23. August 2025
MANOR KUNSTPREIS BASEL 2025: «CASSIDY TONER. BESIDES THE POINT»
Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Hauptbau, bis am 11. Januar 2026

Bild: Support structure © Cassidy Toner, 2025, C-print, Bild: 128 x 89.5 cm, Objekt-ID: 100404 – Creditline: Courtesy of the artist, and Gina Folly – Photo Credit: Gina Folly
Das Kunstmuseum Basel zeigt in der Ausstellung «Besides the Point» neue Werke von Cassidy Toner (*1992 in Baltimore, USA, lebt und arbeitet in Basel). Toner wurde mit dem Manor Kunstpreis 2025 ausgezeichnet. Für die mit dem Preis verbundene Ausstellung schuf sie zwei Dutzend Keramikskulpturen, eine grossformatige Wandzeichnung, ein Video und eine Installation mit Gussobjekten aus Kunstharz und Zinn.
Witzig, schlitzohrig und voller Überraschungen – in ihren Arbeiten wirft Toner einen ironisch-kritischen Blick auf die Mechanismen des Kunstbetriebes, die darin vorherrschenden Erwartungshaltungen und Wertvorstellungen. Eine grosse Portion Humor und viel Selbstironie dienen ihr als Strategie, um die vermeintliche Logik der Kunstwelt zu konterkarieren. Der Titel «Besides the Point» ist eine Kombination des englischen Idioms «beside the point» (am Thema vorbei) und dem Wort «besides» (ausserdem). Toner richtet den Blick gezielt auf das vermeintlich Nebensächliche, das Beiläufige – und entwickelt daraus das übergreifende Thema ihrer Präsentation.

Bild: Leaning on me #7, © Cassidy Toner, Keramik, glasiert, 2025, 24 x 17 x 19 cm, Objekt-ID: 100625 – Creditline: Courtesy of the artist & PHILIPPZOLLINGER, Zurich – Photo Credit: Cassidy Toner
Mit den Keramiken im ersten Ausstellungsraum setzt sich Toner mit überlieferten Regelwerken für figurative Skulpturen auseinander. Ihre Formen nehmen augenzwinkernd Bezug auf Ideale der Bildhauerei. So macht Toner in einer der Gruppen antike Statuenstützen zum Hauptwerk – Elemente, die sonst lediglich als Beiwerk an die Hauptfigur angeheftet sind und eine rein statische Funktion erfüllen.
Das Video «En Garde» (2025) entstand im Kunstmuseum Basel und richtet den Fokus auf den Alltag des Aufsichtspersonals. Die Künstlerin interessiert der Balanceakt zwischen Schutz der Kunstwerke und dem Erlebnis der Besuchenden. Toner montiert repetitive Abläufe und einstudierte Rollenbilder zu einer eigenwilligen Hommage an die Hüter:innen des Museums. Inspiration für die komödiantische Darstellung war der Avantgarde-Kurzfilm «I, an Actress» (1977) von George Kuchar, in dem eine Schauspielerin bei den Proben zu einer Szene immer wieder neu ansetzt.
Im letzten Ausstellungsraum versammelt Toner kleinformatige Gussobjekte zu einer Installation, die das Unvollendete nach dem künstlerischen Prinzip des Non-Finito aufgreift. Ihre Inszenierung von Scheitern und Unfertigkeit spiegelt einmal mehr, wie Kunst rezipiert und bewertet wird.
«Besides the Point» ist Toners bislang umfangreichste institutionelle Einzelausstellung. Zur Ausstellung erscheint im Herbst 2025 das Künstlerinnenbuch «Hands on». Der Band zeigt eine Serie von Fotografien, die Toner von 2014 bis 2024 mit ihrem Smartphone aufgenommen hat. Auf den Bildern interagiert Toners Hand mit Menschen oder Objekten auf Plakatdrucken im öffentlichen Räumen. Ihre Handlung nuanciert die ursprünglichen Botschaften und spielt mit den Absichten der Werbeindustrie.

Bild: © Cassidy Toner_HAND ON_spread 4, Doppelseite aus der Publikation «Hands On» – Photo Credit: Cassidy Toner
Cassidy Toner hat 2014 ihren Bachelor of Fine Arts an der School of Visual Arts in New York erworben und 2018 ihren Master of Fine Arts an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW abgeschlossen. Sie hat verschiedene Preise erhalten wie den Werkbeitrag des Kunstkredits Basel-Stadt (2018), den Kiefer Hablitzel Preis (2021) und den Manor Kunstpreis 2025. Toner nahm an Einzel-, Duo- und Gruppenausstellungen teil, u. a. in der Kunsthalle Zürich (2023), am Swiss Institute in New York (2020), in der Kunsthalle Basel (2019), im Kunst Raum Riehen (2019), im C. Rockefeller Center for the contemporary Arts in Dresden (2019) oder im Centre Art Contemporain Yverdon (2019). Seit 2017 betreibt sie in Basel das freie kuratorische Projekt Rheum Room.
Manor Kunstpreis
Der Manor Kunstpreis, der im Jahr 2022 das 40-jährige Bestehen feierte, ist einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens in der Schweiz. Er wurde 1982 von Philippe Nordmann ins Leben gerufen, um jungen Schweizer Kunstschaffenden eine Plattform zu bieten. Er wird von einer Fachjury jährlich und alternierend in den Städten Aarau, Basel, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Luzern (für die Zentralschweiz), Lugano, Schaffhausen, Sitten, St.Gallen und Winterthur vergeben. Die Fachjury für den Manor Kunstpreis Basel 2025 waren die Künstlerin Onomé Ekeh, die Kuratorin Eva-Maria Knüsel und der Künstler Markus Müller.
Kuratorin: Alice Wilke
cp
Kontakt:
https://kunstmuseumbasel.ch/de/ausstellungen/2025/cassidy-toner
Video:
Cassidy Toner ON Besides the Point – Kunstmuseum Basel
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Kommentare von Daniel Leutenegger