7. Dezember 2025
«DAS KANN NUR PERSCHEID. DAS BESTE AUS PERSCHEIDS ABGRÜNDEN»
Bis zum 7. Juni 2026 ehrt das Caricatura Museum Frankfurt mit der Ausstellung «Das kann nur Perscheid. Das Beste aus Perscheids Abgründen» den legendären Cartoonisten Martin Perscheid anlässlich des 60. Geburtstags, den dieser am 16. Februar 2026 hätte feiern können. Der 2021 gestorbene Zeichner gilt als eines der prägenden Vorbilder und als Wegbereiter der Komischen Kunst weit über Deutschland hinaus. Die Schau in der Caricatura gewährt tiefe Einblicke in sein umfangreiches Werk und verdeutlicht, warum Perscheid bis heute international Kultstatus geniesst. Martin Perscheid hat auch die Cartoon-Vermittlungsarbeit von «ch-cultura.ch» ganz liebenswürdig unterstützt. Die Ausstellung im ohnehin besuchenswerten Caricatura-Museum ist wie ein grosses Geschenk auch für die vielen Perscheid-Fans hierzulande.

Bild: Ich seh‘ nix! © Martin Perscheid – «ICH WÜRDE SIE JA ANZEIGEN, ABER ICH SEH‘ NIX!»

Bild: Fischstäbchen braten © Martin Perscheid – «DIE FISCHSTÄBCHEN UNAUFGETAUT DER PACKUNG ENTNEHMEN UND 5-7 MIN. VON ALLEN SEITEN BRATEN.»
Martin Perscheid wurde am 16. Februar 1966 in Wesseling bei Köln geboren. Bereits als Fünfjähriger äusserte er den Wunsch, mit eigenen Bildern Geld zu verdienen, und als Schüler karikierte er Lehrende sowie Mitschüler und Mitschülerinnen. Er absolvierte das Fachabitur und anschliessend eine Lehre als Druckvorlagenhersteller. Nach seinem Zivildienst und seiner ersten Anstellung in einer Kölner Werbeagentur arbeitete Perscheid als Werbegrafiker für Mode in Düsseldorf. In diese Zeit fiel auch seine erste Cartoon-Veröffentlichung «Trendman».
1993 entschied sich Martin Perscheid endgültig für die Laufbahn des freischaffenden Cartoonisten. 1994 nahm ihn der Content-Anbieter «Bulls Press» unter Vertrag und sorgte für die Verbreitung seiner Zeichnungen in weit über 100 Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem auch in Medien wie «Mallorca Zeitung» und «Grenz Echo» (Belgien).

Bild: © Martin Perscheid, SCHWACHKOPF – «ALSO MIR PERSÖNLICH SAGT DAS WAS!»

Bild: Pro Nase © Martin Perscheid – «DAS MACHT DANN ZWÖLF MARK PRO NASE.» – «SCHEISSE.»
Unter seiner populären Reihe «Perscheids Abgründe» erschienen mehr als 4’300 Cartoons, gezeichnet in zweiwöchentlichen Zyklen. Auch in Schulbüchern, im «Motorrad Magazin», in Publikationen der «Schweizerischen Kriminalprävention» oder auf «1&1/web.de» wurden seine Cartoons veröffentlicht. Eine Auswahl mit Perscheids Witzen zum Thema «doofer Chef» druckte die «Bild».
Aktuell wird «Perscheids Abgründe» noch in «Westfalenpost», «Offenbach Post», «Hessische/Niedersächsische Allgemeine» (HNA) und «Die Rheinpfalz» publiziert.
Bereits 1995 erschien Perscheids erstes Buch im Lappan Verlag, 26 weitere
sollten dort bis zu seinem Tod noch folgen. Ebenso zählen zahlreiche Postkarten und Abreisskalender zu den Verkaufsschlagern.
Perscheid wurde mehrfach ausgezeichnet: Im Jahr 2002 erhielt er den Max & Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic-Strip. 2004 belegte er den dritten Platz beim Deutschen Karikaturenpreis, 2018 ebenfalls den dritten Platz beim Deutschen Cartoonpreis.
Die Caricatura – Galerie für Komische Kunst ehrte ihn 2016 mit dem «Denkmal des unbekannten Idioten», das seitdem auf dem Vordach de Kasseler KulturBahnhofs steht. Dieser Idiot ist ein regelmässiger Protagonist – das glatzköpfige Männchen mit Brille und Knollennase, welches die kleinen und grossen Dummheiten des Alltags meistern muss.

