14. März 2026
ZUM TOD DES SCHWEIZER KUNSTMALERS, MUSIKERS, SCHAUSPIELERS, REGISSEURS, AUTORS UND ERZÄHLERS TIMMERMAHN
Der am 23. Oktober 1942 in Lausanne als Peter Klein geborene Maler, Zeichner und Plastiker, Musiker, Schauspieler, Erzähler, Regisseur, Theater- und Hörspielautor Timmermahn (Bild) ist am 14. März 2026 in Bern gestorben. Er hatte sich seinen Künstlernamen mit dem mahnenden «H» schon als 25-Jähriger zugelegt. Der Enkel des Basler Läckerli- und Bonbonfabrikanten André Klein lernte Schaufensterdekorateur und arbeitete danach als Kulissenmaler am Stadttheater Bern. Ab den 1960er-Jahren verdiente er sich sein Brot als Kunstmaler und genoss die Freiheiten des wilden Lebens. Unter anderem an der Seite von Künstlerfreunden wie dem Schweizer Bildhauer Bernhard Luginbühl oder der Mundartlegende Polo Hofer. Alle drei gelten als Urgesteine der Berner Kunstszene. Timmermahn lebte auf Kreta, in Holland, in Italien, im Tessin und 25 Jahre in einem alten Bauernhaus in Rüeggisberg, bis es ihn wieder in die Stadt Bern zog.

Bild: Timmermahn – Foto: © timmermahn.ch
«Wer Timmermahn beschreibt, tut ihm unrecht.»
Peter Bichsel
Meister Timmermahn, wie er von seinen Freunden genannt wurde, war Maler, Poet, Erzähler, Autor und Regisseur. Er zählte zu den schillerndsten Figuren der Schweizer Kunst- und Kulturszene. Seine humorvollen Mundartgeschichten entführten das Publikum in unvergleichlichem Berndeutsch in bunte, emotionale Welten. Die grossen Momente in kleinen Alltagsszenen zu erkennen, sie fantasievoll auszuschmücken, bis an den Abgrund zu strapazieren und am Ende mit viel Liebe und Empathie für die Figuren zu einem guten Ende zu bringen – das war die Stärke des scharfsinnigen Beobachters mitmenschlichen Zusammenspiels. Timmermahn stand für charmante Eigenheit. Seine Kunst war es, mit Buchstaben nach Lust und Laune zu jonglieren und Wortschöpfungen entstehen zu lassen. Das Spiel mit dem Sprachwitz beherrschte er wie kaum ein anderer. Seit Jahren wurde Timmermahn von seinem Publikum bekniet, seine Geschichten nicht nur auf der Bühne zu performen, sondern abzudrucken und sie so auch auf eine andere Art zugänglich zu machen. Dies war immer ein absolutes Tabu für ihn. Doch zu seinem Achtzigsten drückte er beide Augen zu und veröffentlichte achtzig seiner berndeutschen Geschichten in Buchform.
https://www.woerterseh.ch/produkt/80/
(am 14.03.2026 redigiert von ch-cultura.ch)

