Der Schweizer Pavillon präsentiert im Rahmen der Gwangju Biennale 2026 in Südkorea «STATE FICTIONS. Beyond Blossoms and Borders» von Denise Bertschi.

Bild: Denise Bertschi – Foto: © Gina Folly
Denise Bertschi präsentiert «STATE FICTIONS. Beyond Blossoms and Borders» vom 5. September bis am 15. November 2026 an der 16. Gwangju Biennale 2026 in Südkorea. Eröffnung ist am 4. September im Eunam Museum of Art, Gwangju. Diese Ausstellung für den Schweizer Pavillon im Auftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia wird vom Centre culturel suisse in Paris kuratiert.
Die Künstlerin und Wissenschaftlerin Denise Bertschi arbeitet bereits seit 2013 an ihrem Langzeitforschungsprojekt «STATE FICTION». Es befasst sich mit der Präsenz der Schweiz in der Demilitarisierten Zone (DMZ) auf der koreanischen Halbinsel, die diese in Nord- und Südkorea teilt. Der Ort ist ein Sinnbild für die internationalen Interessen des Kalten Krieges und eine Quelle unerwarteter Bilder. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands durch die militärischen Befehlshaber im Jahr 1953 wurde die Neutrale Überwachungskommission für den Waffenstillstand in Korea (NNSC), bestehend aus der Tschechoslowakei, Polen, Schweden und der Schweiz, eingesetzt. Seitdem ist die Schweiz in der DMZ militärisch präsent.
Im «Swiss Camp» dokumentierten Schweizer Soldaten mit tragbaren Kameras ihren Alltag und ihre Freizeitaktivitäten, ihre Begegnungen mit Menschen aus Nord- und Südkorea sowie ihre Faszination für die lokale Flora und Fauna. Anhand dieser umfangreichen Aufnahmen und Archivmaterial aus den 1950er- bis 1970er-Jahren wirft Denise Bertschi einen kritischen Blick auf die vermeintlich «neutralen» Soldaten, die dieses hochpolitische Gebiet durch die Kameralinse betrachten. Das Projekt veranschaulicht zudem, wie das internationale Engagement der Schweiz und ihre Bemühungen, die eigene Rolle in der Nachkriegs-Weltordnung zu definieren, zur Entwicklung eines Narrativs beitrugen, bei dem der nationale Mythos der Neutralität mit dem Streben nach geopolitischer Relevanz verknüpft wird.
Ein lebendiges Archiv
Für den Schweizer Pavillon präsentiert Denise Bertschi eine Auswahl aus ihrem umfangreichen Forschungsprojekt mit Archivmaterial aus der Bibliothek am Guisanplatz, der Leitbibliothek der Bundesverwaltung und der Armee. Die vielschichtige Ausstellung befasst sich mit dem Thema des fotografischen Blicks: Wer hält die Kamera, und was bleibt in den Bildern (un)sichtbar? Die Ausstellung hinterfragt globale Machtdynamiken und deren Auswirkungen auf die Nachkriegszeit, postkoloniale Landschaften und Gemeinschaften und befasst sich eingehend mit dem visuellen Archiv als umstrittener Ort der Erinnerung.
«Mit diesem visuellen Archiv von Schweizer Militärangehörigen, das nicht nur im Süden, sondern auch im Norden Koreas entstanden ist, war es stets das Ziel meines Langzeitprojekts, diese Begriffe der Neutralität und ihre Bedeutung nicht nur für die Schweiz, sondern auch für den koreanischen Kontext offenzulegen und kritisch zu hinterfragen», erklärt die Künstlerin Denise Bertschi.
Die Ausstellung lädt die Besuchenden ein, in die räumliche und zeitliche Dimension eines lebendigen Archivs einzutauchen, das zu einem Ort des Austauschs und einem Sammelbecken für Zeugnisse von Koreanerinnen und Koreanern wird. Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert und erforscht das Archivmaterial anhand von Filmen, Fotografien, Textilarbeiten, Texten und historischen Dokumenten.
Die Kunstwerke präsentieren das Montageverfahren als politisches Statement, betonen die Machtstrukturen, die den Fotografien der Schweizer Soldaten inhärent sind, und hinterfragen die Instrumentalisierung der Neutralität.

Bild: Denise Bertschi, STATE FICTION. Fluid Montage, 2026, digital prints and wallpaper (detail) © Denise Bertschi
Der zweite Bereich ist als Diskussionsraum für einen vielstimmigen Dialog über die heutige Bedeutung des Archivs konzipiert. Er besteht aus einer Installation mit historischen Bildern, modularen Möbeln, die vom diplomatischen Verhandlungstisch des NNSC inspiriert wurden, sowie einer neuen, von der Künstlerin herausgegebenen Publikation mit Beiträgen von koreanischen und internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit dem Archiv auseinandersetzen.
Die Besuchenden werden aufgefordert, dieses Material zu erkunden und sich damit auseinanderzusetzen, indem sie ihre eigenen Reaktionen, Erinnerungen und Emotionen niederschreiben und so die ständig wachsende Installation ergänzen. Als eine Art Rückführung des Archivs an seinen Ursprungsort wird der Raum nach und nach zu einem neuen Kapitel des lebendigen Archivs, das die Stimmen der betroffenen Gemeinschaften einbezieht.
Neue Chancen für den kulturellen Austausch
Der Schweizer Pavillon an der 16. Gwangju Biennale 2026 wird erstmals von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia in Auftrag gegeben. Für diese Pilotinitiative hat Pro Helvetia das Centre culturel suisse in Paris eingeladen, die Ausstellung zu kuratieren. Katharina Brandl, Abteilungsleiterin Visuelle Künste bei Pro Helvetia, hält fest:
«Dank der ausgezeichneten Arbeit und dem Networking der Schweizer Botschaft in der Republik Korea hat die Schweiz bereits in vergangenen Jahren an der Gwangju Biennale teilgenommen. Mit dem Schweizer Pavillon verstärken wir unsere Präsenz auf dieser wichtigen internationalen Plattform, mit dem klaren Ziel, die Verbindungen zwischen der koreanischen und der Schweizer Kunstszene zu stärken.»
Projektteam:
Denise Bertschi, Künstlerin
Claire Hoffmann, Tadeo Kohan (Centre culturel suisse. Paris)
Quelle / Kontakt:
https://prohelvetia.ch/de/whats-on/schweizer-pavillon-denise-bertschi-gwangju-biennale-2026/

Bild: Denise Bertschi (vorne), Claire Hoffmann, Tadeo Kohan – Foto: © Savoy Tristan, courtesy Pro Helvetia
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Kommentare von Daniel Leutenegger