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16. März 2025

«CTRL+ALT+RELAX»

«Eine Ausstellung zum Durchatmen» bei Die Mobiliar, Direktion Bern, Bundesgasse 35, 3001 Bern, bis am 16. Januar 2026

Bild: Virtuelle Landschaft, «CTRL+ALT+RELAX» © Die Mobiliar

Die Ausstellung thematisiert auf eine sinnliche und unterhaltsame Art die neuen digitalen Möglichkeiten in unserer Arbeitswelt. Im Spannungsfeld zwischen Unterstützung und Hektik lädt die Ausstellung «CTRL+ALT+RELAX» zum Durchatmen ein. Sie geht den Chancen und Risiken der neuen digitalen Helfer nach.
 Dabei kommen verschiedene Perspektiven aus Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft zum Zug.

CTRL       

Wie behalten wir die Kontrolle über unseren Arbeitsalltag?  


ALT      

Welche Alternativen haben wir, um gesund und leistungsfähig zu bleiben? 


RELAX   

Wie können wir abschalten und entspannen?



Die  Forschungsergebnisse des Mobiliar Lab für Analytik an der ETH Zürich können an interaktiven Stationen erlebt werden. Vier Resonanzräume mit Werken aus der Kunstsammlung der Mobiliar Genossenschaft – begleitet von Fragen – ermöglichen eine weitere Perspektive auf die Digitalität im Arbeitsalltag. Eingeleitet werden diese Resonanzräume jeweils mit einer Ausgangsfrage:

«Wofür nehmen Sie sich genügend Zeit?»

Zeit ist eine zentrale Dimension, die unseren Arbeitsalltag bestimmt. Tempo, Effizienz, Effektivität, Aufmerksamkeit, 80 / 20-Regel… unser Alltag ist bestimmt von Prioritäten. Digitale Tools sollen uns im besten Fall dabei unterstützen, diese Zeit besser aufzuteilen und zu nutzen. Wofür nehmen wir uns also genügend Zeit? 

Die Ausgangslage in der Ausstellung bildet die Videoarbeit von Monica Ursina Jäger, LIQUID TIME – An Earthly Archive on Weathering Thoughts (2022), die irdische Urmaterialien wie Sand, Wasser, Gestein in ihren verschiedenen Beschaffenheiten und utopisch wirkende Stadtbilder zeigt. Das Werk führt die Betrachtenden in unglaublichen Bildern vor Augen, was mit der Natur im Verlauf der Zeit passiert, und wirft die Frage nach der Rolle des Menschen in diesem Prozess auf.


Wie geht die Zeit mit Materialien um? Wie nehmen wir als Menschen Zeit wahr? Für den eigenen Umgang mit Zeit können die Videoarbeiten von Koka Ramishvili symbolisch gelesen werden. In ihnen giesst jeweils eine Person Flüssigkeit aus einem Behältnis zielgerichtet neben die Tasse auf den Tisch. Was zunächst lustig wirkt, hat subversives Potenzial: Ramishvili veranschaulicht an einem Beispiel aus dem Alltag das Abweichen von normierten Verhaltensmustern. Den Grund für dieses anormale Ergebnis lassen die Arbeiten offen: Ist es, weil die Person abgelenkt ist? Liegt es an einer Doppelbelastung durch eine andere Tätigkeit? Oder verschüttet die Person mit Absicht den Inhalt als eine Art Auflehnung gegenüber einer Situation, die uns nicht explizit bekannt ist?

Chantal Michel Die Wirklichkeit stellt eine Unwahrscheinlichkeit dar, die eingetreten ist, 1998–1999 150 × 150 cm, Fotografie

Bild: Chantal Michel, Die Wirklichkeit stellt eine Unwahrscheinlichkeit dar, die eingetreten ist, 1998–1999, 150 × 150 cm, Fotografie

Zusätzlich führen die Fotografien von Chantal Michel den Betrachtenden ein Bild der Ermüdung, womöglich durch Stress verursacht, irritierend vor Augen. Ist dies die Veranschaulichung der ultimativen Erschöpfung, die als überspitztes «Durchhängen» oder «Schlappmachen» visualisiert wird? In diesem Sinn schreien die Kunstwerke nach der Frage, für was wir uns im Alltag genügend Zeit nehmen. Berücksichtigen wir unsere Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und Schlafen genügend in unserem Alltag? Wieviel Zeit nimmt unsere Arbeit ein? Wieviel Zeit schreiben wir unserem sozialen Leben zu?

