«Viceversa Literatur» ist ein «Jahrbuch der Schweizer Literaturen», das seit Mai 2007 jedes Jahr in drei verschiedenen Ausgaben erscheint: auf Deutsch beim Rotpunktverlag (Zürich), auf Französisch bei den Editions Zoé (Genf) und auf Italienisch bei den Edizioni Casagrande (Bellinzona). «Viceversa» entstand in der Nachfolge der Zeitschrift «Feuxcroisés» und hat zum Ziel, das literarische Schaffen der Schweiz über die Sprachgrenzen hinaus bekannt zu machen und den Kulturaustausch zu fördern. Die soeben erschienene diesjährige Ausgabe trägt den Titel «Entre-deux, Dazwischen, In bilico, Tranteren»

Foto: © Viceversa Literatur
Zwischen Stuhl und Bank, Stadt und Land, Krieg und Frieden, Gegenwart und Vergangenheit; zwischen Gewissheiten und Zweifeln, Schlaf und Wachen, Lachen und Weinen … Was bedeutet es für eine Gesellschaft oder einen einzelnen Menschen, sich zwischen zwei Polen zu bewegen? Heisst es, hin- und hergerissen zu werden? Weder dem einen, dem anderen noch beiden zusammen anzugehören? Was passiert bei einem körperlichen oder seelischen Übergang? Findet sich ein Platz hier oder dort? Verweigern wir die Binarität, die Wahl oder auch den Kompromiss, bleiben wir mittendrin oder verlieren wir uns «tanteraint ninglur» (Jachen Andry), «im nirgendwo dazwischen»?
Zwischen den Sprachen bewegt sich einmal mehr diese neunzehnte Ausgabe des «Jahrbuchs der Schweizer Literaturen», wobei sich das fruchtbare Hin und Her besonders schön in der zweisprachig gesetzten Lyrik verfolgen lässt. «Inédits» auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Rätoromanisch erwidern sich über die Textgrenzen hinweg und geraten unverhofft in einen Dialog.
Einen Einblick in ihre Arbeit als Übersetzerin gibt Lis Künzli in «Carte blanche» und sie erläutert, was es für sie bedeutet, einem Text, aber auch seiner Übersetzung «aufs Wort glauben» zu können.
Die Künstlerin Karien Zevenhuizen stellt in «Visuell» ihre Sicht des Zwischenraums bildlich dar, in den alltäglichen und doch geheimnisvollen Räumen zwischen Fenster und Heizkörper, Balkontür und Vorhang.
«Zu Gast» ist in dieser Ausgabe die Autorin Gertrud Wilker (1924–1984), deren Texte von der Diskrepanz zwischen zwei Welten zeugen, derjenigen der Bedürfnisse, Wünsche und Träume und derjenigen der «kargen Sättigung», die sie erfahren, wie es in Wilkers Roman Nachleben heisst. «kein kitt, der dich lichtet», schreibt Simone Lappert, aber vielleicht bietet die Literatur in diesem Widerspruch Nahrung?
rg
Kontakt:
https://www.viceversaliteratur.ch/article/25418
Editions Zoé
https://editionszoe.ch/livre/viceversa-litterature-19/
Rotpunktverlag
https://rotpunktverlag.ch/buecher/viceversa-19
Edizioni Casagrande
https://www.edizionicasagrande.com/
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Kommentare von Daniel Leutenegger