1. April 2026
ZUM TOD DES US-AMERIKANISCHEN BILDHAUERS, GRAFIKERS UND KUNSTPÄDAGOGEN MELVIN EUGENE EDWARDS JR.
Der am 4. Mai 1937 in Houston (Texas) geborene US-amerikanische Bildhauer, Grafiker und Kunstpädagoge Melvin Eugene Edwards Jr. ist am 30. März 2026 in Baltimore (Maryland) gestorben. Der afroamerikanische Künstler wuchs in segregierten Gemeinden in Texas und in einer integrierten Gemeinde in Ohio auf. 1955 zog er nach Kalifornien und begann dort während seines Studiums seine professionelle künstlerische Laufbahn. Ursprünglich als Maler ausgebildet, begann Edwards Anfang der 1960er-Jahre in Los Angeles, sich mit Bildhauerei und Schweisstechniken auseinanderzusetzen, bevor er 1967 nach New York zog. Im letzten Jahr zeigte der international tätige Künstler in der Kunsthalle Bern eine vielbeachtete Ausstellung.

Bilder: Melvin Edwards, Ausstellungsansichten, Kunsthalle Bern, 2025 – Fotos: © Cedric Mussano
In Gedenken an / In Memory of:
Melvin Edwards, 1937–2026
Die Kunsthalle Bern trauert um den bedeutenden amerikanischen Künstler Melvin Edwards, dessen tiefgründiges und kompromissloses Werk über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg die Sprache der Skulptur neu geprägt hat. Es war uns eine grosse Ehre, die Kunsthalle Bern im Juni 2025 mit einer Retrospektive seines Schaffens wiederzueröffnen – der ersten überhaupt in der Schweiz.
Geboren 1937 in Houston, Texas und aufgewachsen in Los Angeles, entwickelte sich Edwards zu einer zentralen Stimme der Nachkriegskunst. In seiner Praxis setzte er sich mit den Geschichten von Arbeit, Rassismus, Gewalt und Widerstand auseinander. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Serie Lynch Fragments – intime, aus Stahl geschweisste Skulpturen, die enorme emotionale und historische Bedeutung in kompakte Formen verdichten. Mit diesen und weiteren Arbeiten schuf Edwards eine Bildsprache, die zugleich materiell präzise und zutiefst poetisch ist.

Bilder: Melvin Edwards, Ausstellungsansichten, Kunsthalle Bern, 2025 – Fotos: © Cedric Mussano
Zeit seines Lebens bewahrte Edwards eine globale Perspektive. Er suchte bewusst Erfahrungen ausserhalb der USA und lebte und arbeitete auch in Europa sowie in Zentral- und Westafrika. Besonders seine Zeit im Senegal prägte seine künstlerische Praxis, die stets in persönlichen wie kollektiven Geschichten verwurzelt blieb.
Die Kunsthalle Bern und die Direktorin iLiana Fokianaki hatten das Privileg, sich im Rahmen einer Ausstellung und eines fortlaufenden Dialogs intensiv mit Edwards’ Werk und Vermächtnis auseinanderzusetzen und dabei seine ungebrochene Aktualität hervorzuheben.
Sein Einfluss reicht weit über die von ihm geschaffenen Werke hinaus. Edwards war Mentor, Lehrer und ein unbeirrbarer Verfechter künstlerischer Integrität. Generationen von Künstler:innen wurden von seinem Engagement für formale Innovation und gesellschaftliches Bewusstsein inspiriert.
Er hinterlässt ein Œuvre, das eindrucksvoll zeigt, wie Kunst Zeugnis ablegen, bestehen und über Zeiten hinweg sprechen kann.
Die Kunsthalle Bern ehrt sein Andenken in Dankbarkeit und Respekt.
https://kunsthallebern.ch/de/Institution#team-und-vorstand

Bilder: Melvin Edwards, Ausstellungsansichten, Kunsthalle Bern, 2025 – Fotos: © Cedric Mussano
Melvin Edwards, Sculptor Who Wove Black History Into Art, Dies at 88
Melvin Edwards, a celebrated sculptor who was known for an explosive group of improvisational, wall-mounted steel pieces called Lynch Fragments that welded pure abstraction to the realest of real-world references, died on Monday at his home in Baltimore. He was 88.
His death was confirmed by Alejandro Jassan, a spokesman for Alexander Gray Associates, the gallery that represents him.
Mr. Edwards made the very first of his breakthrough series of artworks in 1963. In it, an asymmetrical group of forms, both recognizable and abstract, emerges from a pipe-like opening: blobs of flux, bars that resemble tools, blade-like triangles. On the left, in front of the longest, most menacing triangle, hangs a battered length of chain trailing a misshapen lump of steel.
The piece is striking in the feeling of power and energy it evokes simply by holding together so many disparate shapes, depths, directions and associations.
Will Heinrich
https://www.nytimes.com/2026/03/31/arts/melvin-edwards-dead.html
Folter, Tod und Kunst
Der Bildhauer Melvin Edwards, der das Leiden amerikanischer Schwarzer effektiv in sehr weiße Galerieräume brachte, ist gestorben. Man konnte den Namen gelegentlich auch an deutschen Galerie- und Ausstellungswänden lesen, etwa im Winter vor einem Jahr in Kassel, wo sie Edwards breites Werk einmal in einer Einzelausstellung zeigten. Ihr Titel „One Bright Morning“ klang idyllisch – und stammte aus einer Todesdrohung an eine schwarze Südstaaten-Familie. Diese große, späte Retrospektive wanderte dann durch Europa, wo man dem 1937 in Texas geborenen Bildhauer zuvor bestenfalls in Gruppenausstellungen begegnen konnte. Zuletzt zeigte dann im Herbst das Palais de Tokyo in Paris die große Schau voller großer Konstruktionen, die an landwirtschaftliche Geräte denken ließen – und an Vorrichtungen, Menschen an der Flucht zu hindern.
Peter Richter
https://www.sueddeutsche.de/kultur/melvin-edwards-nachruf-us-bildhauer-li.3462038
Videos:
Melvin Edwards, Sculptor
A Conversation with Melvin Edwards and Michael Brenson
Mehr:
https://kunsthallebern.ch/de/Exhibitions/2025-Melvin-Edwards
https://en.wikipedia.org/wiki/Melvin_Edwards
Auf ch-cultura.ch erschienen:
#MelvinEdwards #MelvinEugeneEdwardsJr #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Kommentare von Daniel Leutenegger