20. Mai 2026
«KULTUR IST ZENTRALER BESTANDTEIL DES ANGEBOTS DER SRG-SSR»
Die SRG-SSR hat erstmals eine systematische Analyse der Kulturleistungen in ihrem redaktionellen Angebot in Auftrag gegeben. Untersucht wurden Beiträge aus Fernsehen, Audio / Podcasts, Online-Artikeln und Social Media. «Die Ergebnisse zeigen: Die Kultur ist fest in den Programmen aller Regionaleinheiten verankert und nimmt einen hohen Stellenwert in allen Mediengattungen ein», schreibt die SRG-SSR heute. Die Studie mit dem Titel «Zwischen Jodeln, Jazz und Jugendliteratur» wurde vom Mileva Institut in Toffen (BE) erstellt. Bereits hat Suisseculture, der Dachverband der Organisationen der professionellen Kultur- und Medienschaffenden der Schweiz und der schweizerischen Urheberrechtsgesellschaften, zur Studie Stellung genommen.

Symbolbild: Fête des Vignerons 2019 – Foto: © Jay Louvion / RTS
Die SRG-SSR hat eine systematische Analyse ihres redaktionellen Angebots durchführen lassen. Erstmals stand dabei die Kultur im Zentrum. Die Studie des Mileva Instituts in Toffen (BE) basiert auf einer standardisierten Inhaltsanalyse von 4’890 redaktionellen Beiträgen aus Fernsehen, Audio/Podcasts, Online-Artikeln und Social Media und untersuchte eine konstruierte, d.h. eine nach Zufallsprinzip zusammengestellte Woche im Jahr 2025. Nun liegen die Ergebnisse zu den Kulturleistungen im redaktionellen Angebot vor.
Gemäss der Studie «Zwischen Jodeln, Jazz und Jugendliteratur» weisen über alle Kanäle der SRG-SSR hinweg 28,1 Prozent der analysierten redaktionellen Beiträge einen Kulturbezug auf. Besonders stark vertreten ist Kultur im Fernsehen (36,6 Prozent) sowie im Audio- und Podcastbereich (32,0 Prozent). Bei den digitalen Angeboten liegt der Anteil tiefer (Online: 11,1 Prozent, Social Media: 15,0 Prozent). Auf Social Media werden Kulturinhalte jedoch überdurchschnittlich oft als Video (51,4 Prozent vs. 29,3 Prozent bei anderen Inhalten) publiziert. «Kultur wird auf Social Media somit gezielt in aufmerksamkeitsstarken Formaten platziert», hält die SRG-SSR fest.
«Berücksichtigt man den Umfang der Beiträge, wird die Bedeutung der Kulturleistung der SRG zusätzlich deutlich: Im Audio- und Podcastbereich machen Kulturinhalte über die Hälfte der gesamten Sendezeit der nicht-fiktionalen, redaktionellen Beiträge aus (51,5 Prozent)», schreibt die SRG-SSR.

Symbolbild: Locarno Film Festival – Foto: © Massimo Pedrazzini / SRG-SSR
«SRG-SSR deckt eine breite Themenvielfalt ab»
In der Medienmitteilung ist zu lesen: «Die Untersuchung zeigt ein breites Spektrum an kulturellen Themen. Besonders häufig berichtet die SRG-SSR über Brauchtum (14,2 Prozent), populäre Musik (11,8 Prozent), Film (10,9 Prozent) und klassische Musik (10,2 Prozent). Gleichzeitig werden auch weniger prominente kulturelle Ausdrucksformen regelmässig berücksichtigt: Die höchste thematische Diversität zeigt sich im Fernsehen, eine stärkere Konzentration auf Musik dagegen beim Radio.
Ein zentraler Befund betrifft die Rolle der SRG-SSR als Akteurin im Kulturbereich: Medial inszenierte Ereignisse stellen mit 40,8 Prozent den grössten Anteil der Kulturberichterstattung dar. Damit tritt die SRG-SSR nicht nur als Vermittlerin, sondern auch als Produzentin kultureller Inhalte auf. Ergänzt wird dies durch die Berichterstattung über ausserhalb der Medien stattfindende Kulturereignisse (36,6 Prozent) sowie durch Rezensionen von Büchern oder Filmen und Porträts (22,6 Prozent).»