Bild: Timmermahn 1995 in Rüeggisberg – Foto: © Hansueli Trachsel
Aufgewachsen war Timmermahn in Bern, wo er sich 1959–1963 zum Schaufensterdekorateur ausbilden liess. Nach der Lehre arbeitete er als Theatermaler am Stadttheater Bern, als Dekorateur und Schauspieler. Reisen und Aufenthalte 1964 auf Kreta, 1966 in Spanien sowie 1967 in Antwerpen, Breda und Israel. 1968 Heirat mit der Sopranistin Irene Weiss; 1968–1977 lebte das Paar in Tremona. 1978–1984 hielt sich Timmermahn in Bern, Gurmels und auf Stromboli auf. Während dieser Zeit kannte man den Künstler unter dem Namen «Blaui», der berndeutschen Abkürzung für Blaubart. 1980 Heirat mit Sandra Mamie. 1981 schwerer Autounfall, der Timmermahn längere Zeit an den Rollstuhl fesselte. 1984–1992 in der Colombaia in Lumino bei Bellinzona. 1989 und 1994 erfolgreiche Ausstellungen in der Galerie Andy Jllien in Zürich. Es folgten bewegte, schwierige Jahre und, als hätte die Sturm- und Drangzeit nicht genügt, eine zeitweilige Trennung von Sandra. Dann trafen sich die beiden wieder und liessen sich 1992 in einem hundertfünfzig Jahre alten Bauernhaus in Rüeggisberg im Kanton Bern nieder. Öfters organisierte Timmermahn Atelierpräsentation bei sich zuhause – beliebte Treffs für alte und neue Freunde, die zuhauf angereist kamen.
Die Kunst Timmermahn’s lässt sich kaum einordnen. Sie gehört keinem Ismus an, folgt keiner Modeströmung, hat keine kunsthistorischen Ambitionen, will schon gar nichts erneuern: «Ich male mit Stolz ohne Stil und lasse mich nicht klassifizieren», sagte der Maler. Und weiter: «Ich brauche nicht verstanden zu werden. Ich mag nicht malen, wie es von mir erwartet wird. Ich liebe die Malerei.» Picassos Zitat, «wenn ich kein Rot mehr habe, dann nehme ich Blau», kam Timmermahn gelegen. Am ehesten ist sein Werk in der Nähe der surrealistischen Maler Fred Engelbert Knecht, Friedrich Kuhn und Alex Sadkowsky anzusiedeln. Paul Nizon hat Timmermahns Universum einmal eine «kleine Wahnwelt» genannt.
Timmermahn malte genau, mit Raffinesse. Seine Bilder wurden in stunden- und tagelanger Arbeit gefertigt. Karl Valentins Zitat, «Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit», passt haargenau zu Timmermahn. «Ich male zehn Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche, denn am Sonntag habe ich frei», sagte er. Sein Œuvre ist eine verblüffende Welt voller Farben, voll List und Lust, voll Wahrheiten und Märchen, voll Eigenwilligkeiten, ein hinterhältiges Bürgerverwirrspiel, freche Erotik. Kein Mutter-, kein Vater-, ein Kinderwitz. Unschuldig und unbarmherzig.
Timmermahn’s Universum ist von ihm geschaffen, gehört ihm. Man wird das Gefühl nicht los, für Timmermahn gelte dasselbe wie für Louise Bourgeois, die von ihrer geschaffenen Welt gesagt hat, sie hätte ihr das Leben überhaupt erst möglich gemacht. Das Kreieren und sich Aneignen dieser Welt dokumentierte Timmermahn teils in den Titeln seiner Bilder wie Meinraum, Meinsohn oder Meinrad. Seine erfundenen Geschöpfe heissen Urbi et Orbi – spitzhütige, rübennasige Kobolde, Verbündete, die ihm helfen, etablierte Regeln, Strukturen und Autoritäten zu unterwandern. Gestalten, die nach eigenem Kodex leben. Und da ist auch der unartige Gubor, der seinen Eltern, Hund und Katze als menschenähnliche Wesen, Zigarettenrauch frech ins Gesicht bläst. Gubor auf dem Dach der Welt, mit zwei hübschen Katzendamen glücklich in einem grossen Bett oder Gubor in Amerika, tanzend, nachts vor Wolkenkratzerkulisse. Timmermahn mochte Wortspiele, Assoziationen. Er setzte Worte nach Lust und Laune zusammen und liebte es, diese Neuschöpfungen zu bebildern. Er fügte die Titel oft in die Bilder – mit Stempel- oder betont ordentlicher Schülerschrift: Das Hallenbad brennt, Herz in der Suppe oder Obacht Indianer. Neben diesen «Wahnwelt»-Bildern gibt es auch einen «dokumentarischen» Timmermahn, einen malenden Zeugen seiner Zeit. Die Ereignisse, die ihn beschäftigten und die er malerisch umsetzte, betitelte er zum Beispiel mit Denk dran: In Fréjus brach der Staudamm oder schlicht Bob Beamon, 18.10.68, 8,9 m., in Erinnerung an den damaligen Weitsprung-Weltmeister.
Seit 1970 entstanden Geschichten und Theaterstücke: 1970 Die Frühberger, 1980 Der Weiher, 1996 Die Sunnegger – Züsis Heimkehr, 1997 Züsi sieht rot, 1998 Sunneggers auf Achse, Bubenfersen 2 – Di nöie Gschichte vom Walterli, 1999 Bubenfersen 3 – Walterli, Gschichte usem Läbe, Timmermahn & Die Waldrauscher Band: Waldrausch. Das Neue Märchen, 2000 Timmermahn & Los Hobos: Die Weissen Dichter & Walterli, 2001 Timmermahn & Los Hobos: Schotterstories, 2001–02 Timmermahn & Los Hobos: Schotterstories, 2003 Timmermahn & Los Hobos: ELDORADO, 2004 Timmermahn & Los Hobos: Betty Bossi Tour, Timmermahn & Los Hobos: TOBRUKER, 2005 Timmermahn & Los Hobos: When A Grittbenz Say Goodnight.
Timmermahn war ein Fabelerzähler, Schlangenbeschwörer und Zauberer. Das galt für seine Bilder wie für seine Texte. Seine Fabulierlust war immens, seine Welt grenzenlos, seine Kraft gewaltig, seine Verletzbarkeit spürbar, sein Spürsinn immer wieder überraschend. Ohne seine Theaterschöpfungen ist sein Werk nicht vollständig beschrieben. Sein Konzept lautete: «Das Wahnsinnige im Theater ist Folgendes: es braucht einen Anfang, man geht in das Geschehnis hinein und dann passiert etwas Fürchterliches. Es kann ein Hausbrand sein oder weiss der Teufel sonst was. Aber man kann die Leute nicht weinend aus dem Theater entlassen. Das darf man n i e tun. Als Regisseur muss man zusehen, und sollte es vier Stunden dauern, dass alle wieder glücklich sind. Das ist für mich Theater.» In seinen Stücken ist das Happy End sicher. Ein Happy End in einer Welt, die von Bauern, stummen Knechten, Feuerwehrleuten, Mäusefängern, Kläusen, einem Bären, Kindern und Engeln bewohnt ist.
Jacques Laissue: «Timmermahn». In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz, 2006, https://recherche.sik-isea.ch/sik:person-4004249/in/sikart
(am 14.03.2026 redigiert von ch-cultura.ch)

