Der am 21. Mai 1929 in Herrlich (damalige Tschechoslowakei) geborene deutsche Kunstmaler, Cartoonist, Illustrator, Satiriker und Kinderbuchautor Hans Johann Georg Traxler (Bild) ist am 24. August 2026 in Frankfurt am Main gestorben. Traxler war Mitbegründer der Satiremagazine «Pardon» und «Titanic». Er war Mitglied der Künstlergruppe «Neue Frankfurter Schule», unter deren Einfluss sich das Komikverständnis in Deutschland grundlegend veränderte.

Bild: Hans Traxler – Foto: © Britta Frenz CMF

Bild: © Hans Traxler, Der Dichter Max Gutmann
«Im Namen der Familie Traxler geben das Caricatura Museum Frankfurt und die Stadt Frankfurt am Main bekannt, dass der Zeichner, Maler und Autor Hans Traxler am 24. August 2026 im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main verstorben ist.», steht in der Mitteilung vom Mittwoch zu lesen.
Hans Traxler (* 21. Mai 1929 in Herrlich / Böhmen) war Mitbegründer der Satiremagazine «Pardon» und «Titanic». Er war Mitglied der Künstlergruppe «Neue Frankfurter Schule», unter deren Einfluss sich das Komikverständnis in Deutschland grundlegend veränderte. Beispielhaft für Traxlers Schaffen in den 1960er-Jahren ist die 1963 erschienene Wissenschaftsparodie «Die Wahrheit über Hänsel und Gretel». 1982 machten seine Zeichnungen zusammen mit den Texten von Pit Knorr Bundeskanzler Helmut Kohl zur «Birne».

Bild: © Hans Traxler, Birne
Seit 2005 steht im Grüngürtel der Stadt Frankfurt das von Traxler entworfene ICH-Denkmal unter dem Motto: «Jeder Mensch ist einzigartig.» Traxler hinterliess ein umfangreiches Werk an Cartoons, Bildgedichten, Illustrationen und Kinderbüchern.
Mit Hans Traxler verlieren wir einen großen Künstler und eine außergewöhnlichePersönlichkeit. Sein kreatives Wirken hat tiefe Spuren nicht nur in Frankfurt hinterlassen. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk.
Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt

Bild: © Hans Traxler, Elche
Hans Traxlers Beitrag für die Komische Kunst ist immens, sein Werk prägend und sein Schaffensdrang beeindruckend. Noch 2024 äußerte er sich in seinem Buch „Wie die Malerei verschwand“ kritisch zur Entwicklung der modernen Kunst. Im vergangenen Jahr erschienen seine gesammelten Bildgedichte sowie in der Büchergilde Gutenberg seine illustrierte „Ode an den Ammersee“. Sein Lebenswerk ist Teil unseres kulturellen Erbes. Unser Auftrag und unser Versprechen ist es, dieses Werk zu bewahren und für kommende Generationen lebendig zu halten.
Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museum Frankfurt
Hans Traxler war Satiriker, Maler, Zeichner, Illustrator und schuf als Autor satirische Texte sowie Kinderbücher. Zusammen mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Pit Knorr, Chlodwig Poth und F. K. Waechter bildete er die Künstlergruppe «Neue Frankfurter Schule». Die legendäre Elch-Gruppe stellte eine bundesrepublikanische Grösse dar, mit ihrer Zentrale in Frankfurt am Main. Ihre Protagonisten gehörten zu einer Künstlergeneration, die durch ihre Arbeiten die Enge und Starre Nachkriegsdeutschlands aufbrachen und der deutschen Gesellschaft das freie Lachen beibrachten – mit gewagten neuen Komikformen, präzisen satirischen Analysen und satirischem Nonsens. Der Zweizeiler «Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche» von F. W. Bernstein wurde ihr Leitspruch. Zeichnerisch umgesetzt hat ihn Hans Traxler. Der Elch findet sich wieder im Logo des Caricatura Museums, 2008 wurde die Bronzefigur vor dem Museum eingeweiht.

Bild: © Hans Traxler, Herr Löhleins Katze
Die satirische Karriere Traxlers, in der sich sein literarisches wie zeichnerisches Talent entfaltete, begann in den 1960er-Jahren. Zu seinen frühesten und bekanntesten Werken gehört die Wissenschaftsparodie «Die Wahrheit über Hänsel und Gretel» (1963). Unter dem Pseudonym Georg Ossegg berichtet er darin über die angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchen-Hexenhauses; inklusive Lageplan, Schichtenprofilen und Fundpräsentation. Unzählige Leser erkannten die Parodie nicht und stürmten erfolglos den Spessart, um anhand der Pläne von Georg Ossegg die Fundstelle zu besuchen – was Traxler eine Ermittlung wegen Betrugs einbrachte. Das Buch erlebte unzählige Auflagen, einschliesslich einer japanischen Ausgabe. 1987 wurde das Werk mit Jean Pierre Léaud, Romy Haag und Alfred Edel verfilmt.
1962 war Hans Traxler Mitgründer von «Pardon». Das Magazin präsentierte Satire, Politik, Philosophie, später auch Kunst auf hohem komischem Niveau. Das Blatt wurde zum Forum nahezu aller Künstler:innen und Intellektuellen, die die «68er»-Jahre prägten. Differenzen mit Herausgeber Hans A. Nikel führten in den 1970er.Jahren dazu, dass sich Traxler gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der «Neuen Frankfurter Schule» von dem Magazin trennte. 1979 gründete die Gruppe die «Titanic» und schuf sich damit ein Hausmagazin.
Die späten 1970er- und die 1980er-Jahre waren für Traxler ungemein produktive Jahre. Neben «Titanic» arbeitete er für das «Zeit-Magazin», für die Magazine der «FAZ», der «SZ» und andere. Viele seiner Bildgeschichten und Bildgedichte sind hier zum ersten Mal publiziert worden. Die Anzeigen prominenter Persönlichkeiten wegen Beleidigung musste er in Kauf nehmen. 1982 erschien «Birne – das Buch zum Kanzler» mit den Texten von Pit Knorr. Als einer der ersten deutschen Cartoonisten schaffte er es mit «Aus dem Leben der Gummibärchen» von 1992 auf den amerikanischen Cartoonmarkt.