Empathy Creatures (2025) von Mélodie Mousset ist eine interaktive VR-Kunstinstallation. Im Mittelpunkt steht eine empathische virtuelle Kreatur, deren Stresslevel durch Echtzeiteingaben der Teilnehmenden beeinflusst wird. Durch achtsames Atmen und Aktivitäten in der VR-Umgebung können die Teilnehmenden den Umgang mit Stress üben und dabei gleichzeitig das Wohlbefinden der Kreatur beeinflussen.

Inspiriert von der Forschung des Mobiliar Lab für Analytik an der ETH Zürich, zeigt das Projekt, wie Technologien wie KI und VR zur Stressbewältigung eingesetzt werden können. Die Installation, die Bildschirme und VR-Stationen umfasst, lehnt sich an das Tamagotchi-Konzept an. Das Kunstwerk wurde extra für die Ausstellung von Mélodie Mousset für das Projekt «CTRL+ALT+RELAX» geschaffen. Die Arbeit ist Teil der Sammlung der Mobiliar Genossenschaft.


«Was können Sie alles gleichzeitig tun?»

Die Videoinstallation von Thalles Piaget, Gleichzeitig in zwei Zeiten #2 (2023) spiegelt die Beziehung zwischen der analogen und der digitalen Welt: durch den Bildschirm mit Programmiersprache und den Spiegel, in dem wir uns als Betrachtende sehen. Diese Gleichzeitigkeit geht der Frage nach, wie wir uns im digitalen und analogen Alltag bewegen und sehen. Denn die Trennung von online und offline ist kaum mehr da – wir sind «always on». Der italienische Philosoph Luciano Floridi prägt dafür den Begriff «Onlife»: Eine Welt, in der sich digitale und physische Realität durchdringen. Ein bewusster Umgang mit der digitalen Welt ist daher wichtiger denn je, um die Selbst- und Fremdwahrnehmung immer wieder in einen Kontext zu stellen.


«Wo liegt ihr Kraftort?»

Durch unterschiedliche Kräfte und Bewegungsmodi von Gegenständen löst Roman Signer in seinen performativ anmutenden Aktionen Energietransformationen aus, die nie zu einhundert Prozent planbar sind. Im Spiel mit Feuer, Wasser, Luft und Erde legt er die der Natur innewohnenden Potenziale offen. So auch in der ausgestellten Videoarbeit Blauer Rauch, die durch das Durchrasen einer blauen Rauch speienden Drohne die Waldstille durchbricht.

Das Kunstwerk wirft die Frage nach unserer individuellen Energiequelle auf. Wo liegt mein Kraftort? Durch welche Tätigkeit oder Strategie kann ich den alltäglichen Herausforderungen entgegenwirken? 

Roman Signer Blauer Rauch, 2016 1 Minuten 28 Sekunden, HD Video 16:9, Stereo

Bild: Roman Signer, Blauer Rauch, 2016, 1 Minuten 28 Sekunden, HD Video 16:9, Stereo

Die weiteren Kunstwerke von Fischli / Weiss, Hermann Alfred Sigg und Filip Haag führen die Gedanken zum Ausgangspunkt der Ausstellung mit der Videoarbeit von Monica Ursina Jäger weiter. Dabei können die dargestellten Böden wie der üppig grüne Wald, der ausgetrocknete Fluss oder die mondähnliche Landschaft als die geistig sich unterscheidenden menschlichen Befinden gelesen werden. Wir müssen für uns selbst herausfinden, welcher Lebensraum uns gut tut und wo wir uns am wohlsten fühlen So visualisieren die ausgewählten Kunstwerke die möglichen Kraftorte oder potenziellen Quellen von Energie, Inspiration und Wissen.

cp

Öffnungszeiten:

Mo – Fr: 07:00 – 17:00 Uhr

Kontakt:

https://www.mobiliar.ch/ueber-uns/nachhaltigkeit-engagement/gesellschaftsengagement/kunst-und-kultur/ausstellungen-und-fuehrungen/ctrlaltrelax

Andrea Wolfensberger Seifenblase, 2001–2002 10 Minuten 45 Sekunden, MiniDV, Farbe, Ton stereo

Bild: © Andrea Wolfensberger, Seifenblase, 2001–2002, 10 Minuten 45 Sekunden, MiniDV, Farbe, Ton stereo

#DieMobiliar #CTRLALTRELAX #MobiliarKunstsammlung #MobiliarLabfürAnalytik #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

  • Beitrags Information
  • Author
  • Daniel Leutenegger
  • 16. März 2025
  • Bildende Kunst, Fotografie, Grafik, Architektur, Design, Für Körper, Geist und Seele, Kulturförderung, Kulturvermittlung, Kultur- und Medienpolitik, Multimedia und Internet, Museum, Ausstellung, Galerie, Umwelt / Mitwelt

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