9. April 2026
«FABRICE HYBER – HOMME DE TERRE»
Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau, Ittinger Museum, bis am 30. August 2026

Bild: Fabrice Hybers La Serrie, biografische Landschaft meiner Eltern (work in progress), 2022, Installation im Schafgehege © La Vallée / Michaël Huard
Fabrice Hyber (1961, Luçon) ist international bekannt für seine Malerei und seine Skulpturen – vor allem aber für La Vallée: Um den Ort seiner Kindheit in Westfrankreich renaturiert er seit 1990 über 100 Hektar Land und schafft dort einen Begegnungsort.
Im Kunstmuseum Thurgau setzt er sich ausgehend vom Schutzpatron Laurentius mit der Kraft der Verwandlung auseinander und lädt zur Partizipation und dazu ein, selbst in verschiede Rollen zu schlüpfen. Der Ausstellungstitel «Homme de Terre» verweist dabei nicht nur im übertragenen Sinne auf die Erde als Quelle allen Wachstums, sondern auf ein tatsächlich vor Ort wachsendes Werk.
Das Ausstellungs- und Publikationsprojekt entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Thun. Fabrice Hyber gehört zu den wichtigsten französischen Künstlern. Zuletzt stellte er in der Fondation Cartier in Paris, in der Alliance New York und in der Power Station of Art in Shanghai aus. Seine Schlüsselthemen sind die Natur und ihre Kreisläufe sowie die Rolle des Menschen in diesen Zyklen. In der Schweiz hat Fabrice Hyber zuletzt 1998 in der Kunsthalle St.Gallen und im Kunsthaus Glarus ausgestellt.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau
Die Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau mit dem Titel «Homme de Terre» widmet sich dem Menschen und seinen Beziehungen. Inspiriert von der Figur des Märtyrers Laurentius im ehemaligen Kartäuserkloster Kartause Ittingen, in dem sich das Kunstmuseum Thurgau befindet, stellt der Künstler die Wandlungsfähigkeit des Menschen ins Zentrum. Zunächst werden soziale, berufliche und religiöse Rollen in einer berührenden Installation, dem «Valse Hysterique» gespiegelt. Neben den gesellschaftlichen Rollen, die dort im Fokus stehen, setzt sich Fabrice Hyber immer wieder auf humorvolle Weise mit seiner eigenen Rolle als Künstler und Mensch auseinander. Mutation ist ein zentraler Begriff für das Werk von Fabrice Hyber. Dafür macht er emotionale Eigenschaften und Zustände, von denen jeder Mensch ergriffen wird, in Form einer grossen, partizipativen Installation sichtbar.
Diese Gefühlswelten sind in Form von Kostümen spielerisch erfahrbar, indem sie von den Besuchenden vor Ort anprobiert werden können. In den Ausstellungsräumen haben sie die Möglichkeit, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. So findet im Kreuzgang, in dem zu Klosterzeiten in Prozessionen der Verwandlung des Leibs Christi gedacht wurde, heute eine andere Art der Verwandlung statt. Die Besuchenden können in die unterschiedlichen Ichs des Künstlers schlüpfen: der Schwamm-Mensch, der alles aufsaugt, der Zellenmensch, der Harlekin oder das schwankende Gemüt.
Die Installationen waren zuletzt in Fabrice Hybers Ausstellung in der Power Station of Art in Shanghai zu sehen. Doch dort war die Anprobe nicht erlaubt, da 8’000 Besuchende pro Tag üblich sind. In der Kartause Ittingen hingegen ist möglich, was in den grossen Ausstellungshäusern der Welt nicht geht: hier sind Anfassen und sogar Anprobieren der Kunst erwünscht. Eigens für die Ausstellung werden kurze Videos vor Ort realisiert, in denen die Kostüme in Aktion zu sehen sein werden – sie sollen die Besuchenden zur Partizipation animieren.
Neben der sozialen und emotionalen Verwandlung steht im letzten Raum die Transformation des menschlichen Körpers selbst im Zentrum. Hier schliesst sich der Kreis in Bezug auf Fabrice Hybers Faszination für biologisches Wachstum, Umwandlungsprozesse und Kreisläufe. Im Ausstellungsraum spriessen Pflanzen, und der Körper wird zum Ursprung neuen Lebens.
«Flankiert wird dieses überbordende Manifest der Verwandlung von grossformatigen Gemälden, die panoramaartig und wie auf grossen Schautafeln die Welt des Fabrice Hyber ausbreiten», schreibt das Thurgauer Museum. Zur Ausstellung entsteht ein Audioguide mit Erläuterungen des Künstlers.
Im Aussenraum
Bereits vor dem Kunstmuseum Thurgau im Aussenraum kündigen Fabrice Hybers charakteristisch hellgrüne Figuren die Ausstellung im Inneren an: Sie entstehen seit 1991 und sollen an möglichst viele unterschiedliche Orte weltweit wandern – neben dem Palais Royal in Paris (2022) waren sie unter anderem schon in London, Lissabon, Shanghai und Tokyo zu sehen. «Sie sind zugleich die Botschafter des Wassers als Quell des Lebens und Symbol des stetigen Im-Fluss-Seins», ist auf der Webseite des Hauses zu lesen..
Flyer:
https://kunstmuseum.tg.ch/public/upload/assets/185621/web_2026_KM_Fabrice_Hyber.pdf?fp=1
Kontakt:
https://kunstmuseum.tg.ch/de/sammlung/ausstellungen/ausstellung.html/7912?exhibition=153
Mehr:
Der ewige Kreislauf des Lebens
https://thurgaukultur.ch/magazin/der-ewige-kreislauf-des-lebens-6397
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Kommentare von Daniel Leutenegger