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6. Januar 2026

«MEDIENNUTZUNG 2035»: STUDIE ZUR ZUKUNFT DES JOURNALISMUS

«Sinkende Nachfrage, neue Technologien und veränderte Nutzungsgewohnheiten stellen den Journalismus vor grosse Herausforderungen»: Eine Studie des fög (Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich), gefördert vom Verlegerverband Schweizer Medien (VSM), zeigt, welche Trends die Mediennutzung in der Schweiz bis 2035 prägen – und wo Chancen für Informationsmedien liegen.

Bild: © Jugend und Medien, https://www.jugendundmedien.ch/ueber-uns/medienmitteilungen

Die Studie analysiert zentrale Entwicklungen des Journalismus in der Schweiz mit Blick auf die nächsten zehn Jahre. Grundlage sind 15 Interviews mit internationalen Expert:innen aus Wissenschaft und Medienpraxis sowie die Auswertung bestehender Nutzungsdaten und internationaler Forschung.

Sinkende Nachfrage, bewussterer Konsum


Wie stark Journalismus künftig nachgefragt wird, ist unter Expert:innen umstritten. Eine Hälfte geht davon aus, dass auch in Zukunft eine Nachfrage nach Journalismus bestehen wird. Eine andere Hälfte geht von einer sinkenden Nachfrage und einer stärkeren Spaltung zwischen gut informierten Nutzer:innen und der breiten Bevölkerung aus, die nur gelegentlich Nachrichten konsumiert. Kohortenanalysen für die Schweiz lassen eher darauf schliessen, dass die Nutzung weiter abnehmen wird. Gleichzeitig konsumiert ein Teil des Publikums Nachrichten bewusster und stärker markenorientiert.

Digitale Kanäle dominieren


Die Zukunft des Journalismus ist klar digital. Online-Angebote, audiovisuelle Inhalte sowie Social-Media- und Video-Plattformen gewinnen weiter an Bedeutung. Gedruckte Zeitungen verschwinden nicht, entwickeln sich aber zu einem seltener genutzten «Luxusgut». Zusätzlich zeichnet sich eine rasch wachsende Nutzung von KI-Chatbots als Nachrichtenquelle ab.

Eigene Kanäle werden wichtiger


Die Expert:innen empfehlen, dass Medienhäuser ihre eigenen digitalen Kanäle gezielt ausbauen, insbesondere Apps. Ziel ist es, die Abhängigkeit von Plattformen zu reduzieren und den direkten Kontakt mit dem Publikum zu stärken. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Medienvertrauen: Dem Journalismus wird – auch im KI-Zeitalter – mehr Vertrauen entgegengebracht als Plattformen oder KI-generierten Inhalten. Dieses Vertrauen ist jedoch verletzlich, etwa durch einen unkritischen KI-Einsatz. Als vertrauensbildende Massnahmen für journalistische Medien werden von den internationalen Expert:innen eine dezidiertere Qualitätsstrategie, Authentizität und ein starkes Community-Management genannt.

Zahlungsbereitschaft bleibt ein Unsicherheitsfaktor


Die Einschätzungen zur Zahlungsbereitschaft fallen unterschiedlich aus. In der Schweiz bleibt diese nach empirischen Daten im Online-Bereich tief und preissensibel. Expert:innen sehen Chancen vor allem in klar kommuniziertem Nutzwert und unterschiedlichen Bündelungsstrategien – von selektiven Abos einzelner Inhalte über die Kombination von Nachrichten mit Alltagsangeboten bis hin zu plattformübergreifenden Modellen nach dem Prinzip eines «Spotify für Journalismus».

Langfristig ist auch eine Stärkung der Medienkompetenz wichtig. Hier liegt weiteres Potential, denn die Teilnahme an Medienkompetenz-Programmen zum Beispiel in der Schule korreliert in der Schweiz empirisch mit höherer Zahlungsbereitschaft.

KI: Innovationstreiber und Gefahr zugleich


Künstliche Intelligenz ermöglicht neue journalistische Formate und effizientere Prozesse. Seitens des Publikums besteht eine gewisse Akzeptanz für einen unterstützenden Einsatz von KI im Journalismus. Gleichzeitig gibt es Risiken für Newsmedien, etwa dann, wenn die Bevölkerung vermehrt KI-Tools nutzt, um sich zu informieren, ohne direkt auf Angebote von Medienmarken zuzugreifen. Umso wichtiger werden klare redaktionelle Qualitätsstandards im Umgang mit KI und Fragen der Vergütung journalistischer Inhalte.

Markt, Politik und Regulierung


Der Werbemarkt bleibt stark von Tech-Plattformen dominiert. Erwartet wird eine weiter zunehmende Medienkonzentration, aber auch das Entstehen neuer Titel – allerdings vorwiegend in Nischen. Viele Expert:innen plädieren für mehr Kooperationen zwischen privaten und öffentlichen Medien. Eine stärkere öffentliche Medienförderung wird von den Expert:innen zwar mehrheitlich befürwortet, gilt aber international angesichts vorherrschender Skepsis in der Bevölkerung nur bedingt als realistisch. Die befragten Expert:innen begrüssen weiter eine stärkere Regulierung von Plattformen und KI-Anbietern.

Die Studie zeigt: «Journalismus bleibt für die demokratische Gesellschaft systemrelevant. Der Journalismus der Zukunft steht unter erheblichem wirtschaftlichem und technologischem Druck, verfügt aber weiterhin über zentrale Stärken, insbesondere Vertrauen und Qualität. Entscheidend wird sein, diese gezielt auszubauen, neue Kooperationsmodelle und eine differenzierte Angebotsstrategie zu entwickeln, um auch 2035 eine tragende Rolle in der demokratischen Öffentlichkeit zu spielen.»

Quelle:

https://www.foeg.uzh.ch/de/news/2025/Mediennutzung-2035–Neue-Studie-zur-Zukunft-des-Journalismus.html

Mehr:

https://www.foeg.uzh.ch/dam/jcr:26313733-af91-4e8d-ad61-ecd9f6c9f5a6/foeg_Mediennutzung_2035.pdf

https://www.persoenlich.com/medien/studie-prognostiziert-sinkende-mediennutzung

#Mediennutzung2035 #ZukunftJournalismus #Fög #VSM #VerlegerverbandSchweizerMedien #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 6. Januar 2026
  • Druck, Verlag, Printprodukte, Medienhäuser, Journalismus, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Politik und Gesellschaft, Radio und TV

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Daniel Leutenegger

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