Die grosse Wiedereröffnung des Fotomuseums Winterthur steht bevor: Am 17. Mai 2025 um 11 Uhr öffnet die Institution nach der umfassenden Gesamterneuerung des Gebäudes die Türen zur neuen Ausstellung und zu den neuen Räumlichkeiten.

Bild: © Fotomuseum Winterthur, 2025 / Marcel Rickli
«Die Anforderungen an ein zeitgenössisches Museum und die Bedürfnisse der Besuchenden haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt. Mit dem neuen Fotomuseum Winterthur wird das Haus diesen sich verändernden Bedingungen gerecht und realisiert die Vision einer Institution der Gegenwart – eines Orts der inhaltlichen Auseinandersetzung, aber auch der Begegnung und des Austauschs.», ist auf der Webseite der Institution zu lesen.
«Es beginnt ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte des Fotomuseums Winterthur. Mit dem umgebauten Gebäude reagieren wir auf aktuelle Entwicklungen in der Museumslandschaft, aber auch in der Fotografie. Die Räume bieten nun optimale Bedingungen für die Präsentation zeitgenössischer fotografischer Werke und den Dialog mit unseren Besuchenden.», erklären Monica Glisenti und Madeleine Schuppli, Co-Präsidentinnen des Stiftungsrats des Fotomuseums Winterthur.
Zeitgenössische und experimentelle Formate
Das Fotomuseum Winterthur beschäftigt sich mit einem Medium, das sich wie kaum ein anderes entwickelt hat. Mit dem neuen Gebäude schafft die Institution Raum für die Präsentation unterschiedlichster Formen der Fotografie; von Abzügen über audiovisuelle Inhalte bis zu Virtual-Reality-Installationen. Das Museum soll auch auf neue Technologien, die sich heute noch gar nicht antizipieren lassen, flexibel reagieren können.
«Unser Alltag ist geprägt von digitalen Bildern und vernetzten Technologien. Dazu gehören auch algorithmische und mithilfe künstlicher Intelligenz erstellte Fotografien. Das Medium der Fotografie hat sich in den letzten Jahrzehnten mit unglaublicher Geschwindigkeit verändert. Wir begleiten und diskutieren diesen Wandel und dessen Auswirkungen gleichermassen befragend und mit Begeisterung – in unserer Eröffnungsausstellung ‹The Lure of the Image – Wie Bilder im Netz verlocken› und darüber hinaus.», hält Nadine Wietlisbach, Direktorin des Fotomuseums Winterthur, fest.
Das Museum als Austausch- und Begegnungsort
Im erneuerten Fotomuseum Winterthur soll der Austausch mit den Besuchenden noch stärker in den Fokus rücken. «Es werden Räume für Begegnungen und Diskussionen geschaffen, um so dem Publikum den Zugang zur Auseinandersetzung mit fotografischen Bildern zu ermöglichen.», verspricht das Haus.
«Im Fotomuseum Winterthur verstehen wir die Vermittlung als zentralen Bestandteil unserer Arbeit: An mehr als 300 Veranstaltungen im Jahr beleuchten wir die Fotografie aus unterschiedlichen Perspektiven. Nebst Schulklassen besuchen uns auch zahlreiche interessierte Erwachsenengruppen – dies auch im Rahmen von Mitarbeite:innen-, Kund:innen- oder auch Geschäftsleitungsveranstaltungen von Firmen.», betont Remo Longhi, Kaufmännischer Direktor des Fotomuseums Winterthur.
Die baulichen Anpassungen im Überblick:
- Das Vermittlungsangebot des Fotomuseum Winterthur hat sich in den letzten Jahren nicht nur inhaltlich, sondern auch in Bezug auf die Nachfrage rasant entwickelt. «Endlich wird die Institution der Nachfrage nun gerecht werden können, denn die Räumlichkeiten sind flexibel einsetzbar: Sie lassen sich rasch aufteilen oder vergrössern und den Bedürfnissen unterschiedlicher Gruppen anpassen.» (*)
- Die Infrastruktur der Vermittlungsräumlichkeiten und des Labors wird modernisiert, sodass unterschiedlichste Workshops – vom Experimentieren mit analogen Fotografietechniken bis zur Erkundung digitaler Bildphänomene – durchgeführt werden können.