Bild: © timmermahn.ch, 2011

Bild: © 70jahre@timmermahn.ch, 2012
Der Anarchist, der am liebsten Tiere mit grossen Augen malte
Sein Lebenslauf liest sich wie ein Abenteuerroman – mitsamt Drogen, Exzessen und Raubzügen. Doch sein höchstes Ziel war es, Menschen Freude zu machen.
Timmermahn hat dieses Land mit einer verstörenden Heiterkeit versorgt, mit einem Spass, der irgendwo zwischen Volkstümlichkeit und Anarchie schlenkerte, ganz egal, ob er gerade als Entertainer, Poet, Geschichtenerzähler, Polo-Hofer-Plattencover-Designer, als Theaterregisseur oder – und das war seine wichtigste Wirkungssphäre – als Kunstmaler in Aktion trat. So gilt er beispielsweise als Erschaffer des grössten Wandbildes dieses Landes – es ziert die Fassade eines 45 Meter hohen Futterturms in Rothenburg.
Ane Hebeisen
https://www.derbund.ch/timmermahn-stirbt-mit-83-jahren-in-bern-986884123793

Bild: © Timmermahn, 1983 – Foto: © Dobiaschofsky Auktionen AG, Bern
Berner Kultur-Multitalent Timmermahn ist tot
Der Berner Maler, Dichter, Erzähler, Musiker, Kabarettist und Theatermacher Timmermahn ist in der Nacht auf Samstag 83-jährig gestorben. Timmermahns Management Kathamusic GmbH bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Meldung der Berner Tamedia-Zeitungen.
Keystone – SDA
Der Berner Künstler Timmermahn ist gestorben. Er war Maler, Autor, Theatermacher und oft zu Besuch im Wankdorf an den YB-Heimspielen. Im Sommer 2025 beteiligte sich Timmermahn am Projekt YB ART.
Der BSC YB entbietet den Angehörigen und den Freunden von Timmermahn sein herzliches Beileid.
https://www.instagram.com/p/DV3TaJCAlZH

Bild: «Wer das liest, wird glücklich» – © Timmermahn, 2019
È morto il poliedrico artista bernese Timmermahn
Il pittore, poeta, narratore, musicista, cabarettista e autore teatrale bernese Timmermahn è morto la scorsa notte all’età di 83 anni. Aveva vissuto in Ticino negli anni ’70 e ’80.
ATS
https://www.cdt.ch/news/svizzera/e-morto-il-poliedrico-artista-bernese-timmermahn-421981

Bild: © timmermahn.ch

Bild: © timmermahn
Audios / Videos:
TIMMERMAHN «Usflug mit Grosi»
TIMMERMAHN – Ds gschänkte Christchind
TIMMERMAHN – dr erscht Schnee
Rotchäppli Und Walterli TIMMERMAHN
SRF Bounce, Virus, 2014
Timmermahn – Usflug mit Grosi
70 Jahre Timmermahn, Polo Hofer, 2012
Roger Schawinski: Timmermahn «TalkTäglich», 1996
Timmermahn, Star TV, Glogger Talk, 2003
Fernsehen SRF, «10 vor 10», 09.02.2001
Fernsehen SRF, «Gesichter und Geschichten», Das Berner Original Timmermahn feiert seinen 80. Geburtstag, 25.10.2022
Fernsehen SRF, «Schweiz aktuell», 11.07.2023
Rothenburg (LU): Grösstes Wandbild der Schweiz entsteht
Radio SRF 1, «Spasspartout» vom 02.11.2022