Regionale Verankerung und Blick über Landesgrenzen
Die Kulturberichterstattung der SRG-SSR ist stark in den jeweiligen Sprachregionen verankert: Die Mehrheit der Beiträge bezieht sich bei SRF auf die Deutschschweiz (57,1 Prozent), bei RTS auf die Romandie (58,4 Prozent), bei RSI auf die italienischsprachige Schweiz (50,1 Prozent) und bei RTR auf die rätoromanische Schweiz (78,6 Prozent) – mit einem je nach Regionaleinheit zusätzlichen Fokus auf das gleichsprachige Ausland. Gleichzeitig berichtet die SRG-SSR auch über internationale Kultur, insbesondere aus benachbarten Ländern.
Hohe Sichtbarkeit kultureller Akteurinnen und Akteure
In über drei Vierteln der Kulturbeiträge werden konkrete Kulturakteur:innen als Individuen, Gruppen, Institutionen oder Vereine sichtbar gemacht. Die Berichterstattung ist dabei stark personenbezogen: Bei 85,2 Prozent der Akteur:innen handelt es sich um aktive Kulturschaffende, bei den restlichen 14,8 Prozent um institutionelle Akteure. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse Entwicklungspotenzial bei der Geschlechterverteilung: Rund zwei Drittel der sichtbaren Akteur:innen sind männlich, knapp ein Drittel weiblich.
Abschliessend heisst es in der Medienmitteilung: «Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass die SRG-SSR ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt: Gemäss Radio- und Fernsehgesetz sowie der Konzession trägt sie mit ihrem Angebot zur kulturellen Vielfalt, zur Förderung der schweizerischen Identität sowie zum kulturellen Austausch innerhalb des Landes bei. Die Studie liefert erstmals eine umfassende, vergleichbare und datenbasierte Grundlage, um diese Leistungen sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.»
Zur vollständigen Studie:
https://www.srgssr.ch/fileadmin/dam/documents/Kultur/Bericht_SRG_Kulturleistung.pdf
Quelle / Kontakt:
https://www.srgssr.ch/de/news-medien/news/kultur-ist-zentraler-bestandteil-des-angebots-der-srg

Stellungnahme Suisseculture:
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Die Studie zu den SRG-SSR-Kulturleistungen ist ein erster Schritt
Suisseculture bedankt sich für diese Studie, die aus dem engen Dialog zwischen der SRG-SSR und Suisseculture erwuchs. Die Studie liefert eine gattungs- und kanalübergreifende quantitative Analyse der Kulturberichterstattung und -vermittlung der SRG-SSR und fördert deren Stärken und Schwächen deutlich zu Tage.
Die Studie des Mileva Instituts ist somit ein erster Schritt zu einem kontinuierlichen Monitoring der SRG-SSR-Kulturleistungen in diesen zwei Bereichen, welches bisher fehlte. Die Ziele in der Kulturproduktion und -distribution sind für die in der Konzession explizit erwähnten Kultur-Bereiche über Branchenvereinbarungen (vgl. Pacte de l’Audiovisuel, Pacte de l’Industrie, Musik-Charta) verbindlich geregelt und mit jährlichen Reportings dokumentiert – mit Ausnahme der Literatur, wo entsprechende Bestrebungen am Laufen sind.
Die Rolle der SRG-SSR für die Schweizer Kulturlandschaft ist in diesen Bereichen unentbehrlich und war für die Schweizer Stimmbevölkerung am 8. März 2026 eines der wichtigen Argumente für das klare Nein gegen die SRG-SSR-Halbierungsinitiative.
Die vorliegende Studie zeigt anhand einer Stichprobe («künstliche Woche») aus dem Jahr 2025, was die TV- und Radio-Programme sowie die Online- und Social Media-Angebote der SRG-SSR für die Kultur und die Kunst in der Schweiz leisten, macht jedoch auch deutlich, wo es dringenden Nachholbedarf gibt.
Die Studie definiert Kultur sehr breit, mit einem starken Fokus auf Populärkultur. Entsprechend hoch ist die thematische Diversität, insbesondere auf den TV-Kanälen.
Beiträge zu Volkskultur («Brauchtum») und populärer Musik machen insgesamt über ein Viertel der analysierten Beiträge aus. Anspruchsvollere Kulturbereiche wie Literatur und Sprache, visuelle Kunst oder Theater sind hingegen je nur mit weniger als 5% der SRG-SSR-Kulturberichterstattung und -vermittlung vertreten. Ganz von der Auswertung ausgeschlossen wurden leider die Bereiche Philosophie, Religion und Geschichte. Dies aus methodischen Gründen.
