Ende Mai 2025 lancierte das Schweizer Telekommunikations-Unternehmen Swisscom eine neue PR-Kampagne mit einem Kinderbuch, das von KI generiert wurde und das die Swisscom real in einer gedruckten Auflage von fast 7’000 Stück herausgab. Das Buch fordert Kinder und Eltern dazu auf, selbst mit KI «kreativ» zu werden, und enthält sogar eine Anleitung, mit der Kinder «nur mit ein paar Klicks» ihre eigene Geschichte schreiben und illustrieren können. Das rief verschiedene Verbände, Autor:innen und Akteur:innen aus den Branchen Literatur, Buch, Verlag, Illustration, Comic, Leseanimation u.a. auf den Plan, die gemeinsam einen Offenen Brief an den Swisscom-CEO geschrieben haben.

Bild: © Swisscom / KI
«Ein Unternehmen, welches wie die Swisscom zu 51% der Schweizerischen Eidgenossenschaft und damit zum Service Public gehört, sollte seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und seine Ressourcen dazu verwenden, den Schweizer Wirtschaftsstandort, Schweizer Kulturschaffende und die gesunde Entwicklung von Kindern zu fördern.
Im Gegensatz dazu dringt die Swisscom mit ihrer KI-Publikation, die in einer hohen Auflage von 6’950 Exemplaren im Eigenverlag erschienen ist, in einen sensiblen Markt ein, in dem Kreativschaffende und ganze Branchen –namentlich Autor:innen, Illustrator:innen, Übersetzer:innen, Gestalter:innen, Leseanimator:innen, das Verlagswesen sowie der Buchhandel – um ihre Existenz kämpfen: In der Schweiz erreichen nur sehr wenige Kinderbücher eine derart hohe Auflage.», heisst es im Offenen Brief.
«Dass es sich dabei um einen Werbegag handelt, ist besonders irritierend. Firmen sowie Privatpersonen dazu zu animieren, professionelle Arbeit zu automatisieren und ins Ausland auszulagern, erachten wir als fahrlässig. Das ist keine Förderung von Kultur und Wirtschaft, wie Swisscom sie als Eigenleistung für sich beansprucht, sondern genau das Gegenteil.», schreiben die Unterzeichnenden.
Der Aussage im Vorwort des Buches, die Publikation sei «etwas ganz Besonderes», da es «mit KI geschrieben und gemalt» worden sei, müssten sie zudem dezidiert widersprechen: «KI selbst schreibt oder malt mitnichten und ist auch darüber hinaus nicht zu Kreativität fähig. Vielmehr bedient sie sich, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, an von Menschen geschaffenen und urheberrechtlich geschützten Werken, um Inhalte zu erzeugen. Professionelle Buchschaffende erarbeiten sich in einer hochspezialisierten Ausbildung und in jahrelanger Erfahrung vielerlei Kompetenzen, darunter Empathie und Kreativität, um sich in einem hart umkämpften Markt zu etablieren.»
Kreatives Schaffen mit KI ersetzen zu wollen, werte nicht nur die Arbeit von Kulturschaffenden ab, sondern sei auch aus pädagogischer Sicht problematisch. Lesen und kreatives Denken seien Schlüsselkompetenzen der Gesellschaft. «Kinderbücher tragen dazu bei, diese Fähigkeiten aufzubauen und verlangen daher nach einem hohen Mass an Fachwissen und Verantwortungsbewusstsein. In einem Kinderbuch Kinder aufzufordern, selbst mit KI Geschichten zu verfassen, ihre Fantasie also faktisch einer Maschine abzutreten, ist gefährlich für die Entwicklung der Kinder und höchst fahrlässig.», steht im Offenen Brief zu lesen.
«Digitale Medien und Künstliche Intelligenz im Rahmen einer Gutenachtgeschichte zu propagieren, widerspricht den eigenen Leitlinien der Swisscom für Eltern zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien in eklatanter Weise.», schreiben die Verfasser:innen.
Abschliessend heisst es im Offenen Brief an den Swisscom-CEO: «Der Werbespot und das KI-Bilderbuch Ihrer Kampagne greifen zwei besonders vulnerable gesellschaftliche Gruppen direkt an: Kinder werden manipuliert, und die ohnehin prekären Arbeitsbedingungen einer ganzen Branche, die bereits stark unter Druck steht, werden ignoriert und weiter verschlechtert. Schweizer Kreative fordern verbandsübergreifend einen verantwortungsvollen, transparenten und regulierten Umgang mit KI.»
Unterzeichnet ist der Offene Brief von:
A*dS Autorinnen und Autoren Schweiz, AUTILLUS Kinder- und Jugendbuchschaffende Schweiz, Illustrator:innen Schweiz, swips Swiss Independent Publishers, SBVV Schweizer Buchhandels- und Verlags Verband, syndicom Gewerkschaft Medien und Kommunikation, SCAA Swiss Comics Artists Association, Réseau BD Suisse, Bolo Klub und Leseanimator:innen SIKJM
cp
Zum offenen Brief an CEO Christoph Aeschlimann, Swisscom AG:
https://www.a-d-s.ch/uploads/media/default/576/Brief_Swisscom-DE.pdf
FR:
https://autillus.ch/wp-content/uploads/2025/06/Brief_Swisscom-FR.pdf
IT:
https://autillus.ch/wp-content/uploads/2025/06/Brief_Swisscom-IT.pdf
Die beanstandete Kampagne:
https://www.swisscom.ch/content/dam/assets/about/entdecke/content/documents/monsterprinzessin-de.pdf
Video:
Ein KI Märchen wird zum Buch
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Kommentare von Daniel Leutenegger