typischen Attribute des Jakobus, insbesondere Muschel und Pilgertasche. Die Forschenden werden die Geschichte und die neuen Erkenntnisse Ende Jahr in einer Publikation veröffentlichen.
cp
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Foto: © Carmela Kuonen Ackerman
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Kommentare von Daniel Leutenegger