Bild: © Hans Traxler, Verliebt
Vom schnellen Tagesgeschäft zurückgezogen, blieb Hans Traxler als Autor und Illustrator in den letzten Jahren umso kreativer. 2024 erschien «Wie die Malerei verschwand. Eine Kunstgeschichte», eine satirisch realistische Abrechnung mit dem Kunst- und Lehrbetrieb. 2025 folgten «Eine Ode an den Ammersee», eine humorvoll pointierte Hommage an seinen Lieblingssee und «Die Bildergedichte», mit Klassikern und vielen neuen Bilderserien des Künstlers sowie eine Neuauflage von Mark Twains «Bummel durch Europa» mit Illustrationen Traxlers.
Bis zuletzt blieb das Zeichnen seine Passion. Auf die Frage: «Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?» antwortete Traxler: «Ein gutgemalter transparenter Schlagschatten».
Der künstlerische Nachlass von Hans Traxler befindet sich im Caricatura Museum in Frankfurt; er umfasst 3’700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen.
Quelle:
https://caricatura-museum.de/media/cmf_pi_hans_traxler.pdf
Kontakt:

Bild: © Hans Traxler, Zum Ziele einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!
Der Alleskünstler
Die Kunst war im buchstäblichen Sinne sein Leben, und über nichts konnte Hans Traxler sich in den letzten Jahren so aufregen wie über den Niedergang des künstlerischen Handwerks. Er selbst beherrschte es in Vollendung, erlernt an der Städelschule, im Frankfurt der Fünfzigerjahre. In dieser Stadt hatte Traxler seine neue Heimat gefunden, nachdem er die alte im Krieg verloren hatte. Von der böhmischen Herkunft blieben ihm nur ein winziger Zungenschlag bis ins höchste Alter, der schönste aller denkbaren Geburtsstadtnamen (Herrlich, heute Hrdlovka, was aber nicht mehr „herrlich“, sondern auf Tschechisch „Kehle“ bedeutet) und eine Menge Kindheits- und Jugenderinnerungen, aus denen Traxler 2019, pünktlich zu seinem neunzigsten Geburtstag, für sein Buch „Mama, warum bin ich kein Huhn?“ reichlich geschöpft hat.
Andreas Platthaus
Hans Traxler prägte die Satirehefte »Pardon« und »Titanic«
Aus dem politischen Tagesgeschäft zog sich Traxler von den Neunzigerjahren an zunehmend zurück, blieb aber als Autor und Zeichner kreativ. Er veröffentlichte Kinderbücher und illustrierte literarische Texte anderer Autoren wie Mark Twain oder Kurt Tucholsky. Der Stadt Frankfurt schenkte er 2005 das »ICH-Denkmal«, für OB Josef »das vielleicht demokratischste aller Denkmäler«: Unter dem Motto »Jeder Mensch ist einzigartig« kann sich jeder auf dem Sandsteinsockel fotografieren und so zum eigenen Denkmal werden. Am Montag ist Hans Traxler im Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben.
feb
Schöpfer des Caricatura-Elchs stirbt mit 97Traxler, 1929 im böhmischen Ort Herrlich geboren und nach dem Krieg im bayerischen Regensburg aufgewachsen, war einer der bekanntesten und einflussreichsten Kreativen der Komischen Kunst, ein Botschafter seiner Wahlheimat Frankfurt, wo er seit 1951 lebte. Der Künstler hatte an der Städelschule studiert, beim großen Abstrakten Georg Meistermann. 1962 war Traxler Mitbegründer des Satiremagazins „Pardon“, 1979 der „Titanic“. Seine Karikatur des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl als Birne von 1982 mit Texten von Pitt Knorr ist bis heute legendär.
Andreas Hartmann
Videos:
1/2 Kritische Bildnisse – Ralf König und Hans Traxler im Gespräch, 2010
Hans Traxler «Traxlers Klassiker»
https://www.facebook.com/watch/?v=3106703962726346
Fernsehen DRS, «Karussell», 21.11.1984
Gespräch mit Hans Traxler
Mehr:
https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=119362198
https://www.sueddeutsche.de/kultur/hans-traxler-zum-80-geburtstag-cartoon-teufel-hans-1.458184
https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/Hans%20Traxler/00/17091
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Traxler
#HansTraxler #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger