3. Juni 2026
WISSEN AUS DEM EMMENTAL: «SPYCHERE!» AUF FELDFORSCHUNG
Seit rund zwei Monaten ist die digitale Plattform «e-spycher» des Regionalmuseums Chüechlihus Langnau online, wie hier bereits gemeldet wurde. Das Interesse ist gross: Bereits rund 50 Beiträge zeigen die Vielfalt des lokalen Wissens. Nun startet die nächste Phase des Citizen-Science-Projekts: Eine Gruppe von Co-Forschenden ist im ganzen Emmental unterwegs und sammelt gemeinsam mit der Bevölkerung Geschichten, Dialekte und Wissen aus dem Alltag. Ein nächster wichtiger Treffpunkt wird der Auftritt an der Ausstellung OGA in Langnau sein.

Gruppenbild Co-Forschende, 2026 – Foto: © https://regionalmuseum-langnau.ch/aktuell/spychere/
Vom «Horner» bis zum Holzschloss
Die ersten Beiträge im «e-spycher» zeigen, wie breit gefächert das Emmentaler Alltagswissen ist. Es finden sich Dialektbegriffe wie «änglefi» (elf Uhr) oder der «Horner» (Februar) neben bauhistorischem Wissen über traditionelle Holzschlösser und das regionale Handwerk. «Es zeigt sich bereits jetzt, dass lokales Wissen unglaublich vielfältig ist», sagt Livia Künzi, Projektleiterin von «spychere!». «Oft sind es Dinge, die Menschen als selbstverständlich wahrnehmen – bis man beginnt, genauer nachzufragen.»
Die ersten Monate zeigen: Das Interesse am Projekt ist gross. Die Zahl der Wissensbeiträge wächst laufend und Gespräche über lokales Wissen führen oft unmittelbar zu Erinnerungen, Diskussionen und neuen Geschichten
Die Bevölkerung wird zu Forschenden
Mit dem Start der Feldforschung bekommt das Projekt nun eine neue Dimension: Eine Gruppe von Co-Forschenden unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Hintergründen aus dem ganzen Emmental bildet ab sofort die Brücke zwischen der Bevölkerung und dem Museum. Ihr Ziel: Wissen aus dem Alltag finden, sammeln und sichtbar machen. Im «e-spycher» wird das gesammelte Wissen für die Zukunft festgehalten – von alten Bräuchen bis zu heutigen Erfahrungen.
In einem Workshop im Regionalmuseum Chüechlihus haben sich die Teilnehmenden auf ihre Spurensuche vorbereitet. Gemeinsam wurde ausprobiert, diskutiert und bereits erstes Wissen gesammelt. Schnell zeigte sich: Lokales Wissen steckt überall –in Erinnerungen, Gewohnheiten und alltäglichen Gesprächen.
«Am Anfang fragte ich mich: Was gehört überhaupt in den ‹e-spycher›? Mittlerweile habe ich gemerkt, dass praktisch alles einen Eintrag verdient hat», sagt Andreas Eggimann, Co-Forschender aus Lyssach. Er interessiert sich besonders für Wissen aus Unternehmen und hat bereits erste Gespräche geführt. So entstand unter anderem ein Beitrag über spezielle Räder, die im Emmental produziert und weit über die Region hinaus exportiert werden.
Einen ganz anderen Zugang bringt Miriam Margani ein. In ihrem Wissensbeitrag beschäftigt sie sich mit Erinnerungen an die Disco-Kultur im Emmental und zeigt damit, dass auch persönliche Erlebnisse und gemeinsame Erinnerungen Teil des lokalen Wissens sind. «Es sind oft gerade die Erinnerungen an Orte und Erlebnisse, die Menschen miteinander verbinden», sagt Miriam Margani, Co-Forschende aus Langnau. Die Erfahrungen von Andreas Eggimann und Miriam Margani zeigen, was sich auch bei den anderen Co-Forschenden abzeichnet: Oft entstehen aus scheinbar alltäglichen Beobachtungen spannende Geschichten und wertvolles Wissen über die Region.
Nächster Halt: OGA Langnau
In den kommenden Wochen wird das Projektteam gemeinsam mit den Co-Forschenden an Märkten, Veranstaltungen und weiteren Begegnungsorten unterwegs sein.
Vom 12. bis 20. Juni 2026 macht «spychere!» Halt an der OGA in Langnau. Am Stand von «spychere!» ist die Bevölkerung eingeladen, eigenes Wissen zu teilen, Erinnerungen auszutauschen und mit den Co-Forschenden ins Gespräch zu kommen.
Gesammelt werden Erinnerungen, Dialektwörter, Geschichten, Erfahrungen oder Insiderwissen von früher und heute. Denn vieles, das heute selbstverständlich erscheint, kann morgen bereits vergessen sein.
Für die Umsetzung von «spychere!» arbeitet das Regionalmuseum Chüechlihus mit verschiedenen Partnerorganisationen zusammen. Gemeinsam mit der Stiftung Science et Cité und der Plattform Schweiz forscht werden Forschungsfragen entwickelt sowie Schulungs- und Beteiligungsformate für Co-Forschende erarbeitet. Als Botschafterin des Projekts unterstützt Emmental Tourismus die Vermittlung der Idee von «spychere!» und trägt dazu bei, lokales Wissen aus dem Emmental sichtbar zu machen.
cp
Kontakt:
https://regionalmuseum-langnau.ch/aktuell/spychere/
Auf ch-cultura.ch erschienen:
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Kommentare von Daniel Leutenegger