15. April 2026
«LANDSCHAFT DES JAHRES 2026»: LORZENEBENE IM KANTON ZUG – VIELSEITIGER FREIRAUM IN DER SIEDLUNGSLANDSCHAFT
Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) zeichnet die Lorzenebene im Kanton Zug als «Landschaft des Jahres 2026» aus. Preisträgerinnen sind die Korporation Zug (stellvertretend für Landeigentümer:innen), der Kanton Zug, die Stadt Zug sowie die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen. Damit würdigt die SL-FP die «vorausschauende Raum- und Landschaftsplanung, dank der die Lorzenebene nicht überbaut, sondern mitten in der boomenden Stadtlandschaft als grüne Lunge erhalten wurde». «Durch kluges Verhandeln von Flächen, Interessen und Nutzung wurde der Wert der Lorzenebene vervielfacht. Heute ist mehr Raum für alle da – für Landwirtschaft, Bevölkerung und Natur», schreibt die Stiftung.

Bild: Am Seeufer bei der Chollermuelli-Landschaft der Lorzenebene, zwischen der Stadt Zug und Cham, mit der Rigi im Hintergrund, fotografiert am Dienstag, 24. März 2026 in Zug – Fotonachweis: © KEYSTONE-SDA / Gaëtan Bally
Begründung für die Landschaft des Jahres 2026 Lorzenebene:
- Die Lorzenebene als grüne Lunge in der boomenden Stadtlandschaft Zug weist hohe räumliche und landschaftliche Qualitäten auf, sie lässt vielfältige Nutzungen zu und ist für die Zuger:innen identitätsstiftend.
- Die Planungspartner:innen haben den grosszügigen Freiraum dem Siedlungsdruck vorausschauend entzogen und ihn vor der Bebauung bewahrt.
- Die beteiligten Gruppen haben ihre divergierenden Interessen verhandelt und ein Zielbild entwickelt, das die Koexistenz von Erholung, Biodiversität und Landwirtschaft ermöglicht.
- Wichtige Entscheide wurden umsichtig politisch verankert.
- Kanton, Gemeinden und Landeigentümer:innen haben zusammengewirkt und ihr Leitbild kooperativ umgesetzt.
- Die mitbedachte Erschliessung gewährt eine gute Zugänglichkeit und eröffnet damit vielen Menschen das Erleben der Landschaft.
- In der Umsetzung kommen partizipative und qualitätssichernde Verfahren zum Zug, etwa im Gebiet Brüggli.
- Die Lorzenebene ist ein Modell dafür, wie Agrarlandschaften im Siedlungsgebiet – auch in Regionen mit wachsender Bevölkerung – gesichert und qualitätsvoll weiterentwickelt werden können.
Der Kanton Zug steht unter hohem Siedlungsdruck. Seit 2000 ist die Bevölkerung um 34 Prozent gewachsen, speziell im Gebiet zwischen Zug, Baar und Steinhausen. Mit Weitblick schob der Kanton Zug der Siedlungsentwicklung auf der Lorzenebene einen Riegel, indem er bereits 2004 im kantonalen Richtplan eine Siedlungsbegrenzungslinie verankerte.
Heute ist die Lorzenebene die «grüne Lunge» in der Stadtlandschaft Zug. Hier treffen viele Ansprüche aufeinander: Menschen spazieren, reiten, fahren Velo, lassen ihre Hunde laufen und baden in der Lorze und im Zugersee. Gleichzeitig liegen hier sehr gute Böden, auf denen die Landwirtschaft Ackerbau und Viehwirtschaft betreibt. In den Naturschutzgebieten wiederum leben wertvolle Pflanzen und Tiere. Um diese vielfältigen Interessen zu verhandeln, entwickelte eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe unter der Leitung des Amts für Raum und Verkehr ein Leitbild, das 2012 verabschiedet wurde. Es enthält Grundsätze und Vorschläge für die Entwicklung der Lorzenebene.