Bild: © Timmermahn – Foto: © Siegfried Kuhn, Altavilla

Bild: © timmermahn.ch

Bild: © timmermahn.ch

Bild: Wandbild von © Timmermahn auf dem Futtersilo in Rothenburg (LU) – Foto: © SRF / https://www.timmermahn.ch/wandbild/
Mehr:
https://www.facebook.com/profile.php?id=100007381185287
https://www.facebook.com/timmermahn/?ref=embed_page
https://www.kathamusic.ch/artists/timmermahn/
https://www.dieheiterefahne.ch/events/1248/25-03-2026/jenseits-e-schwank-i-zwe-akte-von-timmermahn

https://www.woerterseh.ch/produkt/80/
https://www.harlekin.ch/kunstschaffende/kuenstler/timmermahn
https://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/timmermahn
https://www.tagesanzeiger.ch/der-mann-der-das-neumarkt-theater-abfackeln-wollte-185137434864
https://www.bernerzeitung.ch/timmermahns-exzess-143686470039
http://www.bernout.ch/fotos/2007Timmel65/slides/Timmermahn%20003.html
https://recherche.sik-isea.ch/en/sik:person-4004249:exp/in/sikisea/actor

Bilder: Bald wieder in der Heitere Fahne, Wabern bei Bern: «JENSEITS» – e Schwank i zwe Akte von Timmermahn, https://www.dieheiterefahne.ch/events/1248/27-03-2026/jenseits-e-schwank-i-zwe-akte-von-timmermahn

Auf ch-cultura.ch u.a. erschienen:
https://ch-cultura.ch/?s=timmermahn

Bild: Timmermahn – Foto: © Kathamusic GmbH
#Timmermahn #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+
Nachträge vom 15.03.2026:
SRF 1, «Regionaljournal Bern Freiburg Wallis», 15.03.2026:
Der Berner Künstler Timmermahn ist tot
Er ist in der Nacht auf Samstag 83-jährig gestorben.
«TeleBärn», News vom 15.03.2026:
Timmermahn ist tot
Timmermahn war mit seinen Kunstwerken weit über Bern hinaus bekannt. Als Maler, Dichter, Musiker, Kabarettist und Theatermacher war er ein wahres Multitalent. Nun ist der Berner Künstler in der Nacht auf Samstag im Alter von 83 Jahren gestorben.
https://www.telebaern.tv/telebaern-news/timmermahn-ist-tot-163703021
Bernese cultural multi-talent Timmermahn is dead
The Bernese painter, poet, storyteller, musician, cabaret artist and theater maker Timmermahn died on Saturday night at the age of 83. Timmermahn’s management Kathamusic GmbH confirmed a corresponding report in the Bernese Tamedia newspapers on Saturday.
Ich bin schockiert, überrascht und unsäglich traurig. Unser langjähriger Freund, Inspirator und Allerweltskünstler ist über den Regenbogen gegangen. Der Himmel darf sich freuen, er wird auch dort das Dasein erhellen. Ruhe deine Seele in Frieden, lieber Freund. Danke für dein Schaffen und die vielen unterhaltsamen Stunden, die geistreichen Gespräche und die gemeinsamen Erinnerungen, die du uns geschenkt hast! Wir werden dich nie vergessen.
Georges Müller
https://www.facebook.com/Schoere

Bild: © Timmermahn, Gubor lenkt die Eltern, 1988 – Foto: Dobiaschofsky Auktionen AG Bern, 2021
Nachtrag vom 17.03.2026:
Todesanzeige
https://www.hommages.ch/de/traueranzeige/timmermahn
Nachtrag vom 18.03.2026:
Gotthelfisch subversiv
«Du, Vati?» – «Ja, Walterli?»
So beginnen stets die kurzen Dialoge, die der soeben verstorbene Berner Künstler Timmermahn Ende der neunziger Jahre auf drei Alben mit dem Titel «Bubenfersen» aufgenommen hat.
(…)
Als ich 2000 von Kleinbasel nach Bern zog, waren es Timmermahn und sein Walterli, die mir diese auf mich seltsam verschlossen wirkende Stadt und ihre Bewohner:innen näherbrachten: In der Gross-WG in der Altstadt, in der ich bald rege ein und aus ging, liefen die Walterli-CDs des vielseitigen Künstlers, Autors und Theatermachers Timmermahn in Dauerschlaufe.
Silvia Süess
https://www.woz.ch/2612/timmermahn-1942-2026/gotthelfisch-subversiv/!8HJRBZ0VMGS5
Nachtrag vom 22.03.2026:
Gotthelf auf LSD
Adrian Meyer in der «NZZ am Sonntag»
https://www.facebook.com/photo?fbid=10215386842421958&set=a.1841874984310
Kommentare von Daniel Leutenegger