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14. Oktober 2026

«ROBERTO BURLE MARX. MODERNISMO TROPICAL»

Ausstellung im Zentrum Paul Klee (ZPK), Bern, vom 17. Oktober 2026 bis am 7. Februar 2027 - Eröffnung am Freitag, 16. Oktober 2026, ab 18 Uhr

Bild: Roberto Burle Marx während einer botanischen Expedition in Ecuador, 1974 – Foto: Luiz Knud Correia de Araújo

Roberto Burle Marx Mangue [Mangrove], 1964 Gouache und Tusche auf Papier 56,5 x 76,5 cm Acervo Instituto Burle Marx © Roberto Burle Marx

Bild: Roberto Burle Marx, Mangue [Mangrove], 1964, Gouache und Tusche auf Papier, 56,5 x 76,5 cm, Acervo Instituto Burle Marx © Roberto Burle Marx

Indem er Gestaltungsprinzipien aus Kunst und Musik auf die Natur übertrug, revolutionierte der brasilianische Künstler Roberto Burle Marx (1909–1994) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Landschaftsarchitektur. Das Zentrum Paul Klee widmet dem «Erfinder des tropischen Gartens», der auch Maler, Grafiker, Designer, Sammler und Umweltschützer war, die erste grosse Ausstellung in der Schweiz. Sie lädt dazu ein, das gesamte interdisziplinäre künstlerische Universum von Roberto Burle Marx zu entdecken. Ein Schwerpunkt liegt auf seinen landschaftsarchitektonischen Projekten.

Roberto Burle Marx Mangue rosa [rosafarbene Mangrove], 1963 Öl auf Leinwand 134 x 166 cm Acervo Instituto Burle Marx © Roberto Burle Marx

Bild: Roberto Burle Marx, Mangue rosa [rosafarbene Mangrove], 1963, Öl auf Leinwand, 134 x 166 cm, Acervo Instituto Burle Marx © Roberto Burle Marx

Roberto Burle Marx Ohne Titel, o. D. Gouache, Kugelschreiber und Filzstift auf Papier 56,5 x 76 cm Acervo Sítio Roberto Burle Marx/Iphan/MinC © Roberto Burle Marx

Bild: Roberto Burle Marx, Ohne Titel, o. D., Gouache, Kugelschreiber und Filzstift auf Papier, 56,5 x 76 cm, Acervo Sítio Roberto Burle Marx/Iphan/MinC © Roberto Burle Marx

Roberto Burle Marx war ein vielseitiger Gestalter: Er malte, zeichnete, entwarf, sang leidenschaftlich gerne, war Sammler, Umweltaktivist und kultivierte zahllose Pflanzen aus den verschiedenen Ökoregionen Brasiliens. Sein wichtigstes Vermächtnis sind seine landschaftsarchitektonischen Projekte: Er revolutionierte die Landschaftsarchitektur, indem er Gestaltungsprinzipien aus der Malerei und der Musik auf die Natur übertrug und sich an der kulturellen Aufwertung dessen beteiligte, was als «brasilianisch» galt.

Seine Gärten und Parks bestückte er mit einheimischen Pflanzenarten, obwohl diese gegenüber importierten europäischen Pflanzen als minderwertig galten, und er engagierte sich für die Erforschung und den Schutz der brasilianischen Flora. Seine Projekte sah er in einem grösseren urbanistischen Kontext. Auch heute noch ist Roberto Burle Marx Referenzfigur für Landschaftsarchitekt:innen weltweit.

Roberto Burle Marx Aussenministerium, Palácio Itamaraty, Brasília, Tapisserieentwurf (erster Abschnitt), 1965 Gouache auf Karton 50,3 x 55,7 cm Acervo Sítio Roberto Burle Marx/Iphan/MinC © Roberto Burle Marx

Bild: Roberto Burle Marx, Aussenministerium, Palácio Itamaraty, Brasília, Tapisserieentwurf (erster Abschnitt), 1965, Gouache auf Karton, 50,3 x 55,7 cm, Acervo Sítio Roberto Burle Marx/Iphan/MinC © Roberto Burle Marx

Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee lädt als erste in der Schweiz dazu ein, den interdisziplinär arbeitenden Künstler, der in seiner Heimat Brasilien als Ikone gilt und zu den wichtigsten Vertreter:innen der globalen Moderne gehört, kennenzulernen.

Der Schwerpunkt liegt auf fünfzehn ausgewählten landschaftsarchitektonischen Projekten, die sich durch handgemalte Pläne, Tuschzeichnungen, zahlreiche Fotografien und Filme entdecken lassen. Darunter sind Gestaltungen von öffentlichen Parkanlagen und privaten Gärten sowie die weltbekannte Copacabana in Rio de Janeiro. Daneben zeigt die Ausstellung Entwürfe und eine Auswahl von Schmuck, Tapisserien, Theaterkostümen und Bühnenbildern sowie Gemälde und Objekte aus dem Sítio Roberto Burle Marx, dem Wohnsitz von Burle Marx, der ihm auch als Atelier und Experimentierfeld diente und seine einzigartige Sammlung tropischer Pflanzen beherbergt. Eine fünfzehn Meter breite Videoinstallation erlaubt es Besucher:innen, in die üppige Pflanzenwelt des Sítio einzutauchen, der heute zum UNESCO-Welterbe gehört. Zudem wird der BBC-Film «Lost Paradise: The Gardens of Roberto Burle Marx» gezeigt.

Ministerium für Bildung und Gesundheit, Rio de Janeiro, Brasilien, Dachgarten, 1942–1944 Foto: Cesar Barreto, 2009

Bild: Ministerium für Bildung und Gesundheit, Rio de Janeiro, Brasilien, Dachgarten, 1942–1944 – Foto: Cesar Barreto, 2009

Architektur – Malerei – Landschaftsarchitektur

Burle Marx begann seine Karriere an der Kunsthochschule in Rio de Janeiro. Er studierte zunächst Architektur, wechselte dann aber zur Malerei. Obwohl er das Malereistudium nach zwei Jahren abbrach, blieb die Malerei zeitlebens ein Grundpfeiler seines Schaffens. Seine interdisziplinäre Arbeit war wechselseitig durchdrungen von Natur und Kunst: Bei seinen Gartenprojekten arbeitete er oft mit Massenpflanzungen, bei denen klar umrissene, organisch geschwungene oder orthogonale Flächen dicht mit einer bestimmten Pflanzenart bepflanzt werden. So entstehen, wie in der Malerei, nebeneinander gesetzte Flächen, die sich in Form, Farbe oder Textur kontrastieren. Es erstaunt daher wenig, dass seine in Gouache gemalten Pläne an abstrakte Gemälde erinnern. Zudem integrierte er Skulpturen oder farbig gestaltete Wandbilder, Wasserfälle, Steinelemente und Bodenmosaike in seine Landschaftsprojekte. So zum Beispiel das dreifarbige Pflaster an der Copacabana.

«Ich bin in erster Linie Künstler. Meine Leinwand ist die Erde, mein Medium sind die Pflanzen.»

Roberto Burle Marx

Seine zeichnerischen Fertigkeiten setzte Burle Marx für die Visualisierung seiner Projekte ein. Spontane Tuschezeichnungen wirken wie Wimmelbilder, die von Pflanzen und kleinen Menschenfiguren bevölkert sind, und geben einen ersten Eindruck der Projekte. In anderen Zeichnungen achtete er auf eine wissenschaftlich korrekte Wiedergabe verschiedener Ökoregionen Brasiliens mit ihrer je typischen Topografie und den darin heimischen Pflanzen. Ihm war es stets wichtig, Kenntnisse über die einheimische Flora zu vermitteln und die Menschen für die Natur ihres Landes zu sensibilisieren.

Roberto Burle Marx
Residência Odette Monteiro, Corrêas,
Petropólis, Brasilien, Plan, 1945
Gouache und Farbstift auf Sulfitpapier
88,5 × 120 cm
Acervo Instituto Burle Marx
© Roberto Burle Marx

Bild: Roberto Burle Marx, Residência Odette Monteiro, Corrêas, Petropólis, Brasilien, Plan, 1945, Gouache und Farbstift auf Sulfitpapier, 88,5 × 120 cm, Acervo Instituto Burle Marx © Roberto Burle Marx

Residência Odette Monteiro, Corrêas, Petropólis, Brasilien, 1945–1948 Foto: Cesar Barreto, 2009

Bild: Residência Odette Monteiro, Corrêas, Petropólis, Brasilien, 1945-1948 – Foto: Cesar Barreto, 2009

Burle Marx pflegte Kontakte und eine enge Zusammenarbeit mit führenden brasilianischen Architekten seiner Zeit, darunter Lucio Costa und Oscar Niemeyer, was ihm früh zu Anerkennung verhalf. So war er für die landschaftsarchitektonische Gestaltung vieler ikonischer Bauwerke des brasilianischen Modernismus verantwortlich. Ab 1938 entwarf er die drei Gärten des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro, das von einem Team brasilianischer Architekten in Zusammenarbeit mit Le Corbusier geplant wurde und das erste modernistische öffentliche Gebäude Lateinamerikas war. Insgesamt haben Roberto Burle Marx und sein Team mehr als zweitausend Projekte für Garten- und Parkgestaltungen auf der ganzen Welt hinterlassen. Darunter auch für den tropischen Garten der von Richard Neutra entworfenen Casa Schulthess in Havanna, die heute die Residenz der Schweizer Botschaft in Kuba beherbergt.

Der Erfinder des tropischen Gartens

Viele von Burle Marx’ innovativen Ansätzen – die asymmetrischen und geschwungenen Formen, die klare Gestaltung mit dichten Massenpflanzungen, die harmonische Verbindung von Architektur, Garten und umgebender Landschaft, seine profunde Pflanzenkenntnis, der Einsatz tropischer Arten sowie der Einbezug von Elementen der modernen Kunst und der brasilianischen Kultur – prägen die Landschaftsarchitektur bis heute nachhaltig und sind weltweit anzutreffen.

«Gärten sind Kunstwerke und müssen als solche betrachtet werden. Wie in der Malerei, der Bildhauerei und der Architektur muss man Farbe, Textur, Volumen und Form berücksichtigen.»

Roberto Burle Marx

Oft zeigen Burle Marx’ Entwürfe für öffentliche Parks und urbane Räume, wie Landschaftsarchitektur das städtische Leben bereichern und das Gemeinschaftsgefühl stärken kann. Burle Marx war weniger an der Gestaltung von Privatgärten als vielmehr daran interessiert, Erholungsräume und Berührungspunkte mit der Natur für die stark wachsende städtische Bevölkerung zu schaffen. Er berücksichtigte damit bereits Mitte des 20. Jahrhunderts sowohl urbanistische als auch soziale Aspekte, was heute selbstverständlich ist.

Burle Marx & Cia. Ltda. Banco Safra, Hauptsitz, São Paulo, Brasilien, Blatt P. 8, Plan des Dachgartens mit Pflanzenliste, 11.12.1986 Gouache, Tusche und heliografischer Druck auf Sulfitpapier 80,8 × 99,5 cm Acervo Instituto Burle Marx © Burle Marx & Cia. Ltda.

Bild: Burle Marx & Cia. Ltda., Banco Safra, Hauptsitz, São Paulo, Brasilien, Blatt P. 8, Plan des Dachgartens mit Pflanzenliste, 11.12.1986, Gouache, Tusche und heliografischer Druck auf Sulfitpapier, 80,8 × 99,5 cm, Acervo Instituto Burle Marx © Burle Marx & Cia. Ltda.

Banco Safra, Hauptsitz, São Paulo, Brasilien, Dachgarten, 1983 Foto: Leonardo Finotti, 2011

Bild: Banco Safra, Hauptsitz, São Paulo, Brasilien, Dachgarten, 1983 – Foto: Leonardo Finotti, 2011

Avantgardist und Umweltschützer

1949 erwarb Burle Marx ein ehemaliges Landgut, wo er mit Gestaltungselementen experimentierte und eine lebende Pflanzensammlung aufbaute. Für seine immer zahlreicher und grösser werdenden Projekte benötigte er einheimisches Pflanzenmaterial, das im Handel nicht ausreichend verfügbar war.

Er organisierte Expeditionen in verschiedene Regionen Brasiliens, um Pflanzen zu sammeln. Einige davon waren noch nicht wissenschaftlich erfasst: Burle Marx und sein Team sammelten über hundert neue Arten. Rund dreissig davon wurden nach ihm benannt und tragen den Namenszusatz «burle-marxii». Die Sammlung des heutigen Sítio Robert Burle Marx umfasst über 3’500 Arten aus Brasilien und anderen Weltgegenden, einige davon sind durch Abholzung, Industrialisierung und extensive Landwirtschaft in der freien Natur verschwunden. Bereits in den 1960er-Jahren setzte sich Burle Marx als Mitglied des Bundeskulturrates gegen die Entwaldung und die Zerstörung der Artenvielfalt ein. Er war damit einer der ersten Umweltschützer, der sich in Brasilien für die Biodiversität engagierte. Burle Marx brachte Ökologie, Urbanismus und Kunst in einzigartiger Weise zusammen – ein Aspekt, der sein Schaffen bis heute besonders relevant und faszinierend macht.

Kuratorisches Team

Fabienne Eggelhöfer und Myriam Dössegger, Zentrum Paul Klee
Manuel Fontán del Junco und María Toledo, Fundación Juan March
Wissenschaftliche und kuratorische Beratung:
Isabela Ono, Instituto Burle Marx

Kooperation

Die Ausstellung wird vom Zentrum Paul Klee und der Fundación Juan March organisiert und kuratiert, in Zusammenarbeit mit dem Instituto Burle Marx und mit Unterstützung des Sítio Burle Marx.

cp

Kontakt:

https://www.zpk.org/de/ausstellung/roberto-burle-marx

Copacabana, Rio de Janeiro, Brasilien, 1970- 1971 Foto: Haruyoshi Ono, 1970-1971 Acervo Instituto Burle Marx

Bild: Copacabana, Rio de Janeiro, Brasilien, 1970-1971 – Foto: Haruyoshi Ono, 1970-1971, Acervo Instituto Burle Marx

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  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 14. Oktober 2026
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Freizeit und Sport, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Museum, Ausstellung, Galerie, Politik und Gesellschaft, Umwelt / Mitwelt

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