- Die Vermittlungsräumlichkeiten befinden sich neu im Erdgeschoss des Museums neben den Ausstellungsräumlichkeiten. Die Angebote werden direkt in den Museumsbetrieb integriert. Sie sind somit zugänglicher – unter anderem für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
- Das geräumige und helle Foyer lädt mit unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten zum Reflektieren und Verweilen ein. Ein Shop rundet das Angebot ab.
Nachhaltigkeit als Ziel
«Bei den Sanierungsarbeiten standen nebst der verbesserten Zugänglichkeit und der Anpassung an neue Gegebenheiten auch eine nachhaltige Bauweise und Energieeffizienz im Fokus. So besteht beispielsweise die Struktur des Erweiterungsbaus aus einem Holzsystembau aus regionalem Fichtenholz und steht auf einem Sockel aus Recycling-Beton. Für die Fassade wurden rund 350 m2 wiederverwendete Trapezbleche aus Cortenstahl vom Winterthurer Schulhaus Wallrüti – einem ikonografischen Zeitzeugen aus den 1970er-Jahren – eingesetzt. Nicht zuletzt wird ein Aussenraum entwickelt, der zu allen Jahreszeiten genutzt werden kann und der dank versickerungsfähiger Bodenfläche, Grünflächen auf dem Erweiterungsbau und einer diversen Bepflanzung den Bedürfnissen nach einer nachhaltigen Umgebung gerecht wird.», ist auf der Webseite zu lesen (*).
«Das Fotomuseum Winterthur ist eine Institution mit einer einzigartigen Identität – ein Museum, welches architektonisch an die Industriegeschichte Winterthurs anknüpft. Unser primäres Ziel war es, den Charakter dieses spezifischen Orts zu erhalten und die bestehenden Qualitäten mit dem Um- und Erweiterungsbau noch stärker hervorzuheben. Dass wir dabei auf eine nachhaltige Bauweise achten, ist zentral.», betont Peter Wehrli, Architekt RWPA.
Weshalb eine Gesamterneuerung?
In den Jahren 2017 und 2018 wurden die Liegenschaften des Fotomuseums Winterthur einer umfassenden Analyse unterzogen. Dabei wurden Mängel bei der in die Jahre gekommenen Infrastruktur festgestellt; insbesondere in den Bereichen Klima, Sicherheit und Brandschutz. Eine umfassende Sanierung des Gebäudes – die erste in der 30-jährigen Geschichte des Hauses – wurde unumgänglich.
Im Zuge der Gesamterneuerung wurden
- Anpassungen an Sicherheits-, Brandschutz und Energiestandards vorgenommen,
- die Ausstellungsflächen zentralisiert, indem ein Erweiterungsbau eine
Ausstellungsfläche, die sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite befand, ersetzt, - der Museumsbetrieb optimiert, Nutzungsstaus aufgelöst und die Einsatzmöglichkeiten der Räumlichkeiten optimiert, die Arbeitsplätze aufgewertet und an aktuelle Bedürfnisse angepasst
Informationen zum Museum
«Die Fotografie prägt wie kaum ein anderes Medium unseren Blick auf uns und die Welt und beeinflusst unser Denken und Handeln. Das Fotomuseum Winterthur untersucht deshalb die kulturelle, soziale und politische Rolle der Fotografie und ihre Wirkung auf uns Menschen und unseren Alltag.», schreibt das Haus auf seiner Webseite (*).
Das Fotomuseum Winterthur widmet sich seit der Gründung 1993 der zeitgenössischen Fotografie und visuellen Kultur. Die Institution präsentiert jährlich drei bis fünf Ausstellungen, welche die Fotografie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Es werden Arbeiten junger wie auch etablierter internationaler Fotograf:innen und Kunstschaffender gezeigt. Begleitet werden die Ausstellungen von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm sowie variierenden Workshops. Auch auf seinen digitalen Plattformen setzt sich das Museum mit dem Fotografischen auseinander; im Rahmen von Online-Events und diversen multimedialen Beiträgen. Die Sammlung umfasst rund 9’000 Werke aus den 1960er-Jahren bis heute.
fmw
Kontakt:
(*) https://www.fotomuseum.ch/de
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Kommentare von Daniel Leutenegger