Bild: Martin Perscheid – Foto: © Sabrina Didschuneit
Schon früh entschied sich Martin Perscheid für die Veröffentlichung seiner Werke auf einer eigens eingerichteten Facebook-Seite. Heute sind über 242’000 Personen Mitglied in der Facebook-Gruppe «Perscheid Cartoons 3.0», die sich auch für die Fortführung der Datenbank (idioten-die-im-wege-stehen.de) mit textbasierter Suche verantwortlich zeigen.
Auch auf seiner nach wie vor existierenden Website martin-perscheid.de sind seine Cartoons bis zur Nummer A 4252 in einer eigenen Systematik sortiert.
Stilistisch blieb Perscheid seinem Cartoon-Format immer treu, auch wenn er das Werkzeug wechselte: Seine ersten Cartoons malte er klassisch mit dem Pinsel in Aquarell. Später wechselte er zum Tuschefüller und kolorierte die Konturen zuletzt auch digital am Computer.
Seine Cartoons bestechen durch minimalistische Ästhetik, die sich auf das Wesentliche zur Gestaltung des Witzes konzentrieren. Männer sind meist glatzköpfig, Augen verschwinden hinter Brillen, und einen Mund hat nur das sprechende Figurenpersonal. Zudem verstärkt die sprachliche Präzision die Wirkung seiner Cartoons und verleiht jeder Pointe ihre kompromisslos bissige Schärfe, selbst bei kompliziertesten Themen.
Mit Perscheids Cartoons schaut man lachend in unermessliche und gefährliche Tiefen, bevor man merkt, worüber man da eigentlich lacht. Denn ganz weit unten lauert das Unfassbare, das scheinbar Unsag- und Undenkbare. Und doch: Bei aller Boshaftigkeit und allem Zynismus halten seine Cartoons das nötige Gleichgewicht zwischen Tabu und Witz, Spott und Leichtigkeit. Dieser akrobatische Balanceakt ist die grosse Kunst des schwarzen Humors, die Perscheid meisterhaft beherrschte.
Nichts und niemand bleibt verschont: Tiere, Eltern, Autofahrer und -fahrerinnen, Beziehungen, Frauen und auch Perscheids eigenes Alter Ego bewegen sich gefährlich nah am Rand des Abgrunds. Und so vielfältig sein Figurenpersonal, so breit war auch sein Themenspektrum – stets geprägt vom provokant tabulosen Spiel mit geschlechtsspezifischen Stereotypen, menschlichen Schwächen und gängigen Klischees.
Bereits zu Lebzeiten galt Martin Perscheid als wichtiges Vorbild seiner Zunft: Seine Werke gehören längst zum Kanon der Komischen Kunst.
Perscheid starb 2021 im Alter von 55 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Bild: Spürst du die Natur, Susanne? © Martin Perscheid – «SPÜRST DU DIE NATUR, SUSANNE?»
Die Ausstellung im Caricatura Museum Frankfurt zeigt Perscheids prägnanteste Werke, die den Ausstellungstitel «Das kann nur Perscheid» unterstreichen und unter Beweis stellen. Die Schau zeigt auch eine andere Facette des Cartoonisten und präsentiert Modelle und technische Erfindungen Perscheids. Dass der Künstler ein leidenschaftlicher Motorradfahrer und -schrauber war, ist kein Geheimnis und zeigt sich in vielen seiner – auch in der Ausstellung gezeigten – Cartoons. So nimmt Perscheids geliebte und selbstrestaurierte Honda CB 450 (Jahrgang 1966) einen Ehrenplatz in der Ausstellung ein.
Eine thematisch an den Bereichen Archäologie, Geschichte und Evolution ausgerichtete Präsentation von Perscheid-Cartoons ist ausstellungsbegleitend als Kooperationsprojekt im Archäologischen Museum Frankfurt am Main zu sehen.
cmf
Kontakt:
https://caricatura-museum.de/ausstellungen/sonderausstellung/

Buch zur Ausstellung
DAS KANN NUR PERSCHEID. Das Beste aus Perscheids Abgründen
Perscheids treue Fan-Gemeinde kann aufatmen: endlich gibt es etwas Neues vom Kult-Cartoonisten Martin Perscheid. Dieser opulente Cartoonband versammelt die besten Werke von Perscheid und gibt zugleich ganz neue Einblicke in sein künstlerisches Schaffen. Denn neben Perscheids legendären Cartoons – von den Anfängen bis zu seinen letzten Arbeiten – zeigt das Buch auch Perscheids Installationskunst, die er gemeinsam mit seinem Freund und Künstler-Kollegen Dirk Schmitt geschaffen hat. Die im Buch enthaltenen Textbeiträge geben einen interessanten Einblick in das künstlerische Schaffen von Martin Perscheid.
Mit einem Vorwort von Martin Sonntag
Lappan Verlag, 2025, 240 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-8303-3715-7
22,00 Euro
https://www.carlsen.de/humor-und-geschenkbuch/martin-perscheid?srsltid=AfmBOopQuLiPiIT6XSgRPyYzrxluwMAd4-ChlF3v24zgQNNlrQrMLy3G
Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:

Bild: Er lehnt die Evolution ab © Martin Perscheid – «ER LEHNT DIE EVOLUTION AB, WEIL ER EINE VERWANDTSCHAFT MIT UNS ALS BELEIDIGUNG EMPFINDET!»

Bild: Ihr seid alle Idioten! © Martin Perscheid – «IHR SEID ALLE IDIOTEN!» – «ENDLICH MAL EINER, DER SICH TRAUT, DIE WAHRHEIT ZU SAGEN!»
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Kommentare von Daniel Leutenegger