Bild: Das Seeufer des Zugersees bei der Chollermuelli-Landschaft der Lorzenebene, zwischen der Stadt Zug und Cham, fotografiert am Montag, 6. April 2026 in Zug – Fotonachweis: © KEYSTONE-SDA / Gaëtan Bally
Wichtige Leitsätze, zusammengefasst aus dem Leitbild Lorzenebene:
- Die Koexistenz von Landwirtschaft, Erholung und Natur prägen die Lorzenebene auch in 30 Jahren.
- Landwirtschaft und Naherholung entwickeln gegenseitiges Verständnis für ihre Anliegen. Eine gezielte Besucher:innenlenkung verhindert Nutzungskonflikte.
- Die Natur benötigt Raum. Die Lorzenebene ermöglicht Naturerlebnisse.
- Die Lorzenebene ist kein Bauerwartungsland und bleibt vor Überbauung frei.
- Keine neuen Verkehrsinfrastrukturen zerschneiden die Lorzenebene. Die Lorzenebene ist ein Raum für den Fuss- und Veloverkehr und für den landwirtschaftlichen Verkehr.
Wichtige Inhalte aus dem Leitbild nahm der Kantonsrat im kantonalen Richtplan auf und schuf damit einen politischen Konsens, zentral dabei: die politische Verbindlichkeit. Die Lorzenebene erhielt im Richtplan eine eigene Signatur und ein Massnahmenblatt, in dem die politischen Aufträge konkret beschrieben sind.
Gut 10 Jahre nach der Verabschiedung des Leitbilds sind wichtige Massnahmen umgesetzt: Der Campingplatz mit rund 100 Parkplätzen am Seeufer beim Brüggli wurde aufgehoben und macht einem grosszügigen, vielfältig nutzbaren und naturnahen Gelände für alle Zugerinnen und Zuger Platz. Hochspannungsleitungen sind verkabelt und die alte Lorze abschnittsweise renaturiert. Das Areal Schiessstand Choller ist neu gestaltet und besser zugänglich für Fussgänger und Velofahrerinnen, daneben entstand die Hundefreilaufwiese.
Für den neuen Fussweg entlang der alten Lorze erhielt der Kanton 2018 den Prix Rando. Und künftig wird bei Überbauungen am Rand der Lorzenebene auf einen durchlässigen und sorgfältig gestalteten Übergang zur freien Landschaft geachtet.

Bild: Menschen fahren Velo entlang der Lorze auf der Lorzenebene, zwischen Cham und der Stadt Zug, fotografiert am Montag, 6. April 2026 in Zug – Fotonachweis: © KEYSTONE -SDA / Gaëtan Bally
Während des ganzen Prozesses zogen die Korporation Zug als eine von vielen Landeigentümerinnen, der Kanton Zug sowie die Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen und die Stadt Zug am gleichen Strick. Sie holten sich den Rückhalt der Politik, um auch kontroverse Veränderungen wie die Schliessung des Campingplatzes inkl. der Parkplätze zu vollziehen. Die öffentlich-rechtlichen Körperschaften gingen vorausblickend und aktiv vor und sorgten dafür, dass ihr Leitbild nicht in der Schublade verstaubte, sondern dessen Ziele und die Inhalte des Richtplans zügig Wirklichkeit wurden.
Mit der inneren Verdichtung der Dörfer und Städte gewinnen die siedlungsnahen Freiräume an Bedeutung. Die Lorzenebene ist ein modellhaftes Beispiel, wie diese Landschaften – auch in Regionen mit wachsender Bevölkerung – gesichert und qualitätsvoll weiterentwickelt werden können.
Für dieses Engagement zugunsten einer Landschaft für alle würdigt die SL-FP die beteiligten Akteur:innen mit dem Preis «Landschaft des Jahres».

Bild: Kühe und Rinder weiden auf der Lorzenebene, zwischen Cham und der Stadt Zug, fotografiert am Montag, 6. April 2026 in Zug – Fotonachweis: KEYSTONE-SDA / Gaëtan Bally
Mehr:
Leitbild Lorzenebene
Landschaft des Jahres 2026: Lorzenebene – Landschaft für alle
Vielseitiger Freiraum in der Siedlungslandschaft Zug
Preisträgerinnen: Korporation Zug (stellvertretend für Landeigentümer:innen), Kanton Zug, Stadt Zug sowie Gemeinden Baar, Cham und Steinhausen
Dokumentation «Lorzenebene – Landschaft des Jahres 2026», 15. April 2026 | PDF 1.53 MB
Preisverleihung Landschaft des Jahres 2026
Samstag 13. Juni 2026
10-12 Uhr: drei thematische Touren führen ins Brüggli
12-14 Uhr: Fest im Brüggli, u.a. mit Regierungsrat Florian Weber
Kontakt:

Bild: Kühe und Rinder weiden auf der Lorzenebene, zwischen Cham und der Stadt Zug, fotografiert am Montag, 6. April 2026 in Zug – Fotonachweis: © KEYSTONE-SDA / Gaëtan Bally
Radio-Tipp:

Bild: Franziska Grossenbacher, Co-Geschäftsleiterin Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL-FP) – Foto: © SL-FP
Radio SRF 1, «Tagesgespräch» vom heutigen Mittwoch, 13 Uhr
Moderation: Karoline Arn
https://www.srf.ch/audio/tagesgespraech
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Kommentare von Daniel Leutenegger