Am 12. Juli 2026 eröffnete in Ausserbinn im Wallis ein neuer, unkonventioneller Ausstellungsraum: die Kunsthalle Ausserbinn. In einer seit vielen Jahren ungenutzten, neun Quadratmeter grossen und leerstehenden Milchsammelstelle direkt am Dorfplatz werden künftig zweimal jährlich ortsspezifische Kunstwerke zeitgenössischer Kunstschaffender gezeigt.

Bild: © Thomas Julier
Das Binntal ist ein Pionier des nachhaltigen Wirtschaftens. Bereits 1964 beschloss die Gemeinde Binn mit einer Volksabstimmung, keinen Tourismus im herkömmlichen Sinne zu betreiben und einen Teil ihres Gebietes unter Naturschutz zu stellen. Dies bedeutete den bewussten Verzicht auf Skilifte, Bergbahnen und grosse Bauprojekte zu Gunsten eines Fremdenverkehrs, der auf Themen wie Ökologie und Kultur fokussiert. Heute ist das Binntal auch bekannt für sein einzigartiges Musikfestival in Ernen, das Kunstprojekt Twingi (früher Twingi Land Art) und für das bei Wanderinnen und Wanderern beliebte Biosphären-Reservat.
Wo früher im Alltag die Milch des Dorfes zusammenkam, fliessen künftig kreative Energien. So soll mittelfristig am Dorfplatz in Ausserbinn nicht nur ein Ort der Kunst entstehen, sondern ein lebendiger sozialer Treffpunkt für alle Akteur:innen im Binntal: intim in der Fläche und offen für Begegnungen.
Den Auftakt im Sommer 2026 macht der in Zürich und Mühlebach/Ernen lebende Künstler Thomas Julier.
Im Dezember 2026 folgt als zweites Projekt eine ortsspezifische Arbeit der bekannten, in Siders lebenden Künstlerin Maria Ceppi.
Initiant:innen der Kunsthalle Ausserbinn sind die beiden Schweizer Kurator:innen Dorothea Strauss und Christoph Doswald, die bei Zürich leben. Seit 2016 besitzen sie ein Ferienhaus in Ausserbinn und sind seither fasziniert von der Kraft dieser Region. Die Gemeinde Ernen stellt das historische Milchhäuschen für ihre Initiative Kunsthalle Ausserbinn zur Verfügung: «Uns fasziniert das Zusammenspiel zwischen der radikalen Winzigkeit des historischen Milchhüsli und den unendlichen Denk- und Naturräumen, die das Binntal auszeichnen. Dass Thomas Julier, dessen Familie hier tief verwurzelt ist, diesen Ort mit einer hochaktuellen Reflexion über digitale und menschliche Sprache einweiht, schliesst für uns einen perfekten, visionären Kreis.», so Dorothea Strauss und Christoph Doswald.
«TOMAS JULIER. BODY COPY»
Der international renommierte Künstler Thomas Julier hat familiäre Wurzeln in Ausserbinn. In seiner Ausstellung «Body Copy» untersucht er das Spannungsverhältnis zwischen menschlicher Autorenschaft und künstlicher Intelligenz. Ausgangspunkt ist sein Archiv aus rund 4’600 T-Shirt-Slogans, die er seit 2016 sammelt.
Mithilfe von Sprachmodellen zur Emotionsanalyse filterte Julier das Material nach den Gefühlskategorien anger (Wut), sadness (Traurigkeit) und love (Liebe). Das KI-Modell bewertet die Slogans und verdichtet sie zu einem komplexen Bild, das Julier in ein Fotonegativ überführt und als grossen fotografischen Abzug in der Kunsthalle zeigt – eine visuelle «Langzeitbelichtung der Menschenmenge», wie Julier es selbst ausdrückt. Das zweite Werk ist eine Soundarbeit, bei der eine menschliche Stimme ausgewählte Slogans aus dem Archiv des Künstlers vorliest.
Im ehemaligen Milchhüsli treffen somit der maschinelle Blick und die körperliche Präsenz des Sprechens direkt aufeinander. «Body Copy» ist eine scharfsinnige Gegenwartsdiagnose, die erfahrbar macht, wie öffentliche Sprache heute als Datenspur zwischen Körpern, Medien und Algorithmen zirkuliert.
Thomas Julier lebt und arbeitet in Zürich und Mühlebach / Ernen. Er stellt international aus und ist in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, unter anderem im Kunsthaus Zürich, Kunsthaus Aarau, in der Kunstsammlung der Mobiliar, der Sammlung des Fotomuseums Winterthur, der Kunstsammlung der Schweizerischen Post und der Julius Bär Kunstsammlung.
kha
Kontakt:
https://kunsthalleausserbinn.ch/
#KunsthalleAusserbinn #DorotheaStrauss #ChristophDoswald #ThomasJulier #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger