ZUM TOD DES PORTUGIESISCHEN SCHRIFTSTELLERS ANTÓNIO LOBO ANTUNES
Der am 1. September 1942 in Benfica geborene portugiesische Psychiater und Schriftsteller António Lobo Antunes (Bild) ist am 5. März 2026 in Lissabon gestorben. Nach dem Medizinstudium wurde er 1970 zum Militär eingezogen und war von 1971-1973 während des Kolonialkrieges Militärarzt in Angola. Danach arbeitete er bis 1985 als Chefarzt und Psychiater in einer Nervenklinik in Lissabon. Unter der Salazar-Diktatur wurde Antunes Mitglied der Kommunistischen Partei und war deswegen auch im Gefängnis. Seit 1985 widmete er sich fast ausschliesslich dem Schreiben. Antunes gilt als einer der bedeutendsten portugiesischen Schriftsteller der Gegenwart. Er veröffentlichte mehr als drei Dutzend Bücher, überwiegend Romane. Seine Werke erschienen in rund 60 Sprachen. Er wurde über Jahre hinweg als Anwärter auf den Literaturnobelpreis angesehen. Seine Sujets waren Portugals Geschichte und Gegenwart, immer verbunden mit Angst, Gewalt, Tod, Krankheit, Trennungen, wobei sein Hauptaugenmerk auf dem Schicksal «normaler» Menschen und kleiner Randexistenzen lag. Atmosphärisch und psychologisch dicht und sprachlich unkonventionell kritisierte er die moderne Gesellschaft. Seine Erfahrungen im Kolonialkrieg verarbeitete er im Roman «Der Judaskuss» (Os Cus de Judas, 1979), mit dem er in Portugal den Durchbruch als Schriftsteller erreichte. 2007 wurde Antunes mit dem Prémio Camões ausgezeichnet, dem bedeutendsten Literaturpreis in der portugiesischsprachigen Welt. (*)