Suisseculture hat ein gewisses Verständnis für den – auch wirtschaftlich begründeten Quotendruck – insbesondere zur Primetime, und somit für die Schwerpunktsetzung auf «traditionelle, massentaugliche und mediennahe Kulturformen» im SRG-SSR-Programm. Der Dachverband beobachtet die fortschreitende Marginalisierung von anspruchsvolleren Gefässen und die Abnahme an fundierten Auseinandersetzungen mit kulturellen Inhalten jedoch mit grosser Sorge. Die Studie widerspiegelt somit auch die Auswirkungen der laufenden Spar- und Abbaumassnahmen, u.a. in den Bereichen Literatur-, Musik- oder Filmvermittlung.
Die Studie zeigt weiter, dass Kultur zwar im Tagesprogramm an verschieden Stellen auftaucht, reine Kulturprogramme oder anspruchsvollere Beiträge jedoch oft in die publikumsschwachen Nachtstunden verschoben werden.
Ein weiteres Learning aus der Studie ist, dass der Online-Auftritt der SRG-SSR insbesondere für die Kultur eminent wichtig ist. Um den Nachwuchs an die Kultur heranzuführen, wäre es angebracht, diese weiter auszubauen.
Die Studie zeigt auch, dass eine deutlichere Abgrenzung des Kultur- und Unterhaltungsbegriffs nötig ist, wobei es kein Entweder-Oder gibt. Kultur ist auch Unterhaltung, jedoch ist nicht jede Unterhaltung auch Kultur. Hier braucht es für eine Folgestudie dringend eine Begriffsklärung und eine entsprechend verfeinerte «Übungsanlage», um differenziertere Ergebnisse hinsichtlich des SRG-SSR-Kulturauftrags zu erhalten.
Ein erfreuliches Resultat der Studie ist, dass die SRG-SSR-Kulturleistungen eher einzelnen Kulturschaffenden als etablierten Kulturinstitutionen Sichtbarkeit verleihen. Allerdings wurde nicht zwischen lebenden und verstorbenen Kulturschaffenden unterschieden. Um die Aussagekraft der Analyse der Kulturleistungen zu Gunsten der Schweizer Kulturschaffenden zu verdeutlichen, empfehlen wir zukünftig zudem eine Unterscheidung zwischen Schweizer und ausländischem Kulturschaffen.
Zur Herausarbeitung der Unterschiede in der kulturellen Ausrichtung der einzelnen Unternehmenseinheiten, ihrer Schwerpunkte und deren Auswirkungen auf die Kulturleistungen braucht es ebenfalls noch genauere Untersuchungen, und leider fehlt bei der Studie auch eine Qualitätsanalyse des Programms.
Es liegt im Interesse sowohl des Service public der SRG-SSR wie auch der Schweizer Kultur, dass die Kulturleistungen der elektronischen Medien zukünftig in der SRG-SSR-Unternehmensstrategie transparent und nachvollziehbar verankert sind und anhand von Zielwerten gemessen werden können.
Suisseculture befasst sich seit einigen Jahren vertieft mit der Frage der SRG-SSR-Kulturleistungen und hat im «Konzept über Kulturleistungen im medialen Service public» gefordert, den Kulturauftrag der SRG-SSR systematisch zu planen, zu steuern und auszuweisen: differenziert nach den Leistungen Kulturproduktion, Kulturvermittlung und Kulturberichterstattung und über alle Sprachregionen hinweg.
Fazit
Die Studie des Mileva Instituts ist ein erster Schritt, um die Kulturleistungen der SRG-SSR nachvollziehbar zu machen. Notwendig ist eine Verstetigung, eine jährliche Durchführung und eine Präzisierung der Studienanlage als Ausgangsbasis für eine zukünftige belastbare Darlegung der Kulturleistungen der SRG-SSR. Suisseculture stellt für diesen Prozess gerne ihre ausgewiesene Expertise in Kulturfragen zur Verfügung und bedankt sich bei der SRG-SSR für die partnerschaftliche Zusammenarbeit in diesen – auch für die SRG-SSR – existenziellen Fragen.
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Quelle:
FR:
L’étude sur les prestations culturelles de la SSR est un premier pas
https://www.suisseculture.ch/actualites/?article=l_etude_sur_les_prestations_culturelles_de_la_ssr_est_un_premier_pas
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Kommentare von Daniel Leutenegger